Lady Gaga, Europawahl und „Letzte Hilfe“

‚A Star is born‘ mit Lady Gaga und Bradley Cooper ist ein wunderbarer Film. Ich habe die Musik genossen. Tatsächliche Konzerte der beiden Stars waren erzählerischer Teil des Films und die Energie kam voll ‚rüber. Der Film war für mich die ‚Geburt‘ der Person, die so enorm erfolgreich Lady Gaga gespielt hat: sie selber, mit richtigem Namen Joanne Angelina Germanotta.  Der Film war wie eine Rückblende der Kunstwelt hinter ihr als Star. Was für ein schönes Gesicht sie im Film hatte als sie noch nicht künstlich aufbereitet wurde. Sehr gefallen hat mir auch die nebenbei selbstverständliche emanzipatorische Haltung von ihr. Lustig ihr Vater mit seiner – sehr gepflegten – Gang – der sich zu Unrecht von Frank Sinatra im Erfolg überholt fühlt. Wundervoll die Bar mit all den Beispielen von Zwischen-Möglichkeiten eine liebenswerte Person zu sein. Dieser perfekte Busen, den sich ein Transsexueller da umhängt! Herrlich! Ich hatte von dem Film gelesen, aber die Begeisterung von meiner Freundin Susanne und erneut die von meinem Freund Bernd mit ihrem einstimmigen überschwenglichen Urteil über ihre wunderbare Stimme haben mir dann keine Ruhe gelassen und Rainer und ich haben den film gesehen. Dank an euch beiden!

Tisch

(Blick aus dem Wohnzimmer morgens um 8 Uhr Winterzeit)

Dann war ich in dieser streng durchgetackteten Woche am Montag im St. Pauli Theater und habe nach langer Zeit einmal wieder Irmgard Schleier am Klavier und Eva Mattes vorlesend und singend erlebt. Gegenstand des Konzerts waren die Tagebücher von Astrid Lindgren „Die Welt hat den Verstand verloren“, das Astrid Lindgren als 30jährige junge Frau noch vor ihren Meisterwerken – Kinderbüchern geschrieben hat. Es war sehr schön. Allerdings sind wir in der Pause gegangen, weil hauptsächlich die Abfolge der Überfälle der deutschen Wehrmacht auf ganz Europa aufgezählt wurden. In der Pause zu gehen ist eine Spezialität von uns. Wenn uns etwas nicht total begeistert, sondern eher politisches Vorwurfs-Pflichtprogramm ist, setzen wir uns ab, solange wir das Unternehmen noch von Herzen bejahen.

Besonders gut an diesem Ereignis war allerdings für mich, dass ich mich erinnert habe, wie gerne ich die Astrid Lindgren Kinderbücher wieder hören, bzw. vorlesen würde. Auf diese Weise habe ich natürlich als erwachsene Frau alle kennen gelernt: ich habe sie in der Uni-Klinik auf der Psychosomatischen Abteilung den Kindern und meiner Tochter abends am Bett vorgelesen. Da habe ich die Idee gehabt, diese Bücher in der Senioren-Anlage meines Stadtviertel einmal in der Woche vorzulesen. Ich bin gleich dorthin gegangen. Die Chefin selbt war nicht da, aber ich habe meine Visitenkarte dort gelassen, die Stellvertrein hat sie in ein Buch geklebt und meine Absichten aufgeschrieben und nun bin ich gespannt, wann sie sich mit mir in Kontakt setzt. Sonst gehe ich noch einmal vorbei.

aussen

(vor unserer Haustür – in diesen Farben malt die Natur)

Am Dienstag war die Vorstellung der Kandidat*innen zur Europawahl. Die Grünen sind wunderbar in ihrer Zeit-Ökonomie: wenn auf der Einladung 17 – 19 Uhr steht, dann ist tatsächlich um 19 Uhr Schluss. Könnte das nicht den einen oder anderen von euch zum Mitmachen anregen? Im Kreis sind die Veranstaltungen meist von 19 – 21 Uhr und zwar auf den Punkt. Hier waren 20 Kandidat*innen und ich kann sagen, dass mir um die Ideen für ein starkes, friedliches, geeintes Europa nicht bang ist. Die Kandidat*innen sind zwischen 30 und 50 Jahren, berufserfahren, nicht nur weit-, sondern weltgereist, weil sie tatsächlich länger dort gelebt, gearbeitet und oder geforscht haben, politisch geübt, vielsprachig, Gremien-erfahren, voller Gestaltungsfantasie und Sachorientierung,  gruppenfähig und fraktionsübergreifend erfahren. Und dies immer um die Themen, die die Grünen, uns Grüne umstreiben: den Erhalte des Planeten Erde und den Frieden unter seinen so unterschiedlichen ‚diversen‘ Bewohnern.

Dafür zu kämpfen erscheint mir plötzlich noch dringender als früher, weil ich eine Sendung über die Besiedlung des Mondes und die MARS Society gesehen habe. Sind das tatsächlich unsere Steuergelder, die für das Projekt der Besiedlung des Mondes ausgegeben werden? Sollen die Handvoll Reichen von den Steuerngelder zukünftig dort ein Zuhause finden, so dass man diesen Planeten vernachlässigen kann? Schilderung aus dem Film: Wenn man sich in einem Gebäude aus einer aufblasbaren Kunst-Schicht befindet, die mit Eis umgeben wird, dann sieht man die Erde am Himmel. Mir wurde ganz anders. Darum muss man sich mal kümmern, finde ich. Was tut sich da unter dem Thema Raumfahrtprogramm…

Dann war ich gestern zu dem vierstündigen Workshop ‚Letzte Hilfe‘ und habe alles über den Vorgang eines natürlichen Todes gelernt. Ich kann diesen Kurs sehr empfehlen. Jetzt weiß ich, was auf mich zukommt, wenn ich nicht einfach im Schlaf sterbe, denn das wünsche ich mir. Und ein plötzlicher Herzstillstand ist bei diesen Aussichten auch keine schlechte Sache. Die nächsten Kurse erfährt man hier http://www.letztehilfe.info. Es gibt auch ein Buch für 10 €, das allerdings den Kurs nicht ersetzt, aber die Inhalte gut im Gedächtnis hält.  Der Kurs ist auch gut für Information und  Einstieg in die Mitarbeit im Hospiz.

Morgen geht es ganztägig ins MUSEUM DER ARBEIT zum Eröffnungsfestival der Ausstellung: „OUT OF OFFICE – Wenn Roboter und KI für uns arbeiten“ im Museum der Arbeit, Hamburg 7.11.2018 – 19. 05.2019 Wir mussten uns anmelden, kostenlos, und werden Roboter, Vorträge, Workshops, Spiele, Virtual Realitic Filme und mehr erleben. Das interesseirt mich alles enorm – komme ich da meiner Vorstellung des Bedingunglsoen Grundeinkommens näher?

Ja, das ist Hamburg, man kann für alle Interessensgebiete Anlaufstellen finden. Wundervoll!

 

Advertisements

Einen Plan im Leben machen, das ist wie ein Plot in einem Roman

Blumen wie Nolde

(das habe ich 2014 mit Pastellkreide gemalt – ich wollte etwas wie Nolde machen…)

 

Ein Plan in meinem Leben ist wie eine Wette mit mir selber: Schaffe ich das oder nicht. Ein Plan ist wie ein Gummiband, das ich von mir in meinem Jetzt-Sein in die Zukunft werfe. Damit dieses Gummiband Zug bekommt, muss das Ziel echte Haken haben, an denen man es imaginär festzurren kann.

Ich habe mal gegoogelt, was ein Plot ist. Bei Wikipedia finde ich:

„Als Handlung, alternativ Mythos, Fabel, Fabelführung, Plot oder Szenario (auch Szenarium, Szenar), wird in der Literaturtheorie – aber auch in Filmen, Comics und Computerspielen – eine „Abfolge von zusammenhängenden, [ursächlich] miteinander verketteten Ereignissen oder Vorgängen bezeichnet, die das dramatische Gerüst“ des jeweiligen Werks bilden.“

Wie stellt sich beispielsweise bei mir der Anfang her: In Shanghai haben beispielsweise immer mal wieder Ex-patriots (das ist die Bezeichnung für Menschen, die eine Weile permament außerhalb ihres Heimatlandes leben. In Shanghai eine Community aus vielen Ländergruppen. Ich habe mich besonders auf die Gruppe der Franzosen konzentriert und von ihnen Mah Jong gelernt, mit ihnen eine Reise nach Tibet gemacht und einigen von ihnen Englisch-Unterricht gegeben) erstaunt gesagt, dass ich Menschen aus New York ähnele. Da habe ich gedacht, dass ich das selber einmal in New York überprüfen muss.

So war der Plot-Anfang gegeben. Irgendwie hat dieses von meiner Energie genährte Vorstellungs-Gummiband wunderbar funktioniert. Ich lasse ja immer 4-5 Jahre von einem einjährigen bis 2monatigen Auslandsaufenthalt bis zum nächsten vergehen. Das gibt meiner Imagination genug Zeit, um Verwirklichungsideen zu empfangen.

New York war schwierig, weil ich dort auf keinen Fall  Sprachenunterricht würde geben können und die Stadt eine verzweifelt teure Wohnsituation hat. Ich habe das Internet in diesen Jahren immer wieder nach Möglichkeiten durchgraben und schließlich per email in einem Newsletter einer Organisation, bei der ich bei meinem siebzigsten Geburtstag zwei Wochen einen Intensivkurs Spanisch und eine Woche mit Rainer Barcelona gebucht hatte, den Kurs in New York entdeckt: wir machen einen Film in 6 Wochen. Ich dachte, die brauchen in einem Film auch alte Menschen und nach meiner zertifizierten Schauspiel- und Regieausbildung in London kann ich da vielleicht mitmachen. Den Kurs habe ich dann nicht mitgemacht, aber dadurch meine Lebensgrundlage in NY gefunden.

Bei der Suche nach einer Unterkunft habe ich das „Brandon – Residence for Women“ entdeckt. Und auf deren Website die Möglichkeit eines Stipendiums, für das 2 Gutachten nötig waren. Eines hat mein ehemaliger Schulleiter, das andere ein Professor für Klassisch Chinesisch aus meines Chinesisch-Studiums geschrieben. So konnte ich schließlich das Stipendium bekommen: € 880 (bei der derzeitigen Umtauschrate von Dollar in Euro) pro Monat für ein 12qm großes Zimmer mit Halbpension in der 85th Street, also mitten in Manhattan. Besser hätte es gar nicht kommen können. Ich möchte das Brandon hier weiter empfehlen und auch die Möglichkeit des Stipendiums!

Zimmer

(mein Zimmer im Brandon)

Dieses Gummiband eines Plots spannte sich also von Shanghai bis New York über einen Zeitraum von 4 Jahren. Es hat mich wach, interessiert und einfallsreich gehalten.

Der augenblickliche Gummiband-Plot ist Utrecht, Holland mit allem was dazu gehört, aber das wisst ihr lieben LeserInnen meines Blogs bereits. Übrigens vermute ich, dass diese langangelegten Plots enorm jung halten…denk ich mal. Es fühlt sich auf jeden Fall so an!

 

Übrigens müsste ich jetzt in Bezug auf mein Plot sagen: Es ist positiv aufgegangen. Was ist eigentlich ein „Plot“? Zur Verdeutlichung hier das Beispiel eines beliebten Plots: Eine Krankenschwester verliebt sich in ihren (verheirateten) Chefarzt. Der Roman würde dann davon handeln, welche ’Strategien’ sie entwirft, um ihre Verliebung zu realisieren – Liebe kann das doch wohl nicht sein, oder? –  aber ein entflammtes Herz kann umso schlimmer sein. Wenn sie weiß, dass fast jeder Mann über seinen ’Willi’, wie die Engländer das Gehirn der unteren Etage am Männerkörper nennen, zu steuern ist, dann wird sie auf körperliche Reize, Nähe und Berührungen setzen. Ist sie edler und auf die Dauer gefährlicher für die Ehe des Arztes, weiß sie seine Sorgen besonders gut zu spiegeln, zu bemitleiden und zu versöhnen. Für so einen Roman kann man viele Wege zu einem tragischen – der Arzt-Ehemann ist ein Held im Widerspiel seiner Natur und seines Geistes – oder ein zu einem Positiven beschreiben: Sie kriegt ihn und der Roman hört da auf, damit man die Schwierigkeiten danach nicht erfährt.

Ja, kreatives Schreiben macht Spaß, man kann die Romanwelt gestalten, wie ich mein Leben, wobei bei mir das positive Ende immer ein Land mit seiner Sprache und Kultur ist.

 

Liebeskummer auf Chinesisch 为情所伤

Warum beuge ich mich immer wieder stundenlang über Chinesisch, obwohl ich weiß, dass ich es nie richtig beherrschen werde und auch beabsichtige, nie wieder dorthin zu fliegen? Ich war schließlich einmal vier Wochen in Nanjing und dann ein Jahr in Shanghai. Basta! – heißt auf Italienisch: das reicht.

IMG_2025

Die chinesische Sprache zu begreifen ist schwer, aber wundervoll unterhaltsam. Wenn man – wie ich – schnell Bilder und ganze Situationen sieht, ist bereits ein einzelnes Schriftzeichen eine kleine Geschichte.

Liebeskummer =为情所伤 = das Gebäude der Liebe wird zu einer Wunde

为 wei4 = etwas wird zu   情 qing1= Liebe   所 suo3 = Gebäude   伤 shang1=Wunde

Das reine Bezeichnungswort für einen schmerhaften Zustand, nämlich Liebeskummer liefert im Chinesischen bereits eine erklärende Geschichte:

Das Gebäude der Liebe wird zu einer Wunde = Liebeskummer. Aus einem Abstraktum wird etwas Konkretes. Liebe abstrakt bedeutet vieles. Durch die Zeichen-Bilder der chinesischen Sprache erfährt man bereits, dass Liebe in diesem Falle zu einem Gebäude geworden ist, das zu einer Wunde wurde.

Da schlussfolgere ich: also muss man das Gebäude schützen oder umbauen oder verlassen, damit es nicht zu einer Wunde wird.

Die einzelnen Zeichen selber sind schon aussagekräftig. 为 wei4 besteht aus 力 li4, was auf Deutsch Kraft bedeutet. Durch dieses Zeichen  kommt nun  ein unterbrochener Strich. Etwas hat die Kraft verändert/kontrahiert und das bedeutet nun „werden zu’ also ein Veränderungsprozess. Toll, oder?

Nur noch kurz 情 qing1.  Das linke Zeichen ist der Radikal: es gibt 227 Radikale und jeder umfasst einen anderen Lebensbereich. Dieses Zeichen heißt ’Herz’ und ist in einer möglichen Form dieses Herz-Radikals, der auch gezeichnet wie das Bild eines Herzsackes als Schriftzeichen besteht. In unserem Fall ist dieser Herzsack aufrecht gestellt.

Alles das, was im Chinesischen mit Gefühl zu tun hat beinhaltet links diesen Radikal. Also, selbst wenn man das Wort weder aussprechen noch übersetzen kann, weiß man doch, um welchen Bereich es sich handelt.

Es gibt Radikale für Mensch, Tier, Sprechen, Arbeit, Fabrik, Bambus, Gras, Mund, Berg, Nahrung usw. Die ganze Liste findet man hier: https://de.wikipedia.org/wiki/227_Radikale

Chinesisch ist richtig gute Unterhaltung! Ich bin von Chinesisch begeistert. Ich hoffe, ich konnte ein wenig von meiner Begeisterung mitteilen…

 

 

Was ich alles mag

Also: Ich spiele gern und darum treffe ich mich jeden Monat mit Freundinnen zum Mah Jong – chinesisches Spiel mit vier Mauern aus bildschönen Steinen. Dann zum Doppelkopf – ein sehr deutsches Kartenspiel, hab ich auf die Anzeige DOPPELKOPF IN SHANGHAI sogar in China regelmäßig gespielt. Und schließlich zum Streich-Quartett – da spiele ich das Cello. Alle drei Abende schließen einen Imbiss mit Wein ein. Ja, ich esse auch sehr gern!

18

(Das Aquarell habe ich 2014 gemalt)

Dann lerne ich sehr gern. Immer und immer wieder sehe ich auf www. chinesepod.com Lehrfilme in Chinesisch. Ich will meine hart erworbenen Kenntnisse in Chinesisch – A2 Grenze zu B1 – naja, nicht verlernen. Ich schreibe auch immer wieder chineische kleine Texte ab. Ich will diese schöne Schrift nicht verlernen. Die Zeichen sind wunderschön und je mehr ich schreibe, desto deutlicher fällt mir mein Abstand zu den perfekten chinesischen Schriftzeichen auf.

Wenn ich nachts wach werde – was mit 79 Jahren lebensgeschichtlich normal ist – hole ich gleich mein IPhone ins Bett und höre auf audible englische, französische oder italienische Hörbücher. Ich lerne neu Holländisch – soll korrekt: Niederländisch heißen, aber für Hörbücher in dieser Sprache bin ich noch nicht gut genug. Märchenfilme in holländischer Sprache verstehe ich schon ganz gut.

Bei der Suche nach französischen Filmen bin ich auf einen 6 Minuten Filmbeitrag gestoßen, der berichtet, dass Brigitte Macron ihren Emmanuel lautstark zusammengefaltet hat, weil er sich in so vielen Situationen unmöglich benommen habe. Besonders der Gesichtsausdruck und sein Kommentar zu einem Arbeitslosen haben sie – und das ganze Frankreich – empört. Leider kann ich das Login dafür nicht wieder finden.  Hier ist ein anderer neuer Youtube-Film über sie  https://www.youtube.com/watch?v=dw-1cdNpaJg.

In Französisch und Chinesisch habe ich Sprachkalender. Rainer hat einen in Italienisch und den täglichen Zettel bekomme ich dann von ihm. So habe ich jeden Tag eine kleine Lektion in diesen Sprachen. Ich bin nicht besonders sprachbegabt, sondern ich lerne gerne, aber ich bin sprach-begeistert! Es ist schön, wie unterschiedlich die gleichen Probleme in den verschiedenen Kulturen empfunden und gelebt werden. Für mich ist Sprache die ’Konserve der Kultur’ einer Sprachgemeinschaft.

Dann treffe ich mich gern mit Freundinnen mittags zum Lunch. Ja, ich esse gern! Das tête à tête finde ich die angenehmste Gesprächssituation und Mittagstische sind in Restaurants noch bezahlbar. Ob und wie oft ich mich treffe ist abhängig davon, wie wohl ich mich mit meinem Gegenüber fühle. Da ich immer wieder neue interessante sympathische Menschen treffe, kann schon mal jemand wieder rausfallen.

Ich habe auch einige Ex-Freundinnen, mit denen ich jahrzehntelang sehr eng verbunden war. Aber wenn – siehe oben – ich mich mit jemandem nicht rundherum wohl fühle, treffe ich mich nicht mehr. Die vielen schönen gemeinsamen Erinnerungen bleiben unverändert in meinem Herzen, dann kommen eben nur keine neu hinzu. Ich sage innerlich sehr klar Ja oder Nein. Ich finde, das gibt beiden Seiten Freiheit.

Ich finde Klarheit eine große Hilfe. Wer denkt, er kann einem anderen etwas nicht antun, der stellt sich über ihn, macht ihn zum Schwachen und sich zum Starken. Keiner ist dies oder das, wir alle sind auf dem Weg, finde ich. Und die Tatsache, dass ich so klar empfinde, die mag ich auch sehr gern.

 

 

 

 

Goldener Oktober 2018

Diese verlässliche Sonne! Was für ein ungewohntes Vergnügen! Da springe ich  besonders gern aus dem Bett und freue mich des Lebens.  Es ist Sonntag und ich habe gleich einen Plan habe und kann Rainer dafür begeistern. Wir machen einen Ausflug! Rainer findet auf dem Handy einen Car-to-go in der Nachbarschaft und wir fahren ins Alstertal

 

05_IMG_2133

Wir “wandelen“ – spazieren in Niederländisch – und genießen das Urstromtal der Alster, der Begriff Endmoräne fällt bei uns in diesem Landstrich auch immer. Dann müssen wir lachen.

Auf einer Seite des Weges ist die Natur sich selbt überlassen, der Weg ist gepflegt und frei, aber dort dürfen Pflanzen und Wasser machen, was sie wollen. Es duftet nach Wald. Es ist sonnig und gedämpft, die Schritte sind abgefedert durch den weichen Boden. Nur einige andere sonntägliche Vormittagswanderer und Hundebesitzer sind unterwegs. Es sind so wenige, dass man sich freundlich „Guten Morgen“ wünscht. Das fand ich in Utrecht auch so nett, dass man von fremden Menschen ein freundliches “Dag“ hört. Da liebe ich gleich die ganze Menschheit, denn jeder Mensch ist ja eine Ausgabe von allen Menschen.

07_IMG_2140

 

Eine richtige Wanderung beinhaltet ein Picknick am Schluss und so lockt am Ende unseres Weges das “ THE LOCKS“. Wohl fünf Jahre waren wir dort nicht mehr. Es ist inzwischen erheblich feiner geworden und doch entdecken wir – zufrieden – auf der Speisekarte „unseren“ Burger mit den besonderen Pommes Frites, Twister genannt und den nehmen wir dann auch. Köstlich!

Ich lese heute: Unwetter auf Mallorca – Wassermassen reißen Autos mit. Die armen Einwohner und Touristen! Unwetter in Florida und Indien! Die Menschen tun mir Leid. Ich will nicht denken, dass das schöne Wetter nicht einfach nur schönes Wetter ist…

 

 

 

 

Freelancers – Web – Serie

Ich stelle mir vor, ich sitze auf einer sonnenbeschienen Anhöhe und sehe zurück auf zerklüftete Berge, reißende Ströme und abziehende dunkle donnernde Wolken. Diese Landschaft versinnbildlicht meine zurückliegenden Lebensjahre: meinen Bildungsweg, meine Scheidung, mein Single-Mother-Leben mit Pubertät meiner Tochter, überhaupt: DIE ANDEREN UND ICH in allen Formen, meine Liebes-Suche und -Findung – alles Momente wie Erdrutsche, Krater, Stromschnellen und Verzweiflung-en, die hinter mir liegen. Alles, alles heldinnenhaft durch- und überlebt. Nun ist ALL DAS Futter für wohliges Zurücklehnen. Gleichzeitig ist es Grundlage für zukünftige neue und nun völlig freiwillige Projekte.

Das ist mein Gleichnis um zu verdeutlichen, was ich am Alt-Sein so schön finde. Man hat es geschafft! ICH HABE ES GESCHAFFT! Wie sollte ich mich in die Jugend zurückwünschen wollen? Wie sollte ich noch einmal zwanzig sein wollen? Ich habe doch alles gelebt und bin mit einem großen YES im Jetzt angekommen.

Das denke ich besonders heute! Bitte jetzt die Webserie ’Freelancers’ ansehen und dann reden wir weiter: /freelancerswebserie/

„Die Webserie „Freelancers“ von St. Pauli Zoo Regisseur Julian Schöneich erzählt die Geschichte von drei Kreativen, die von jetzt auf gleich ihren Job verlieren und ganz plötzlich vor dem beruflichen Nichts stehen. Aus der Not heraus halten sich Anna (Antonia Jungwirth), Timo (Thore Lüthje) und Pablo (Christoph Vetter) mit Freelancer-Jobs über Wasser. Doch der Weg in die Selbstständigkeit ist mit vielen Stolpersteinen gepflastert und schnell wird klar: Als Freelancer wird einem nichts geschenkt! Folgt uns auch auf Facebook: facebook.com/freelancerswebserie/ Kategorie Unterhaltung“. (Hab ich von deren Website kopiert.)

Ich bin sofort auf facebook gegangen, habe die Seite ge-liked und diesen Kommentar geschrieben:

Elisabeth Scherf Hab‘ gerade den Pilotfilm gesehen. Hat mich sehr berührt. Gut gemacht, gut gespielt, realistisch und gleichzeitig weiterweisend. Einen Teil der Gesellschaft dargestellt, den ein großer anderer Teil gar nicht kennt. Hat mich total erreicht! Ich gucke auf jeden Fall jeden weiteren Film. Bisher also 5 Episoden jeweils von 5 – 10 Minuten. Annas Auftritt und Behandlung! Was für eine Unverschämtheit – und ich fürchte einer wahren Begebenheit nachgestaltet…

Heute jung zu sein ist nicht einfach: den kurzen Weg zum Abitur mit einem Jahr Ausland –  das ist eine Verbesserung! – danach ein hoffnungslos verschultes Studium entsprechend der Abschlussnote und daher oft nicht nach freier Wahl. Danach die erste Realbegegnung mit der Realität für Beruf und eigenes Einkommen.

Nach dem Abitur ein Handwerk zu wählen, das wäre eine Alternative. Handwerksberufe, mit denen man beispielsweise mit Freunden ein Haus bauen kann? Tischler, Zimmermann, Dachdecker, Klempner, und so weiter. Junge Menschen müssen vorrausschauend wählen – und selbst dann wäre das heute schwierig.  Sie müssen die Welt verändern und für sich lebbar machen. Ich finde ja, dass ein großzügiges Bedingungsloses Grundeinkommen in diesem reichen Deutschland genau richtig wäre. Wir leben in spannenden Zeiten!

 

Bei Monika Fuchs – ein Erlebnis!

Wenn man Monika Fuchs und Kochen zusammen googelt, dann regnet es im Netz von Informationen. Wunderbar und beeindruckend! Selber bei ihr im herrschaftlichen, gemütlichen Wohnzimmer an der langen erlesen gedeckten Tafel zu sitzen, das ist wie eine wunderschöne Zäsur im Leben: man ist angekommen und nun selber ein Teil dieser besonderen Geschichte.

Tatsächlich sitzten wir in zwei Wohnzimmern. Diese typischen Eppendorfer Wohnungen mit Riesen-Verbindungstüren! So eine Wohnung hatte ich auch 30 Jahre – bis wir uns auf entzückende Weise verbessert- oder auch lediglich – verändert haben. Es ist alles so, wie es in diesem Artikel http://www.zeit.de/2018/14/restaurant-im-wohnzimmer-hamburg-monika fuchs zu lesen ist.  Ich habe gehört, dass Klicken nicht reicht.

Darum: mein Dickgedrucktes kopieren, in Google einsetzen, Googlesuche, es erscheint der Artikel ‚Restaurant im Wohnzimmer‘, aufrufen: Viola! oder Ecco! oder Here it is! oder 找到了! und in Niederländisch Dit is het!

Da wir uns tatsächlich alle folgsam vor der Eingangstür sammeln, um erst um 18 Uhr – wie in der Einladung angegeben – zu klingeln, lernen wir uns schon da ein bisschen kennen. Unsere erste Bekanntschaft ist ein Architektenehepaar aus Münster. Sie – Helga – hat diesen Abend ihrem Mann – Thomas – zum Geburtstag geschenkt. Sie sind glücklich hier zu stehen, denn airbnb hat sie in Hamburg alles andere als nett begrüßt. Offene frischgetrichene und daher auch nicht zu schließende Wohnungstür und entsprechend schrecklicher Geruch sind nur die Spitzen der Enttäuschung. Sie fliehen in ein Hotel, das aber nur für eine Nacht ein Zimmer bieten kann.

Wir kommen ja gerade aus Utrecht zurück und können eine solche Entäuschung gut nachempfinden. Kurz und knackig: heute um drei kommen sie zu uns zum Kaffee. Nachts nach dem Essen rufen wir uns wie alte Freunde zu: „Bis morgen!“

Ganz anders als im Bericht in der „DIE ZEIT“ haben wir uns am Schluss alle ein wenig kennengelernt. Monika Fuchs hat sich nach Apéritif, Gruß aus der Küche, Vorspeise und Hauptgericht in den geöffenten Rahmen der Schiebetür gesetzt und eine „Kindergeburtstagfrage“ um beide Tische gehen lassen: Was wolltest du als Kind werden? – Was bist du geworden? – Was willst du noch werden? Das war informativ, unterhaltsam und lustig. Man musste ganz schön aufpassen. Rainers Cello-Unterricht und ich mit meinen vielen Länder-Sprachen-Aufenthalten und unser Projekt, Holländisch richtig gut zu lernen und in ein paar Jahren noch einmal längere Zeit in Utrecht zu leben, haben geradezu Bewunderung ausgelöst. Sehr angenehm!

Dann gab es Nachtisch und danach erscheint eine Käseplatte auf dem Tisch und Brot und plötzlich erinnert mich unser Verhalten an eine Klassenreise – als läge nicht ein ganzes Essen hinter uns,  essen alle in ausgelassener Stimmung wieder los. Wir lachen viel, nun kenne ich nicht nur Helga und Thomas neben mir sondern auch Hans von ‚gegenüber‘, gar nicht so leicht, denn der Tisch ist enorm breit. Nach dem Käse dann noch Obstler und EspressoWeißwein und Rotwein werden angeboten und Wasser steht in sehr dekorativen Fischkaraffen auf dem Tisch. Ich hoffe, ich habe nichts vergessen. Ach doch, drei sehr nette junge Frauen bedienen uns enorm gekonnt!

In der Einladung war die strickte Zeitangabe: von 18 – 23 Uhr. Rainer und ich haben uns um 21 Uhr gefragt: was soll noch in den folgenden zwei Stunden passieren?  Aber die Zeit verging schnell und um 23 Uhr können sich nur alle schwer trennen und hatten einen wunderschönen Abend erlebt.

Kein Restaurant kann mit diesem Supperclub – Event konkurrieren. Jeder bezahlt 60 €, aber Monika Fuchs nimmt nur ihre Auslagen davon, der Rest der Einnahmen geht an den Waldkindergarten für krebskranke Kinder und ihre Eltern.

Monika Fuchs ist eine total beeindruckende Frau. Ich freue mich, dass ich sie kennen gelernt habe. Wer auch dahin gehen möchte, hier ist die email Adresse zur Anfrage und Anmeldung. Sie kocht jeden Freitag, ist aber immer schon für Monate ausgebucht. Also lange Vorplanung ist zu empfehlen. studiocatering@gmx.de.

Viel Spaß!

Piet Mondrian, geb. Amersfoort 7.3.1872

Ein Ausflug nach Amerfoort mit der Bus-Chip-Karte. Der öffentliche Verkehr ist schön einfach. Hier wollen wir Piet Mondrians Geburtshaus  besuchen. Wir finden es nicht gleich und können so das kleine Städtchen ausführlich bewundern. Die Sonne scheint ja wieder. Zu schön!

Das Geburtshaus ist heute das Piet Mondrian Museum. Es könnte in New York stehen, erinnert mich an das Guggenheim Museum, das ich mir immer riesig vorgestellt hatte und das lediglich auf Fotos durch seine Innenarchitektur so großzügig – auf mich! – wirkte.

Wir können erst mit der Nr.1 beginnen, wenn die gut sichtbare Uhr rechts vor der geschlossenen Tür auf Null steht. Noch sind andere in dem Raum. Drinnen wird beeindruckend deutlich der Prozess der Wahrnehmungs-Zerlegung – meine Wortwahl – auf Mondrians Bildern gezeigt.

Angefangen hat er wie alle Maler. Hier ein Still-Leben (drei Buchstaben von L kommen mir immer noch lächerlich vor!) von ihm:

IMG_2030

Dann verfolgen wie die Veränderungen.

IMG_2032

Die Leinwand, auf die die Abbildungen projeziert werden, ist in Quadrate aufgeteilt. Die eine Gesamtschau gibt es hier nicht.

IMG_2033

Ich bin nicht immer schnell genug mit dem Fotografieren, aber hier kann man schon einmal sehen, dass bei dieser Sichtweise einzelne Flecken eine andere Farbigkeit aufweisen.

IMG_2034

Nun ist er von den Übergängen befreit und kann sich auf die Farben konzentrieren. Quadrate bilden sein Ordnungsprinzip. Hallo Kubismus!!!

IMG_2035

Jetzt hat er sich auch von den Zwängen der Übergänge bei den Farben befreit und  reduziert in Richtung Grundfarben.

Das fand ich spannend. 1914 – 1918 ist der 1. Weltkrieg. Mondrian lebt von 1911- 1914 in Paris und ist Teil der Kubismus-Bewegung der Künstlerkollegen. Als er nach Kriegsende wieder nach Paris zurückkommt,  ist er enttäuscht, dass die anderen nicht mehr in diese Richtung experimentieren.

Sein Atelier ist maßstabsgetreu im Museum nachgebildet. Ganz schön anstrengend so ein Künstlerleben! Mondrian ist – hologrammäßig –  Suppe auf einen Teller schöpfend zu sehen. Das war ziemlich echt und ein wenig spooky.

———

Grachtenfahrt, Kaffeetrinken und laufen, laufen… Wir sind um viele Eindrücke reicher!

IMG_2025

Auch hier diese liebevolle Pflasterung wie in Utrecht. Kein Wunder, dass Mondrian in Holland – in den Niederlanden muss es korrekt heißen! – auf Farbabteilungen kommt, oder? Das fällt mir übrigens erst jetzt beim Schreiben auf. Haha…

 

 

 

Utrecht vinden we zo mooi – gefällt uns sehr

Bett Balkon

Das muss ich zuerst sagen: unsere Unterkunft ist sehr gut. Die Matratzen sind fest und gleichzeitig weich, wir schlafen wie die vom Spielen erschöpften Kleinkinder. Der Balkon ist ein weiteres Geschenk und da das Wetter immer sonnig und teilweise sommerlich heiß war, können wir ihn wunderbar nutzten.

Sonnenaufgang

Sonnenaufgang vor unserem Fenster! Ich wollte es festhalten und erinnere mich nun.

Es gibt nur eine Mikrowelle, einen Kaffeeautomat und einen elektrischen Wasserkessel, Wasser muss aus dem Bad ‚besorgt‘ werden. Aber Albert Hein ist nah und bietet umwerfend frische Salate in beeindruckenden Variationen und auch köstliche Hausmannskost als warme Mahlzeit. In den Restaurants ist ‚koffie verkeerd‘ kein bisschen verkehrt, sondern ‚lang‘ und schmackhaft – ’smakelijk‘.

Gleich an der Ecke eine ‚vis en frieten‘ – Klappe: ‚fish and chips‘ wie in England: verführerisch! Weitere schöne Zutat zur Wohnung sind zwei bequeme Sessel und ein gerade richtig großer Fernseher – zum Niederländisch Hören und Lernen. Ein (1) deutscher Kanal ist auch einprogrammiert  und so konnten wir den kammerspiel-schönen Fernsehfilm „Der große Rudolph“ über Moshammer sehen. Was für ein tolles Drehbuch. Dieser tolle Moshammer-Darsteller! Was für eine wundervoll feine Mimik er beherrscht: der unterschätzt beleidigte Arrogante mit übergroßem Herzen. Ich glaube die Handlung war frei erfunden und wurde vielleicht darum oder trotzdem Moshammer gleichzeitg so gerecht. Wie der sich im Jenseits wohl amüsiert und gefreut hat! Ich war fasziniert. – https://de.wikipedia.org/wiki/Der_gro%C3%9Fe_Rudolph

Der Herbst ist eine gute Zeit für Utrecht, denn es gibt ein Festival nach dem anderen: wie zum Aufwärmen für die Künstler, die sich – hoffentlich – 6 luxeriöse Wochen in Südfrankreich entspannt und neu inspiriert haben. 🙂

Schwanensee

Hier tanzen auf dem Hof der ‚Stadsschouwbourg Utrecht bei den Theatertagen ausschlißelich ‚Männer-Tänzer‘  Schwanensee.

Verbeugung

Die Hebenummern kamen etwas schwerfällig beim Tanzen, aber lustig war es – sehr sogar!

Bart

Hier sitzt Bart – unserer wundervoller Coach – mit uns und schult uns sprachlich anhand eines Utrecht Kalenders. Er macht es wunderbar: er lässt viel Raum zum freien Sprechen und kennt Utrecht wie seine Westentasche: Parks, Kirchen, Theater, Muikhalle  – you name it, er kennt es und kann uns bestens informieren. Fünf Tage hatten wir ihn gebucht und so die Gelegenheit ’nachdackelnd‘ viel Neues zu erleben. Mein Lehrerinnentraume…  Danke, Bart!

Riedvelt

An einem ‚freien‘ Tag gehen wir ins Rietveld-Schröder Haus. Ein phänomenales Haus, das sich zu googeln lohnt. – https://www.rietveldschroderhuis.nl/en –  Mich erinnerte es sofort an die augenblickliche Tiny House Bewegung. Bitte auch googeln! – https://de.wikipedia.org/wiki/Tiny_House_Movement – Kein Wohnen für die Ewigkeit, sondern preiswerte Beweglichkeit. Die Räume im Obergeschoss können im Handumdrehen von drei Schlafräumen zu einem großem Wohnraum verändert werden: bewegliche Wände. Die Erbauer des Hauses, der berühmte Stuhlentwerfer Rietveld und Frau Schröder mit ihren drei Kindern, dachten, dass das Haus höchstens 50 Jahre übersteht – durchhält  und das war 1919. Auf der Website sieht man nicht, aus welch preiswertem Material alles gemacht ist.

Stoel

Dieser Stuhl ist auch von Gerrit Rietveld und weltberühmt. Ich habe ihn zum ersten Mal gesehen und darin gesessen, als MEIN ‚Hamburger Richtertheater‘ in Holland ein Gastspiel gegeben hat. Es scheint alles so gerade und eckig, aber man sitzt bequem.

Tafel

Das dazugehörige Tischchen fand ich auch ganz schön pfiffig und nachmachbar und zusammklappbar wegzustellen, oder?

Ruhe

Glücklich erschöpft sitze ich abends auf dem Balkon, lese die holländische VOGUE oder auch ELLE und ergötze mich an meinen verbesserten Niederländisch Kenntnissen und dem erbaulichen Artikel der 40jährigen Zadie Smith über das Älterwerden. Herrlich! Wenn sie wüsste, dass die Kür nach der erfolgreichen Pflicht so einen Charme hat!

…und so fühlt sich Utrecht an…

IMG_1949

Als ich  in meinem neuen Kleid und meinen wunderbaren ‚Lunge‘-Schuhen – Dankeschön an den genialen Hersteller! Diese Fufreundlichkeit für Menschen über 70! – auf diese Steine gesehen habe, da purzelte – ich will das Wort ’schoss‘ vermeiden – die Gleichnishaftigkeit in meinen Sinn. So klein und sanft-farbig und liebevoll und dauerhaft alt und bewährt wie diese wunderschönen Steine, so ist Utrecht!

Nach dem Aussteigen aus dem Bus war etwas Unangenehmes verschwunden, von dem mir gar nicht bewusst war, dass es so selbstverständlich zu meinem Alltag gehört hatte, nämlich der erst hier für mich spürbare offensichtliche Lärm war verschwunden, der sowohl akut als auch schwelend irgendwie immer über meiner Heimatstadt Hamburg schwebt. Hier ist es still in der Nacht und viel, viel stiller am Tag als bei uns in der Nacht. Alle Busse fahren elektrisch und die Straßen haben ohren-freundliche Belage.

Gemerkt habe ich das im Sonnenschein bei der ersten Tasse ‚koffie verkeerd‘ eine Stunde nach der Ankunft – köstlich und heiß.

Nachtrag: in Straßburg war ich bei den Grünen eine der Wenigen, die nach Milch für den Kaffee gefragt haben. Nach einer Weile habe ich mir die wiederverwendbaren durchsichtigen Becher der anderen angesehen und überrascht gesehen, dass nur schwarzer Kaffee darin war. Ich hatte gleich ein kleines schlechtes Gewissen: die armen Kühe, die Schrecken der Milchwirtschaft!

Die schöne Stille ist sicher auch ein vakantie-effect (Ferien Auswirkung), aber was für einer, den man für kein Geld kaufen kann. Unser gids Bart – Fremdenführer – eigentlich heißt  das Wort Führer, aber s.o. Wortvermeidung – ist wunderbar. In der 3 Minuten entfernten öffentlichen Bibliothek haben wir uns kennen gelernt. Wir haben den Grift Park total gründlich besucht: Obstgarten, Blumengarten, Berg zum Schlittenfahren, Bauernhof für Schulungszwecke. Alles, wie der Central Park in New York, künstlich gestaltet. Hier allerdings auf dem riesigen Gelände einer ehemaligen Gasfabrik von 1863. Der vergiftete Untergrund musste 60 m tief in metallene Pfähle eingepackt und das kontaminierte Wasser muss für immer abgepumpt werden.

Nachmittags mit unserer bequemen Bus-Linie – ganauso schön direkt wie in unserem schönen Hamburg – zum Kino  „t’hoogt“ gefahren und den Film „Maria by Callas“ gesehen. Gut besucht von Menschen unseres Alters. Der Film hat mir sehr gefallen. Selbst bei den Schellak-Tönen oder Bandaufnahmen gingen mir ihre Stimme, ihre Darbietung, ihre Operngestalten schnurstraks ins Herz.

In unserem Viertel habe ich gesehen, dass ein Haus zum Verkauf stand. Ich habe Bart gefragt, wie teuer so ein kleines holländisches Haus ist. Dreihunderttausend Euro, hat er geantwortet. Und die monatlichen Zahlungen? Vierhundert Euro. Ach, habe ich gedacht, hier ein Haus zu haben! Aber HABEN will ich es gar nicht, nur für eine lange Weile darin wohnen. Diesen plötzlichen Kaufimpuls haben wir bisher nur einmal gehabt – und das war in Venedig. Ich meine, das sagt doch alles…!!!

IMG_1947