ist die Tatsache, dass ich während meiner gesamten Tätigkeit zu wenig den Wert von handwerklicher Tätigkeit in den Mittelpunkt gestellt habe. Immer erschien Intellektuelles die Richtschnur. Das sehe ich heute als eine große Fahrlässigkeit an. Dazu gehörte natürlich der damalige Zeitgeist, der unbedingt die größtmögliche Zahl an Schülern zum Abitur führen wollte. So ein Quatsch!

da ensteht etwas während Corona-Zeiten

Immerhin hatte ich ein Kriterium Eltern bei der Auswahl der weiteren Schullaufbahn eine Richtschnur zu geben. Das Verhältnis zu den Eltern meiner Schüler:innen war in der Regel sehr vertrauensvoll. „Liest ihr Kind viel? Oder bastelt und probiert es lieber gern herum?“ Das war eine wichtige Frage zur Entscheidungsfindung. Wie oft haben besonders Eltern von Jungen dann geantwortet, dass er nicht gern liest, sondern die Dinge be-greifen will. „Dann ist ein Hauptschul- oder Realschulabschluss die richtige Ziellinie.“

der tut etwas!

Das war dann der Weg in Ausbildungsberufe des Handwerks. Und es stimmt nach wie vor: Handwerk hat goldenen Boden! Wenn du ein:e Klempner:in, Tischler:in, Schornsteinfeger:in, Maurer, Elektriker:in, Fliesenleger:in, Zimmermann :), usw. bist, dann kannst du sogar etwas tun, wenn du arbeitslos bist! Weil du etwas KANNST! Wieviele Jungen hätte ich damit besonders glücklich machen können, wenn ich bei der Rückgabe von Deutsch- und Englischarbeiten darauf hätte hinweisen können, dass es sehr viele, sehr gute Berufe gibt, in denen diese Vier oder Fünf so gar keine Rolle spielt.

das ist eine andere Handschrift

Immerhin hatte ich trotz aller Unterlassung im jetzt erkannten Sinn ein gutes Kriterium bei der Rückgabe von Arbeiten, das mir glücklicherweise in den Sinn gekommen war, weil ich die wilde Verzweiflung von Hans-Jürgen mildern wollte. Der lief mit dem „Stück Papier“ – wie er sagte – unmittelbar zum Klassenpapierkorb, zerrieß den Zettel unter wilden Selbstbeschimpfungen. Ich habe dann begonnen zu sagen:“ Hans-Jürgen, ich gebe dir jetzt deine Arbeit zurück. Das ist aber bloß ein Englisch-Test. Ich sage dir jetzt zuerst deine Zensur in Mitmensch-Sein, ok? Glatte Zwei mit einem Plus. So wie du den anderen hilfst, freundlich bist, Streit schlichtest, die Tafel putzt und morgens uns alle freundlich begrüßt. Du machst uns das Schulleben echt schöner.“ Die Englisch-Fünf war danach für ihn verkraftbarer. Richtig gut wurde sein Selbst-Ertragen aber, wenn ich obenderein noch meine Hand auf seinen Rücken gelegt habe. Es kam auch vor, dass mal ein aufmüpfiger Schüler bei der Rückgabe einer Eins an eine Superschülerin gefragt hat: „Könnten wir bitte erst die Zensur für Mitmenschlichkeit wissen?“ „Ok! Von meiner Wahrnehmung eine schwache Drei. Ihr könnt-müsst das selber einschätzen. Bin ich ungerecht?“ Meist lag ich ganz schön richtig.

ich wollte schon immer mal wissen, was unter einem Haus ist

Heute frage ich mich, ob es eigentlich Gedichte über Handwerk und Handwerker gibt. Wilhelm Busch fällt mir da nur ein. Durch die Öffnung zum Abitur für alle sind die intellektuellen Starken auch nicht besser geworden! Völlig doof fand ich das geschwächte Abitur mit dem Einser-Ergebnis für Mediziner notwendig zu machen? Kein Wunder, dass die Medizin nun auf Profit geht und die beseelte Helferseele als Hausarzt oder Arzt auf dem Lande sich verkrümelt hat.

da ist anderes Wissen gefragt und dann wohnen wir darin

Ja, die/wir 68er haben keineswegs alles besser gemacht. Vieles haben sie/wir/ich schwächer gemacht durch ihre/unsere/meine Gleichmacherei-Wünsche oder -Forderungen. Jetzt müssen wir alle aufmerksam die Digitalisierung verfolgen und – so weit möglich – mitgestalten. („Netzwerk-Risiko-Mobilfunk: Freitags-Webinare“ könnten vielleicht eine Hilfe sein, sich schlau zu machen. Es wird am Schluss uns alle betreffen.)

Auf dem Weg zum Einkaufen die Arbeit am Hausbau zu beobachten, das ist ein reines Vergnügen. Das ist das Gegenteil von Lockdown, denn da entsteht etwas! Ich komme mir dann vor wie ein kleiner Junge und bin doch schon eine glückliche alte Frau. Glücklich und sehr zufrieden. In diesem frohen Sinne allen Leser:innen ein wunderschönes Wochenende!