David Hockney „Stuhl aus dem Jardin du Luxembourg“

In diesem „Stuhl aus dem Jardin du Luxembourg“  von David Hockney ist das Umdenken von  der Vorstellung Zentralperspektiven-Zwangsjacke zur Vorstellung des offenen Blickes für die ganze Schöpfung repräsentiert.

Ein Fotoapparat – die Zentralperspektive schlechthin: der Fotografierende=Augenpunkt, der Apparat in die Richtung des zu Fotografierten=Rahmen, das Scharfgestellte=Fluchtpunkt, hätte den Sitz des Stuhles ganz anders gezeigt. Der Stuhl wäre uns vorn wirklichkeitsgetreu erschienen. Das entspricht dem Rahmen. Dann hätte die Perspektivmaschine Kamera den Sitz des Stuhles nach hinten schmaler gemacht. Ganz im Sinne des Fluchtpunktes.

David Hockney hat das in der Jahreswechselausgabe der VOGUE 1986 (?) so gesehen, dass der Mensch die Augen öffnet und SIEHT – und Gottes Schöpfung unermesslich groß ist. Die Wahrnehmung verengt sich nicht auf einn Punkt, sondern der Blick wird weit.

Ziemlich erfolgreich und folgenschwer hatte die Männerbewegung des „Umanesimo“, mit der Zentralperspektive Natur und Frau unwesentlich und für eigene Zwecke benutzbar gemacht.

Nun ist das allerdings keineswegs für jeden Mann ein Grund zum Jubeln! Ein Mann besitzt zwar das einzig möglich DENKWÜRDIGE menschliche Geschlecht, aber Maschinen haben ihren eigenen unerbittlichen Mechanismus: Jeder Mann, der nicht dem Ideal des zentralperspektivischen Fluchtpunktes entspricht – einzig, mächtig und strahlend – muss sich als defizitär erleben. Der einzige Trost, der ihm immer wieder bleibt ist der, dass er wenigstens keine Frau ist.

Der erste philosophische Zentralperspektiven-Spezialist Niccolò Macchiavelli hat die Fadenzieh-Vermessungstechnik in seinem bis heute wahren Anleitungsbuch der Macht geschrieben. „Der Fürst“ heißt das Buch. Der Fürst, im Kleinstaatenland Italien, DER prächtige Alleinherrscher. Er ist der ideale Fluchtpunkt, das Ideal des Fluchtpunktes. Im Kleinstaatenland Deutschland kam diese Form – perfekt durch Albrecht Dürer vermittelt – sehr gut an.

Macchiavelli wusste auch, durch welches Medium diese Sichtanordnung der Welt perfekt und ohne Nennung der Strippenziehung zu vermittelt war: durch das Theater!