Auf unserem Berlin-Ausflug – Einladung durch die GRÜNEN von der Bundesregierung – gab es einen Moment, in dem unserer Gruppe von 50 Teilnehmern Leere drohte. Wir hatten offensichtlich zu früh beim Verteidigungministerium eingecheckt und wurden als Gruppe wie ein Riesenauto von einem jungen Feldjäger in eine freie Fläche auf einem riesigen Parkplatz eingeparkt.

Blatt am Baum

enorm gelb! – fand ich toll!

Soraya, unsere von der Regierung bestellte persische Fremdenführerin, überblickte schnell das Drama der Situation:  man wusste nicht, wie lange es dauern könnte. Lauter Menschen auf engem Raum, die bisher nur von außen unterhalten worden waren und untereinander kaum Kontakt aufgenommen hatten. Sie blickte um sich, stürmte auf mich zu. Beim Lunch am Vortag hatten wir miteinander geredet, sie wusste vielleicht, dass ich auch eine Theaterlehrerin war? Auf jeden Fall fragte sie flehentlich:“ Weißt du nicht ein Spiel?“ – „Natürlich!“

Das ist das Schöne an vorlauten Menschen, zu denen ich zweifellos gehöre, dass sie mühelos 50 Leute erfolgreich anleiten können. Mir fiel ein Spiel ein, das allgemein bekannt ist, aber zwischen 20 Migranten und 30 deutschen und türkischen Mitbürgern nicht unbedingt geläufig sein konnte. „Mein rechter, rechter Platz ist frei“, habe ich laut gerufen und meinen Wunschkandidaten gegenüber fest fixiert, „ich wünsche mir den Mann mit dem roten Pullover herbei!“ Er hatte sofort begriffen, kam zu mir und stellte sich neben mich. Ich eilte durch den Riesenkreis zu seiner Frau, machte den schnell zugeschobenen Platz des Mannes wieder frei und sagte laut:“ Sie dürfen sich jetzt einen neuen Mann aussuchen. Sie sagen einfach mit mir: Mein rechter, rechter Platz ist frei, ich wünsche mir… herbei.“ Sie hat schnell ihre Chance 🙂 genutzt und den ‚Anführer‘ der Migranten, einen bildschönen jungen Kubaner, gewählt. Dann bin ich zu den Migranten geflitzt. Inzwischen hatten alle begriffen, worum es ging und beobachteten interessiert, wer gewählt werden würde. Jeder konnte der Nächste sein! Der neben dem Cubaner gestanden hatte, rief dann auch eine mittelalte Dame im hellen Mantel auf, die erfreut zu ihm eilte.

Die hatte nun neben einem älteren Ehepaar gestanden, die sich unterhielten und nichts von dem Spiel wissen wollten. Da hat Soraya gleich gut mitgespielt:“Wer nicht mitspielt, muss raus aus dem Kreis!“ hat sie gerufen. Ich habe im Singsang einer Kindergärtenerin (die ich vor meinem Studium tatsächlich war!):„Die spielen nicht mit!“ gerufen. Allgemeines Lachen war die Antwort. Die Aufgeforderten begaben sich tatsächlich aus dem Kreis.  Kleines Geplänkel danach: wer ist dran, wo ist der rechte Platz? Sehr schnell hatte sich die ziemlich bejahrte deutsche Hälfte mir den schmucken, sehr gepflegt angezogenen jungen Syrern und Menschen aus Afghanistan gemischt. Das sah gut aus! Lauter animierte Menschen mit erwartungsvoll schmunzelnden Gesichtern! Plötzlich waren wir EINE Gruppe. Das war schön!

Als der Feldjäger mit seinem roten Käppi wiederkam und wohl meinte, er erlöse uns endlich, fühlten wir uns unterbrochen. Wir hätten gern noch etwas länger gespielt, denn einige aus dem Kreis waren noch nicht dran gewesen…

Ich habe das hier nachgetragen, weil ich denke, dass dieses Spiel viele kennen und es vielleicht häufiger genau das Richtige wäre. Zur Erinnerung!

 

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