Mimosen

Mimosen und andere gelbe Blumen bekommt man in Rom als Frau am 8. März von wildfremden Männern überreicht. Es ist einfach Anlass genug, dass man eine Frau ist und – schwupps – ruft jemand begeistert „Congratulatione!“ oder „Auguri!“ und man bekommt gelbe Tulpen, Narzissen oder Mimosen von einem freundlich lächelndem Mann in die Hand gedrückt. Auf jeden Fall war das für mich am 8. März 1991 so. Von August 1990 bis Juli 1991 habe ich nämlich, haben wir – Rainer und ich – ein Jahr in Rom gelebt.

Das war ein Jahr mit sehr, sehr viel öffentlicher Schönheit. Jeder Platz, jede neue Straße bietet einen Grund zum Schöhnheits- Glück. Die Sieben Hügel Roms und jeder hat seine Sehenswürdgkeit darauf. Und dann die ganze Vatikan-Anlage. Im Winter haben wir uns aufgrund mangelhafter Wohnungswärme oft ins Postamt des Vatikans geflüchtet, um wieder richtig warm zu werden.

Rom ist schön, wunderschön. Der Vatikan war unsere „Spielwiese“. Nirgendwo waren wir wiederholtere Male als dort. Die Korridore sind schon ein Genuss: an den Wänden sind große farbige Karten von Ländern der ganzen Welt zu bestaunen. Zu Zeiten ohne Touristen war es besonders schön, so von Weihnachten bis kurz vor Ostern. Man war sehr allein, privat, konnte in Ruhe genießen. Und dann dieser riesengroße Petersdom! Auch der Platz davor mit den ganzen großen Statuen ringsherum! Unvergessliche Schönheits-Eindrücke!

Für Touristen ist Rom ein Traum. Italiener in Rom, die sich nicht Italiener nennen, sondern Römer! haben allerdings kein leichtes Leben. Überall sind eingebaute Hindernisse: die Autos parken so eng, praktisch „auf Stoßstange“, so daß man durchaus einen Bus verpassen kann, weil man keine Möglichkeit zum Einstieg gefunden hat. Die Busfahrer fahren nach Straßenlage, egal wie gedrängt und ohne Halt die Leute stehen. Und noch mehr, aber das rutscht nun alles in den Hintrgrund.

Vielleicht hat sich das alles auch zum Besseren verändert? Immerhin sind viele Jahre inzwischen vergangen? Das schönste Mitbringsel aus Rom, aus Italien sind meine italienischen Sprachkenntnisse. Mit der Sprache der Einheimischen kommt man der Seele eines Landes näher.

So geht es mir jetzt mit der Übersetzung des chinesichen Romans. Das ist für mich so, als dürfte ich in den privatesten chinesischen Räumen herumwandern und sogar mit ihren Augen bewundern. Wunderschön! Früher stand ja die Todesstrafe auf das Erlernen der chinesischen Sprache durch Fremde: Lehrer und Schüler mussten ihr Leben lassen.

Als Kind kann ich mich gar nicht an einen Internationalen Frauentag erinnern. Das kam bei mir durch eine Seitentür in die Wahrnehmung und erinnert mich jetzt immer wieder an Rom. Danke, ihr lieben römischen Männer, von denen ich so viele Blümchen bekommen habe, dass ich mir zuhause einen ganzen Frauentagsstrauß hinstellen konnte.

Allen Frauen wünsche ich am Montag hübsche Blumen. Sind die in anderen Länder eigentlich auch immer gelb? Wenn ja, warum? Man sieht, bei mir gibt es immer noch Wissenslücken in Bezug auf die Symbolik und die Tradition des internationalen Frauentages! Ich wünsche allen dies lesenden Frauen und Männern ein schönes Wochenende – hoffentlich bereits mit Blumen! Und Montag dann weitere Blumen: gelbe und rote und blaue und, und…