Hamburg hat das erste Simultantheater-Haus. Die gläserne Kuppel glitzert in der Sonne.

Manche gehen besonders gern in die Matinee-Vorstellung. Immer noch ist es ungewohnt ein Theaterstück unter der Beleuchtung der Sonne zu sehen.

Fast wie im Antiken Griechenland. Die Zuschauer haben damals im Amphitheater ihren Platz eingenommen bevor die Sonne aufging. Die Sonne war der große Scheinwerfer: das Stück konnte beginnen. Das Licht der Erkenntnis strahlte über alle.

Auch im Simultantheater hat es seinen besonderen Charme im Licht der Sonne auf den   Amphitheater-Plätzen rings herum Platz zu nehmen und auf die große Drehbühne hinunter zu sehen.

Spannend ist der Anfang des Stückes. Auf der sich sehr langsam drehenden Bühne wird die Ausgangssituation dargestellt. Das Problem ist nicht gleich klar. Wer von den dargestellten Personen wird irgendwann nicht wie angenommen weiteragieren? Wo ist die Zäsur?  Derjenige, der eine andere Richtung einschlagen will, wird gedoppelt, hat ein zweites Ich auf der zweiten kleinen Drehbühne.

Die beiden in die große Drehbühne eingelassenen kleineren Drehbühnen setzen sich langsam in Bewegung. Die große Drehbühne dreht sich weiter langsam in entgegengesetzter  Richtung. Gleichzeitig verfolgt man nun die zwei Möglichkeiten eine Situation zu leben. Wie eine Einübung in persönliche Freiheit.

Die Schauspieler spielen immer zum Publikum, egal wie sie sich drehen und wenden.

Die Körpersprache der Schauspieler ist frei. Die Bühnen drehen sich und so spielen sie nicht aus einem Rahmen heraus.

Manche Simultantheater-Besucher lieben besonders den Moment, wenn ein neuer Darsteller auf die Bühne kommt und alle Spieler bewegungslos einfrieren. Wie Skulpturen stehen sie mitten in ihren Bewegungen eingefroren da! Gelassen hat man Zeit sie zu betrachten.  

Keiner wundert sich, dass die beiden gleichzeitig agierenden und sprechenden Darsteller tadellos zu verstehen sind. Vielleicht hätte man das früher nicht so einfach aufnehmen können? Man sieht ja kein neues Problem, sondern lediglich eine andere Möglichkeit desselben.

Viele Zuschauer haben während der Aufführung sogar schon eine weitere Möglichkeit in petto. Zu schön, wie viel Auswahl wir Menschen haben und oft nicht sehen und leben. Nicht entweder-oder, sondern sowohl-als auch.

Kontrast ist das Spannungsmittel dieser Theaterstücke. Ist es auf der einen Bühne angenehmer, neigt der Zuschauer selber auch zu  dieser Lösung. Dann aber scheinen beide Leben gut. Was nun mit den Emotionen? Gibt es das? Beides ist gut? Da bleibt das Urteilen auf der Strecke. Dann ist es plötzlich auf der ursprünglich negativeren kleinen Drehbühne viel besser. Schon bekommen wir etwas Abstand zum Geschehen. Man ist schließlich kein Blatt im Wind. Und als beide Bühnen keinen Grund zur Freude zeigen entwickelt man plötzlich Empathie. Ja, so sind wir Menschen! Diese Kontraste produzieren neue Gefühle!