Blumen wie Nolde

(das habe ich 2014 mit Pastellkreide gemalt – ich wollte etwas wie Nolde machen…)

 

Ein Plan in meinem Leben ist wie eine Wette mit mir selber: Schaffe ich das oder nicht. Ein Plan ist wie ein Gummiband, das ich von mir in meinem Jetzt-Sein in die Zukunft werfe. Damit dieses Gummiband Zug bekommt, muss das Ziel echte Haken haben, an denen man es imaginär festzurren kann.

Ich habe mal gegoogelt, was ein Plot ist. Bei Wikipedia finde ich:

„Als Handlung, alternativ Mythos, Fabel, Fabelführung, Plot oder Szenario (auch Szenarium, Szenar), wird in der Literaturtheorie – aber auch in Filmen, Comics und Computerspielen – eine „Abfolge von zusammenhängenden, [ursächlich] miteinander verketteten Ereignissen oder Vorgängen bezeichnet, die das dramatische Gerüst“ des jeweiligen Werks bilden.“

Wie stellt sich beispielsweise bei mir der Anfang her: In Shanghai haben beispielsweise immer mal wieder Ex-patriots (das ist die Bezeichnung für Menschen, die eine Weile permament außerhalb ihres Heimatlandes leben. In Shanghai eine Community aus vielen Ländergruppen. Ich habe mich besonders auf die Gruppe der Franzosen konzentriert und von ihnen Mah Jong gelernt, mit ihnen eine Reise nach Tibet gemacht und einigen von ihnen Englisch-Unterricht gegeben) erstaunt gesagt, dass ich Menschen aus New York ähnele. Da habe ich gedacht, dass ich das selber einmal in New York überprüfen muss.

So war der Plot-Anfang gegeben. Irgendwie hat dieses von meiner Energie genährte Vorstellungs-Gummiband wunderbar funktioniert. Ich lasse ja immer 4-5 Jahre von einem einjährigen bis 2monatigen Auslandsaufenthalt bis zum nächsten vergehen. Das gibt meiner Imagination genug Zeit, um Verwirklichungsideen zu empfangen.

New York war schwierig, weil ich dort auf keinen Fall  Sprachenunterricht würde geben können und die Stadt eine verzweifelt teure Wohnsituation hat. Ich habe das Internet in diesen Jahren immer wieder nach Möglichkeiten durchgraben und schließlich per email in einem Newsletter einer Organisation, bei der ich bei meinem siebzigsten Geburtstag zwei Wochen einen Intensivkurs Spanisch und eine Woche mit Rainer Barcelona gebucht hatte, den Kurs in New York entdeckt: wir machen einen Film in 6 Wochen. Ich dachte, die brauchen in einem Film auch alte Menschen und nach meiner zertifizierten Schauspiel- und Regieausbildung in London kann ich da vielleicht mitmachen. Den Kurs habe ich dann nicht mitgemacht, aber dadurch meine Lebensgrundlage in NY gefunden.

Bei der Suche nach einer Unterkunft habe ich das „Brandon – Residence for Women“ entdeckt. Und auf deren Website die Möglichkeit eines Stipendiums, für das 2 Gutachten nötig waren. Eines hat mein ehemaliger Schulleiter, das andere ein Professor für Klassisch Chinesisch aus meines Chinesisch-Studiums geschrieben. So konnte ich schließlich das Stipendium bekommen: € 880 (bei der derzeitigen Umtauschrate von Dollar in Euro) pro Monat für ein 12qm großes Zimmer mit Halbpension in der 85th Street, also mitten in Manhattan. Besser hätte es gar nicht kommen können. Ich möchte das Brandon hier weiter empfehlen und auch die Möglichkeit des Stipendiums!

Zimmer

(mein Zimmer im Brandon)

Dieses Gummiband eines Plots spannte sich also von Shanghai bis New York über einen Zeitraum von 4 Jahren. Es hat mich wach, interessiert und einfallsreich gehalten.

Der augenblickliche Gummiband-Plot ist Utrecht, Holland mit allem was dazu gehört, aber das wisst ihr lieben LeserInnen meines Blogs bereits. Übrigens vermute ich, dass diese langangelegten Plots enorm jung halten…denk ich mal. Es fühlt sich auf jeden Fall so an!

 

Übrigens müsste ich jetzt in Bezug auf mein Plot sagen: Es ist positiv aufgegangen. Was ist eigentlich ein „Plot“? Zur Verdeutlichung hier das Beispiel eines beliebten Plots: Eine Krankenschwester verliebt sich in ihren (verheirateten) Chefarzt. Der Roman würde dann davon handeln, welche ’Strategien’ sie entwirft, um ihre Verliebung zu realisieren – Liebe kann das doch wohl nicht sein, oder? –  aber ein entflammtes Herz kann umso schlimmer sein. Wenn sie weiß, dass fast jeder Mann über seinen ’Willi’, wie die Engländer das Gehirn der unteren Etage am Männerkörper nennen, zu steuern ist, dann wird sie auf körperliche Reize, Nähe und Berührungen setzen. Ist sie edler und auf die Dauer gefährlicher für die Ehe des Arztes, weiß sie seine Sorgen besonders gut zu spiegeln, zu bemitleiden und zu versöhnen. Für so einen Roman kann man viele Wege zu einem tragischen – der Arzt-Ehemann ist ein Held im Widerspiel seiner Natur und seines Geistes – oder ein zu einem Positiven beschreiben: Sie kriegt ihn und der Roman hört da auf, damit man die Schwierigkeiten danach nicht erfährt.

Ja, kreatives Schreiben macht Spaß, man kann die Romanwelt gestalten, wie ich mein Leben, wobei bei mir das positive Ende immer ein Land mit seiner Sprache und Kultur ist.

 

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