Luxus für Kinofans: ASTOR Film Lounge HafenCity!

„Downton Abbey“! Ja, das wollte ich sehen und zwar sofort. Ich bin ein Fan der Serie. Also ab ins Kino. Von meiner Freundin Biggi wusste ich, dass Hans-Joachim Flebbe Hamburg wieder ein wunderschönes Kino ’geschenkt’ hat. Das ist nicht sein erstes! Wer mehr wissen will, gehe auf seinen Wikipedia Eintrag. Hier hat er sich für Hamburg selbst übertroffen. Erst einmal liegt es in der Hafencity und ist perfekt mit dem Metrobus 6 zu erreichen – Ankunft- und Abfahrthaltestellen vor der Kinotür. Kommt man in das Foyer – die Bar, begrüßt einen ein großzügiges, farblich heiteres Ambiente: edel und doch gemütlich. Mit der Karte kauft man übrigens einen Drink – mit oder ohne Alkohol – und sitzt dann auf sehr gemütlichen Sofas, Sesseln, Stühlen. Tageslicht flutet herein, an der Wand große Fotos von Kinostars.

Die Gemütlichkeit der Sitzgelegenheiten in der Bar wird noch übertrumpft durch die unglaublich bequemen Kinositze. Viel Raum ist vor den Füßen. Für niemanden muss man aufstehen, die Getränkebestellungen vom Kinosessel finden unfallfrei statt, ohne die gewohnte Platznot. Der Sektkühler neben dem Sitz hält sicher die bestellte Flasche fest. Das Servicepersonal ist superfreundlich. Hier kann man wirklich von KinoSESSEL sprechen. Ein Sessel, den man so angenehm mühelos in eine fast Liegeposition bringen kann, dass das entspannte Zuschauen garantiert ist.

In meinem Alter habe ich natürlich viele Kinos kennen gelernt. In Paris – hauptsächlich nachts und dann im O-Ton der Film und die Warnung: „Achten sie auf ihre Tasche unter dem Sitz! In Rom – eng und heiß. In Shanghai – großzügig der Raum, aber individuell um die Füße herum wenig Platz. Hier in der Astor Film Lounge gehen alle Wünsche in Erfüllung. Ein wirklicher ’Time Out’ Ort. Sehr empfehlenswert!

London habe ich noch nicht erwähnt und da habe ich ja am längsten außer Lande gelebt. Große und großzügige Kinos, aber das herausragendste Ereignis war ein Kinobesuch im Souterrain des Mayfair Hotels – wenn ich mich nicht irre. Jahrzehnte liegen dazwischen!

Da war ich zum ersten Mal mit meiner damaligen und langjährigen Freundin Inge Behrens. Ja, ich bin ein Mensch, der sich aus Beziehungen herausentwickeln kann, wie wäre sonst Zeit für neue Bekanntschaften? Beruhigender Weise werde ich auch ‚fallen gelassen‘ und mache passenderen Weggefährten Platz. Marcel Ophüls und noch andere aus der Film Crew von ’Memory of Justice’ waren bei diesem Mayfair Hotel Filmbesuch dabei. Inge hatte den Film geschnitten.   

Wir waren sehr spät im Kino. Erst haben wir einen Film gesehen, dann gab es eine Pause und – ÜBERRASCHUNG – ein Buffet im Foyer! Ohne Kostenaufschlag. Einfach so für Filmfans, die kleine Gemeinde. Es sollte aus Zutaten zubereitet worden sein, die im Hotel nicht aufgegessen wurden und am folgenden Tag nicht serviert werden sollten. So wurde mir erklärt. Man aß und trank und scherzte und dann gingen wir wieder in den gemütlichen kleinen Kinosaal und haben den zweiten Film in voller Spielfilmlänge gesehen. Das ist mein rasantestes Kino-Erlebnis. Besonders nachdem ich erfahren habe, was für eine Berühmtheit Marcel Ophüls und sein Vater Max Ophüls waren. Berühmte Leute sehen in Alltagssituationen so normal aus!

Ach ja, ich habe noch einmal eine Film-, nein Regisisseur-Legende getroffen und zwar in Paris. Sam Fuller! Cowboyfilme waren seine Spezialität. Nicht meine, darum habe ich damals wenig mit ihm assoziiert. Das war auf einer Party mit Laurens Straub, der vor Überraschung fast einen Herzinfarkt bekommen hat. Laurens hat auf unseren Großen Essen immer gezeichnet, obwohl er kein besonderes Talent dafür hatte. Rührend! 36 Gäste waren bei einem Essen einmal der Höhepunkt mit Gideon Bachmann, einem Filmkritiker, der lange Zeit der Liebste von Anouk Aimée war. Alles Berühmtheiten von früher.

Noch ein Wort zu „Downton Abbey“. Ohne meine persönliche Geschichte mit der Serie hätte ich den Film langweilig gefunden. So war es wie ein Familienbesuch. Alte Bekannte! Und für alle Filmpersonen ist nun bestens gesorgt. Julian Fellowes wird wohl keine weitere Folge schreiben. Wenn ja, sehe ich es mir an und natürlich auf jeden Fall wieder im Astor Lounge Filmtheater.

Klimastreik 20.9.2019

Gestern war ein großer Teil der Welt auf den Beinen. Sogar in Kabul unter Soldatenschutz. Gestern konnte man global fühlen: EINE WELT! Und welche umwerfenden Maßnahmen produziert die Regierung nach bestimmt anstrengenden 19 Stunden Kolloqium?

Wortbedeutung: zeitlich festgelegtes Gespräch … / Zusammenkunft von Politikern, Wissenschaftlern zu bestimmten Problemen

Also was ist herausgekommen? Nicht genug! Aber vielleicht ist es ein Anfang? Vielleicht kann die Erkenntnisfähigkeit dieser Politiker sich nicht mehr vorstellen? In Englisch: they can’t picture more. Da sieht man Bilder, die der Inhalt von Vorstellungen sind oder sein sollten.

Vielleicht haben sie durch ihr Unvermögen das Feld bestellt für eine kommende Regierung, die die mächtigen Einschnitte vornimmt, die allein unseren Planeten retten können.

Ich bin am Treffpunkt von uns Grünen gewesen. Habe ziemlich viele gekannt. Das macht Spaß. Ich hatte natürlich gedacht, dass wir laufen. Was sonst ist eine Demonstration! Aber siehe da, ich habe 2 Stunden auf mehr oder weniger einem Fleck gestanden, weil es so viele, SO VIELE Teilnehmer waren, dass man sich nicht bewegen konnte.

Nach 2 Stunden bin ich nach Hause gegangen und die Stadt war so etwas von gemütlich. Die Imbissstände auf dem Rathausmarkt hatten den Umsatz ihres Lebens! So viele Würstchen-Esser. Und in der Sonne saßen entspannte Leute, die auch die Stehzeit zum gemütlichen Plausch mit Kaffee genutzt haben. Es war sehr schön mit so vielen Menschen zusammen zu sein!

Aber: es muss sich noch viel ändern und ich bin sicher, das wird es auch. Greta Thunberg wird keine Ruhe geben – dank Asperger wird sie das auch durchhalten!

Schönes Wochenende an alle!

Social Design Hamburg

Diese Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg macht einen bei all dem Trump & Johnson & Erdogan & so Getöse richtig froh – und ich meine RICHTIG FROH. Wie der Name schon sagt, sieht man lauter Entwürfe die sozial sind, d.h. die der Menschheit gut tun. Und ich meine DER MENSCHHEIT: den 99%, die sich so viel teilen müssen oder den 50 %, für die Leute, die ich auch nicht so viel übrig lassen.

Wenn wir – und das ist nicht der Pluralis Majestatis, denn meine LeserInnen sind meist in ähnlich guten Lebensverhältnissen – über Rohstoffe nachdenken, dann doch wohl über Gas, Kohle, seltene Erden und so. Hier in der Ausstellung erfährt man, dass das, was alle 100% Menschen als Rohstoff produzieren, ihre Fäkalien sind. Erste normale Reaktion:“IIIIhhhhgitt!“ und „Stinkt!“ Nein, stinkt nur, wenn das große und das kleine Geschäft vermischt werden. Das vermeidet man anstrengungslos mit diesem Klo, das nicht in irgendeine Kanalisation Zugang hat.

Ich habe solche eine Toilette schon einmal in meinem Workshop Permakultur ausprobieren dürfen und war überrascht. Ich dachte natürlich, da muss man was tun. Nein! Wir sind ganz schön gut konstruiert: das kleine und das große Geschäft entladen sich räumlich so gezielt getrennt, dass alles wie von selbst geht. Und so geht es dann weiter:

Was aus dem Flüssigen wird, das habe ich nicht näher ergründet, aber aus dem Festen wird etwas noch Festeres, ein Baustoff = Ziegel. Toll! Das muss man wirklich gesehen haben. Ich war offensichtlich so beeindruckt, dass ich den schwarzen, absolut appetitlichen Ziegel nicht fotografiert habe. Also: selber hingehen!

Sehr toll auch der leicht aufbaubare Kiosk mit Licht, da Photovoltaik auf dem Dach.

Oder der auf- und abbaubare Webstuhl:

Man konnte gewebte Beispiele betasten. toll!

Hier ein verschließbarer Handwagen für Obdachlose. ein Beispiel davon stand auch dort:

Und noch viel, viel mehr. Es geht einem das Herz auf! Bitte, bitte hingehen. Der Imbiss im Restaurant ist sehr gut, auch u.a. mit vegetarischen Köstlichkeiten ausgestattet.

Schön und passend war auch die gegenüberliegende Ausstellung mit Kunstwerken aus Knete, ja KNETE wie für Kinder: ganze Filme gab es zu sehen. Und dann durfte man selber etwas kneten und es dann auf der Wall of Fame hinterlassen. Ich habe meine Frau neben die beiden bereits dort stehenden „Kunstwerke“ gestellt:

Ich fand, nun sieht sie aus wie eine Lehrerin, die sich fragt, wie sie den Stoff am besten vermitteln kann.

Schönes Wochende und viel Spaß bei der Ausstellung: bis zum 3. November 2019.

Woody Allens neuer Film ‚A Rainy Day in New York‘

10 Tage nur Sonnenschein und viele schöne Konzerte und den neuen Film von Woody Allen im Original mit holländischen Untertiteln. Wieder eine sehr schöne Art Niederländisch zu lernen. Der Film ist unterhaltsam und total im Stile aller Woody Allen Film: irgendwie beiläufig und am Schluss dieses Films haben zwei sehr junge Menschen Erkenntnisse gemacht. Der Hauptdarsteller natürlich wieder Woody in jung. Herrlich! Immer leicht nach vorn gebeugt: die Last des Lebens vom Kindergarten an… Die Hauptdarstellerin eine hübsche unbekannte Schauspielerin, die aber keinem Klischee entspricht. Ihre karriere-interessierten Motive und ihre Empathie lassen sie von einer Situation in die nächste taumeln und der freundlich interessierte junge Mann erfährt ein dunkles Geheimnis seiner Mutter – was Woodys echte Mutter vermutlich entsetzt hätte. Hat mir gefallen – auch New York als selbstverständliche Kulisse hat mich an meine 3 Monate in New York erinnert.

In Utrecht ist es wie in Paris: man sieht alle neuen Filme SOFORT, in Deutschland werden wir ja immer mit Deutsch sprechenden Schauspielern verwöhnt und die Synchronization dauert natürlich. Also, man kann sich auf diesen Film freuen.

Wir haben hier in Leiden gegenüber an der Gracht gesessen und ich fand, die Ausstattung der Müllmänner harmonisierte sehr mit den hübschen Geranien.

Hier hören wie eines von den Gratis-Konzerten. Wir mussten 30 Minuten vor der Kirche warten, weil das Cembalo gestimmt werden musste. Ganz rechts außen sitzen die Sänger, die auf ihren Einsatz warten. Es war sehr schön, aber die Sitze geradezu phänomenal schlecht. Ich habe mich schließlich auf das Betkissen gesetzt.

„Big Band Barock“ hieß das Ensemble des letzten Konzertes. Viele alte Instrumente und Schlaginstrumente im alten Stil: Tambourine, Trommeln für einen Musiker. Sehr schön anzuhören. Eine große Überraschung war die Zugabe: alle Musikanten erhoben sich und sangen ein Madrigal. Nach der ganzen Zeit des Spielens an den Instrumenten, ohne Einstimmung, mit einam Schlag war ihre volle sanfte Stimmkraft da. Bewundernswert! Wir haben es genossen und begeistert beklatscht.

Die Stühle hätten keine weitere Zugabe von der Zuschauerseite aus möglich gemacht. Zumindest unsere Stühle, wir saßen nämlich auf den leichtgebauten: eine Zuhörer ist mit Knall in einer Pause zusammengebrochen und umgefallen. Die Musiker haben eine Weile geschaut und gewartet und dann ging es weiter.

Sieht das nicht aus wie ein Flughafenhalle? Das ist der Haupftbahnhof von Utrecht. Der öffentliche Verkehr ist wunderbar geregelt: man hat eine Plastikkarte, auf die man Geld überträgt. Sowohl bei Bussen wie bei Zügen (Bahnhofseingang) lässt man seine Karte einlesen und fährt los. Am Ankunftsort hält man die Karte wieder vor das Lesegerät und fertig. Kein lästiges Fahrkartenkaufen mehr. Das hat uns auch sehr gefallen.

Utrecht war wunderbar. Niederländisch zu sprechen geht immer besser. Wir freuen us schon auf die nächste Fahrt nach Utrecht!

Holland ist wunderschön

In einem anderen Land ist vieles anders. Das finde ich so erfrischend! Beispielsweise sehe ich gern das ‚Perfekte Dinner‘ in Deutschland. Ich finde die Gruppenentwicklung mega-spannend. Hier in Holland gibt es die Sendung auch, aber ganz anders: Uit mijn keuken heißt sie hier – glaube ich.

Auf jeden Fall treffen sich 5 Paare, ein Paar kocht und die anderen genießen. Außerdem ist eine Küchenexpertin dabei, die seperat auch isst und beurteilt. Alle schreiben ihre Punkte mit einer Danksagung in ein Gästebuch. Diese Art ist sehr gesellig. Partner reden sehr offen miteinander – alles dies so weit ich das verstehen kann.

Hier bereiste Städte:

Gouda Kaasmarkt
Scheveningen
auf der Toilette in der Bibliothek in Den Haag
ein junges Mädchen wartet auf Zukünftiges in Leiden
ein wunderschönes Konzert
die Musikanten von ‚Il Ciarlatano‘ – PergolesiNeue Hofkapelle Graz

Dazu muss ich mehr sagen. Die Inszenierung war perfekt im Stil der Commedia dell’Arte. Der australische Regisseur, Adrian Schwarzstein, hatte wundervoll seine Hausaufgaben gemacht. Als studierte Regisseurin – Royal Central School of Speech and Drama! – darf ich das sagen. Gleich nach dem lautstarken Getöse des Einzugs hatte er einen mitten in der ersten Reihe sitztenden ‚Bürger‘ aufgesucht, ihn gescholten, einen ganzen Platz bloß für seine Tasche einzunehmen und dann huckepack ein hübsches junges Mädchen auf den nun freien Platz gesetzt. Ihr knallrotes Gesicht verriet, dass sie wirklich aus dem Publikum war. Dann musste derselbe Herr zusammen mit einem jüngeren, eher lockereren – dessen Hemd nur halb zugeknöpft und teilweise aus der Hose hängend – auf die Bühne und einen Baum darstellen. In seinen Händen frische Zweige Grün hochhaltend. Der Regisseur versteckt sich hinter ihm, seine Beine hilfesuchend umklammernd. Dabei ‚gerät‘ seine eine Hand voll auf die Männlichkeit des Laienddarstellers. Nach einigen Sekunden – für den armen Ausgestellten müssen es lange Minuten gewesen sein – meldet sich sichtbar dessen Männlichkeit. Das Publikum, ich auch, brüllt schadenfroh erheitert über den gelungenen Coup. Der so Ausgestellte lächelt heftig errötet mit und hält weiter wacker seine grünen Zweige in die Luft. Derb lustig und total Commedia dell’Arte: den Bürger auf die Schippe nehmen. Einer Frau in der ersten Reihe wird die Tasche entrissen, das Portemonnaie entnommen und die Tasche achtlos nach hinten geschmissen. Ach, herlich für uns Zuschauer!

das happy end auf der bühne

Enlarvend sind auch die Kostüme: hinten offen und gebunden und so für jede Figur verwendbar. Alle spielen so, wie Bertold Brecht verzweifelt allen Schauspielern anempfohlen hat: auf der Bühne ZEIGEN wie dieser Mensch ist. Das ist allen perfekt gelungen. Also: eine Stunde vollstes Vergnügen! Danke an alle Musikanten und Sänger. Übrigens toll, dass die Sänger und Musikanten alle so schauspielern konnten, denn alle waren dazu verpflichtet.

Tasche am Abgrund

Abends an der Gracht zu essen ist fein, aber doch nicht so nah am Wasser. Da muss meine Tasche sitzen!

mein Bein in Utrcht
die Zimmer sind so schön wie letztes Jahr

Straßenfest und keine Sonne

An diesem Wochenende ist in Uhlenhorst auf Hofweg und Papenhuder Straße Straßenfest. Es ist noch früh, aber unter unserem Fenster suchen mehr Autos als sonst einen Parkplatz. Kleiderständer mit sehr bunter Kleidung zum second hand Verkauf werden den Bürgersteig entlang geschoben. Kurz: allgemeine Aufregung und Hochstimmung. Keine Sonne, noch keine Sonne, aber vielleicht bleibt es ja trocken und es wird doch irgendwie heiter.

Diese hübsche Maid befindet sich an dem Haus gleich an der Haltestelle Averhoffstraße neben der Haspa. Ob die Tochter des Bauherren wohl Modell gesessen hat? Oder war es seine Ehefrau? Wohl eher nicht. Vielleicht sein Geliebte? Und ein Drama spann sich um dieses harmlose hübsche Halbrelief? Echte Autoren könnten hier einen Ausgangspunkt für viele Leiden und Freuden finden.

Die Haupgeschäftsstraße von Uhlenhorst ist eine sehr schöne Straße: abwechslungsreiche Einzelhandelsgeschäfte und viele Cafés und Restaurants, die auch – wie man so schön sagt – von uns Uhlenhorstern sehr gern angenommen werden. Ein Ausflug in unseren Stadtteil lohnt sich auf jeden Fall auch wenn kein Straßenfest ist oder vielleicht gerade wenn kein Straßenfest statt findet.

35 Jahre habe ich in Eppendorf gearbeitet und gewohnt. Das war schön. Uhlenhorst ist auf andere Weise genauso schön. Dörflicher, gemütlicher, sehr der Alster nah. Ein bisschen im Charakter wie eine andere Stadt. Und dann diese vielen ganz anderen wunderschönen Stadtteile! Ist dieser Abwechslungsreichtum nicht ein Beweise dafür, dass Hamburg nicht nur eine Stadt, sondern auch ein Bundesland ist?

Schönes Wochenende an alle!

Kleine Anekdote vom Eppendorfer Wochenmarkt

Gestern. Freitag. Es ist fast 14 Uhr und die Betreiber der Verkaufsstände packen ihre Restbestände wieder ein. Die Lampen über Obst und Gemüse sind bereits erloschen und ich muss gelegentlich mittelgroßen Lieferwagen ausweichen, weil sie in der Passage der Fußgänger mit viel Augenmaß wenden. Man kann aber noch kaufen.

Ich komme von der Hoheluft U-Bahn Haltestelle und erfreue mich meiner Eppendorf Erinnerungen. Schließlich habe ich hier 35 Jahre gelebt. So in angenehmen Gedanken versunken, knallt plötzlich neben mir aus den Händen einer Einpackerin die riesige Zinkvase eines Blumenstandes auf das Pflaster. Wasser spritzt hoch und tränkt vollkommen die rechte Seite meines weiten Rockes. Oh, mein schönes neues taubenblaues Kleid! Erschüttert sieht die hübsche junge Marktfrau nach mir, meinem Kleid und ruft immer wieder: „Oh, oh, oh….“

Ich fasse nach meinem Rock. Wie ein nasser Lappen fühlt er sich an. „Es ist nur Wasser“, sagt sie beschwichtigend. „Ja“, sage ich, „aber aus dem Taubenblau ist plötzlich Dunkelblau geworden und es sieht sehr schräg aus. Haben Sie denn vielleicht ein Handtuch, dass man das Tropfen beheben kann?“ „Ja, kommen Sie.“ Sie nimmt meinen Rock. ruft begeistert aus:“Das ist ja richtiger Stoff!“ und trocknet so gut sie kann. Der Stoff nähert sich wieder der Farbe des übrigen Kleides. „So“, sagt sie abschließend. Der Strauß aus der gefallenen Vase liegt gleich neben uns.

Wir sehen beide auf den Strauß. „Ich finde“, sage ich, „dass ich einen Strauß verdient habe.“ Sie lacht ungläubig, geht zum Tisch und rakt einige kleine Abfall-Blumen zusammen, greift dann aber beherzt nach dem Strauß, zieht das Preisschild ab, sagt: „Ja! Das ist jetzt aber eine sehr große Entschuldigung!“ und wickelt mir den Strauß ein. Ich wische mir restliche Wassertropfen aus den Augen – ja, so hoch ist das Wasser gespritzt! – nehme den Strauß, bedanke mich lächelnd, wünsche ihr ein schönes Wochenende und freue mich auf meins. Ziemlich bald ist mein ganzes Kleid wieder wunderschön taubenblau!

Die Macht der Vorstellung oder Sommer in Rom

Genau im Sommer hat mein Jahr in Rom begonnen. Hat unser Jahr in Rom begonnen. Erst ein Jahr vorher hatte ich mit meiner Liste mit 23 Punkten: diese Eigenschaften sollte mein zukünftiger Ehemann haben! in 3 Wochen bereits den richtigen Mann gefunden. 18 Punkte von 23 und darüber hinaus hatte er noch viele andere, die ich damals noch nicht kannte, aber jetzt wohl. Denn 30 Jahre sind seitdem vergangen.

Da stand seine entzückende Apple-Kiste, einer der ersten Apple Computer. Es war ein Vergnügen für mich, darauf meine Arbeit über die Theaterform zu schreiben, die sich mir in einem lichten Moment während meines Theaterstudiums an der Central School of Speech and Drama in London unter der Dusche einleuchtend und klar gezeigt hatte.

Anfang diesen Jahres nun bekomme ich eine Einladung von der Studienstiftung ‚Evangelisches Studienwerk Villigst‘. Es ist das Jahresprogramm und ich entdecke zu meinem Entzücken eine Einladung zu einem Seminar, das Theatervorstellung und Macchiavelli zum Thema hat. Ich bin begeistert! Genau dieser Niccolò Macchiavelli hat doch das erste Theaterstück zu dieser Theaterform geschrieben, die meine Simultantheater-Form ablösen möchte – zum Wohle des menschlichen Geistes. Zum Wohle einer erheblich weniger zwingenden Vorstellungsform: nicht mehr entweder – oder kann es nur sein, sondern sowohl – als auch so könnte es sein. Luft und Raum und Freiheit in der Vorstellung. Denn da beginnt jede Überlegung, jede Einschätzung, jedes Vorhaben.

Hier sieht man die Vorstellung als zartes Architektenmodell von Paul Gerhard Scharf für uns gebaut hat. Denn nach meiner Rückkehr nach Hamburg war ich immer noch die künstlerische Leiterin des ‚Hamburger Richtertheaters‘. Als ich das Theaterstück ‚Ein Jud in Hechingen‘ von Walter Jens als nächste Produktion vorgeschlagen hatte haben alle gesagt: „Das ist ja so ernst. Wir wollen es gern spielen, aber nur mit einer Alternative, wo Levy (Rechtanwalt, Freund und in dem Stück von Walter Jens Ankläger der Mörder von Rosa Luxemburg) nicht umkommt, sondern in dem gegessen, gesungen und getanzt wird.

Das war zu der Zeit in Deutschland nicht so leicht, aber ich habe es in den Sommerferien, die dieser Diskussion folgten, gut hingekriegt: in meinem simultanen Parallel – Theaterstück überzeugt Einstein, der auch in der Realität ein Freund von Levy war, diesen, mit ihm nach Amerika auszuwandern. Auf der Überfahrt wurde natürlich erst diniert, dann hat Konstanze wunderbar auf meinem Yamaha-Klavier mit Anschlagdynamik gespielt, Marion hat bewundernswert gesungen ‚Ich weiß, es wird noch mal ein Wunder geschehen‘ und das Lied damit aus der Kriegs-Durchhalte-Ecke geholt und natürlich konnte an dieser Stelle auch getanzt werden.

Es war für die Zuschauer ein völlig neues Erlebnis, auf dem einen Bühnenrund das ernste Treffen von der imaginierten Rosa Luxemburg in Levys Arbeitszimmer und auf dem anderen Bühnenrund den Glamour des quasi Luxusliners mit Ober Johnny oder weiblicher Bedienung Monika zu sehen. Der runde Teppich, der das Bühnenrund des Arbeitzimmers war, liegt seitdem in unserem Wohnzimmer, der Kokosteppich des anderen Bühnenrundes ist in die Gesamtschule Eppendorf gewandert, wo ich Darstellendes-Spiel-Lehrerin war.

Die Zuschauer mussten sich auf ein Gongzeichen von mir – keine Ahnung wo der riesige, wohltönende Gong abgeblieben ist – dreimal erheben und in der nächsten Abteilung der Stühle Platz nehmen. Die Reaktionen hinterher waren sehr interessant. Meine Freundin Elisabeth hat gesagt: „Ich fand Rosa Luxemburg so schön und meinen Levy so sympathisch, ich wollte keinen anderen Levy. Widerwillig bin ich deinem Gong gefolgt und nur, weil wir als Publikum vorher geprobt hatten. Aber nach einiger Zeit fand ich den anderen Levy auch sympathisch und habe mich einfach entspannt und vorurteilslos beide Seiten beobachtet. Nach dem zweiten Umsetzen wusste ich schon, wie ich die neue Situation zu leben hatte und bei dritten Mal habe ich es richtig genossen.“

Dann habe ich Niels gefragt, ob er es störend fand, die gegenüberliegenden Zuschauer zu sehen. „Wie bitte, saßen da welche? Dafür hatte ich gar keine Zeit, ich war damit beschäftigt zwei Spielhandlungen gleichzeitig zu sehen und zu verstehen! Kurz und knackig, toll!“ Das war mir bis dahin ein Problem, denn nur die Kreise zu beleuchten war fast unmöglich, immer fiel Licht auf die erste Reihe der Zuschauer.

Erstaunlich war für alle, wie leicht man zwei unterchiedliche Personen als Alternative von sich selbt darstellen lassen kann.

Kleidung und Schminke machen es sogar leicht möglich. Allerdings hatten wir auch in diesem Stück Elke Hansen, die Maskenbildnerin vom Schauspielhaus, die das ganz wunderbar gemacht hat.

Schöne Erinnerungen! Mit der Einladung vom Studienwerk habe ich meine Arbeit wieder hervorgeholt und festgestellt, dass sie gut ist. Hier findet ihr das Vorwort von mir neu geschrieben und das Orignial nach 30 Jahren – mit liebevoller Mühe von Rainer überarbeitet – zu lesen:

http://www.welt-ohne-geld.de/simultantheater/

Wahlkampftourismus oder auf dem Sofa in Sachsen

Was für eine tolle Idee: GRÜNE aus Brandenburg, Thüringen und Sachsen laden GRÜNE aus anderen Bundesländern ein, um mit ihnen gemeinsam zu segeln, zu wandern und die Wahlkampagne zu machen. Und natürlich Freundschaften zu schließen. Ich bin begeistert! Denn über die Wahlkampagne hinaus finde ich das Kennenlernen besonders schön. Spontan wollte ich sofort mitmachen. „Zwei Nächte auf dem Sofa in Sachsen?“ Rainer erinnerte sich gleich, dass ich nicht mehr 40 bin und dass mich der Europa- und Bezirkswahlkampf ganz schön angestrengt hat. Der ist ja noch nicht lange vorbei.

Ja, dachte ich, jeder an seinem Platz. Denn außer personeller Unterstützung ist die finanzielle sehr SEHR sehr wichtig. Für Plakate, Kinowerbung und Spots im Fernsehen. Da habe ich diese Collage gebaut.

Dann fand ich dieses Bild aber irgendwie naiv und habe – immer mit demselben Text – noch eine Collage gebaut.

Dann hatte ich das Gefühl, dass eine dritte Collage Bekannten und Freundinnen eine längere Zeit zum Betrachten geben würde, während ich ihnen den Text vorlese und habe diese dritte Collage gebaut.

Der Text geht so:

??? EINE PIZZA FÜR DIE WAHLKAMPAGNE ???

„Geht es dir auch so?

DIE GRÜNEN sind die Partei, mit der du

augenblicklich am meisten übereinstimmst?

und

für FRIDAYS FOR FUTURE bist du zu alt?“

Von den 80 000 Mitgliedern leben in den Brandenburg, Sachsen, Thüringen nur 5000. Darum ist Unterstützung angesagt. Manche Grüne machen einen Wahlkampf-Urlaub. Sie besuchen DIE GRÜNEN in Brandenburg, Sachsen und Thüringen. Sie werben mit ihnen gemeinsam und machen gleichzeitig Urlaub. Aber auch Geld ist für die erfolgreiche Wahlkampagne sehr notwendig.

Könntest du dir vorstellen, den Grünen eine Spende zu schenken? Das wäre total lieb! Was du davon hast? Ich kann dir aus Erfahrung versprechen, dass du eine belebende Aufregung während der gesamten Wahlkampagne verspürst und erst recht während der Bekanntgabe des Wahlausganges: Politik hat plötzlich etwas mit dir persönlich zu tun. Du hast dich eingemischt. Hast gehandelt!

Sagst du ja, dann geht es so weiter:

Online! http://www.gruene.de/spende-ltw

(nach dem Facebook Symbol weiterscrollen!)

oder

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

IBAN:DE73 4306 0967 8035 8159 00

Von Herzen Dankeschön!

Verantwortlich für diese Bitte:

elisabethscherf.wordpress.com

Bisher war die Reaktion sehr wohlwollend und spendenbereit. Und wenn sich jetzt eine Leserin angesprochen fühlt und den Betrag einer Pizza spenden würde – so war mein Pizza-Aufruf gemeint – dann würde ich mich sehr freuen. Ein Schönes Wochenende allerseits!