Da ich Niederländisch lerne, bin ich augenblicklich natürlich an GroenLinks – unserer Schwesterpartei in den Niederlanden –  interessiert.

Jesse Klaver ist ihr Vorsitzender – also offensichtlich machen die Holländer nicht in Doppelspitze ! – Er hat gute Gewinne bei der letzten Wahl eingefahren. Er schreibt Bücher, wie unser Robert Habeck übrigens, und er hat ein unübersetztes geschrieben:

De mythe van het economisme (Dutch Edition)

17 Sep 2015

by Jesse Klaver
Das lese ich gerade auf meinem e-reader und übersetze es. Eine sehr schöne Übung! Ich bin so begeistert von einer Passage, dass ich sie hier einfüge. Absätze und Hervorhebungen sind von mir:

 

JESSE KLAVER

Der Mythos vom Ökonomismus

Während ich an meinem Buch arbeite, wird es mir zunehmend klarer. Der Ökonomismus ist die herrschende Ideologie geworden, das Fundament unseres Poldermodells. Nach den Wahlen von 2012, die für GroenLinks katastrophal verliefen, trat ein Koalitionskabinett von vvd und PvdA an. Scheinbar zwei ideologische Gegensätze regieren seitdem verhältnismäßig brüderlich das Land.

Natürlich, ich sehe die Unterschiede zwischen vvd und PvdA, aber in der täglichen Praxis liegen die tatsächlichen politischen Entscheidungen weniger weit auseinander als oft gedacht wird, wie sehr sich auch die (Wahl) Rhetorik anders gibt und das vermuten lässt. Beide Parteien gehen in ihrer Politik von dem ‚homo economicus’ aus, dem kalkulierenden Menschen. Alle beide setzen sich ein für ökonomisches Wachstum und sie teilen die Vermutung, dass jeder davon profitieren wird. Sowohl die vvd als auch die PvdA ist davon überzeugt, dass der Markt es oft besser weiß als das Kollektiv, die Regierung. Und sie sehen – nicht unwichtig – hohe kollektive Ausgaben als ein Problem und private Ausgaben als ein Segen.

Diesen Ökonomismus finden wir übrigens genauso in der Vergangenheit bei der cda in bei der D66 (Eine linksliberale Partei in den Niederlanden. Anmerkung von mir E.S.)

Für Wirtschaftsexperten sind die Gewinnspannen, in denen man Politik betreibt, klein. Die politischen Annahmen vom cpb auf der einen Seite und die hektischen finanziellen Märkte auf der anderen Seite bestimmen für ihn den Handlungsspielraum. Oder wie Joris Luyendijk in seinem Vorwort von ’Das kann nicht wahr sein’ schreibt: „Demokratie scheint immer mehr ein System, in dem Wähler bestimmen, welcher Politiker ausführen wird, was der finanzielle Sektor ihm diktiert.“

 

Ich fand das erhellend und werde weiter übersetzen und Wesentliches hier veröffentlichen. Natürlich erinnert mich diese Passage an die Unmöglichkeit, in einer Welt mit Geld und ihrer kapitalistischen Verteilung ein friedlich kreatives Leben FÜR ALLE vorzustellen. Das habe ich in meinem 3. Buch zu entwerfen versucht:

 Von allem weniger und von Liebe mehr – eine Welt ohne Geld

Ich gebe zu, etwas hilflos – ich habe dieses Buch nie beworben – aber doch veröffentlicht, weil die Richtung  etwas für sich hat.