Meine zentrale Lebensaufgabe: alle Erfahrungen positiv interpretieren. Aus Schatten Licht zu machen. Und mich aber und abermals selbst als Ursache der Auswirkungen meines Lebens zu sehen. In keinem Fall in eine Opferposition zu rutschen.

Diese Gedanken haben mich wesentlich beim Schreiben des zweiten Buches meiner Trilogie beschäftigt, in der Thema war, mit dem Urteilen aufzuhören. Müsste es nicht eher heißen: mit dem Ver-Urteilen? Es ist nicht einfach zu bestimmen, wo das Ver- beginnt. Das Einteilen in Kästchen mit Aufkleber ist der Anfang der Aktion, etwas von sich wegzuschieben.

Ich habe hier an anderer Stelle schon einmal beschrieben, wie ich einen Abend empört eine sich aufdrängende Teilnehmerin verurteilt habe, die die gesamte Aufmerksamkeit der Gruppenleiterin in Anspruch genommen und die Tröstung einer offensichtlich Leidenden verhindert hatte. Als die Leiterin uns am Schluss aufgefordert und ermuntert hat, den Menschen zu umarmen, den wir heute am ärgerlichsten fanden, habe ich mir ein Herz gefasst und die gehasste Person umarmt – und sie begriffen. Sie war die Hilfsbedürftige und nicht – ich urteile schon wieder! – kurz: ich habe ihre Not mitempfunden. Punkt! Warum konnte ich nicht einfach Teilnehmerin sein in einer Runde mit unterschiedlichen Menschen. Wie langweilig wäre eine Welt, in der alle gleich denken und handeln. Binsenweisheit! Aber: nicht stehen bleiben bei den unangenehmen Gefühlen, sondern sie bemerken, verstehen und interpretieren.

Mich wurmt natürlich etwas. Vermutlich die Tatsache, dass den chinesischen Liebesroman nur Doris lesen möchte? Ich habe mich über ihren Kommentar gefreut. Was ist das Positive an den vielen, fehlenden Ermunterungen? Ich muss nicht monatelang einen Roman in mein Blog tippen und korrigieren. Ich habe Zeit geschenkt bekommen für Aktuelles. Das ist gut, Licht ist! Ich strahle. Freude! Heute kommt noch ein positiver Kommentar von frauapfelkern (sehr sehens- und lesenswerter Blog!) Aber nun freue ich mich schon, dass ich den Roman links liegen lassen kann. Ja, ich bin das astrologische Zeichen «Fische« und mir gefallen beide Richtungen.

Sonnabend habe ich Geburtstag. Meinen 78.! Neun Freundinnen sind zu einem »Zweiten Frühstück« geladen. Gestern habe ich schon geräumt, um den Refektoriumstisch, den ich in London während meines Theater Studiums gekauft habe, mit ausreichend Plätzen decken zu können. Vorigen Freitag habe ich ein Songbook zusammengestellt. Mit Zentangle Technik ein Hintergrundblatt gemalt, mit Bildern illustriert, in DINA3 15 Stück fotokopieren und mittig heften lassen. Anschließend mit meinem chinesischen Namen in Ying und Yang und meinem Glücksstempel rot gestempelt und schließlich mit einem schmalen dunkelroten Band am Rücken versehen. Sie sehen wunderschön aus. Ich bin so gespannt, ob meine Freundinnen zu singen bereit sind. Ich möchte sie auf der Ukulele begleiten.
Heute treffe ich mich mit meiner Tochter (51) in Lüneburg zum »Konditorn« und ein bisschen Shoppen. Quasi eine kleine Vorfeier. Ich stamme aus einer Familie mit sechs Kindern. Vielleicht feiere ich deswegen bevorzugt mit Menschen, die ich durch Neigung in mein Leben gezogen habe. Ich finde alle Geladenen überaus attraktiv – natürlich auch die, die nicht kommen können und die, die ich aufgrund von Platzmangel nicht mehr einladen konnte.
Bloggen ist für mich, was für andere beispielsweise Stricken ist: Das Erlebte ist meine Wolle, meine Art es aufzuschreiben – das Erzählen und Interpretieren – ist gleichzeitig Farbgebung und Strickmuster. Natürlich freue ich mich, wenn das fertige Stück wahrgenommen wird – OBWOHL ich von dem »Pullover« den größten Vorteil habe. Ich kann ihn »anziehen«, heißt: wann immer ich möchte: nachlesen und mein Leben noch einmal erleben – genießen.
Geburtstag! 32 Mails direkt oder als Meldung über Facebook-Geburtstagswünsche aus der ganzen Welt. Naja, der halben Welt oder über Deutschland hinaus. Zu und zu angenehm!
Mein Geburtstagsfrühstück war wun-der-schön. Das Songbook habe ich nicht umsonst gebastelt, auf der Ukulele nicht vergeblich geübt. Alle 7 Songs wurden gesungen und Mel hat uns mit dem IPhone gefilmt. »Du hast beim Spielen und Singen nicht ein einziges Mal gelacht!« hat sie mir hinterher überrascht gemeldet. Na, ich war angestrengt konzentriert!
Ich hatte mir von allen einen Mittagstisch mit Spaziergang gewünscht. Witzigerweise haben das nicht alle realisiert und so gab es sehr nette Gewinne. Eine nahrhafte Creme von Lancôme für reife Haut. Feuchtigkeits-Bodylotion von »Occitane« plus Mittagstisch im Goffredo, Papenhuder Straße. Das Buch »Noah will nach Hause« von Sharon Guskin, weil ich mich so sehr für das Leben nach dem Tod interessiere (ich sterbe ja nicht, ich gehe »nur« dahin, woher ich gekommen bin) plus einem 60€-Wertegutschein-Kreditkarte für mein Lieblingskino Passage. Von meiner Tochter am Donnerstag das Buch »Elisabeth, ein Name – 25 besondere Frauen« aus dem Elisabeth Sandmann Verlag (ein sehr empfehlenswertes Geschenk für Elisabeths und Namensableitungen!). Traumhafte Blumensträuße, einen Blumen-Gutschein über 30€ aus dem Blumenladen »Himmel und Erde« (den jeder Hamburger im Hofweg einmal besuchen müsste). Eine Karte mit einem selbst gemalten schönen Tulpenstrauß mit der Einladung in ein vegetarisches Restaurant plus Bummel in Eppendorf. Ein Glas mit excellentem Müsli von meiner jüngsten Freundin (37 Jahre) plus Mittagstisch im »barefood – DELI« mit Spaziergang. Noch mehr farbenfrohe Blumen – und das im Februar! – und Lunch im »Stocks Fischrestaurant«. Und eine entzückende Karte – ach, eigentlich müsste ich sie alle hier zeigen, so witzig, so originell, so frauenfreundlich sind sie alle, mit Einladung ins Rexrodt, Papenhuder Straße. Warum schreibe ich alles so genau auf? Damit Jüngere eine Vorstellung von einem 78.Geburtstag kriegen und um es selbst nachlesen zu können. Stichwort: »Geburtstags-Pullover«!