Als ich in Shanghai nicht mehr verzweifelt auf dem Bett der Schul-Wohnung in dem Vorort von Shanghai – Baushan, an der Mündung des Jangtse-Flusses saß. Ich noch keine Unterschrift unter meinen Jahresvertrag gesetzt hatte und daher keine Strafzahlung von 1000 Dollar hätte leisten müssen. Als ich nach 3 Wochen Unterricht in der chinesischen Oberschule nach Shanghai in eine Privatwohnung umgezogen war, da überkam mich die große Lust einen chinesischen Liebesroman zu lesen. In Chinesisch, versteht sich. Mit vielem Nachschlagen im Wörterbuch, denn ein IPhone hatte ich 2006 noch nicht.

In Shanghai kann man wunderbar shoppen, auf den Straßen Imbisse zu sich nehmen oder in Hotels und Restaurants gepflegt Pausen machen. Westler »Expats« (= EX-PATrioten, fern von der Heimat Lebende) gehören dort zum Straßenbild. Man fühlt sich fast wie zu Hause. Die Einkaufszentren sind so groß, sie verderben jeden Maßstab: wenn man auf einer Rolltreppe stehend 12 weitere Rolltreppen sehen kann, dann verliert man europäische Verhältnisse aus den Augen.

Genau in so einem Einkaufszentrum ist ‚mein‘ riesiger Bookshop. Eine freundliche Verkäuferin fragt mich, ob sie mir helfen könne. Sie kann: ich möchte einen Liebesroman 爱情小说  ai4 qing2 xiao3 shuo1 – die Zahlen geben die Töne an. Die hilfsbereite Verkäuferin bittet mich, ihr zu folgen – bis zu einem aparten Regal. »Alle diese Bücher sind von Qiong Yao. Alles Liebesromane!« Es sind 75 an der Zahl. Ich bin sprachlos und bitte um die Nummer eins. Aber die ist ausverkauft und kann nicht nachbestellt werden, denn China ist kommunistisch und da werden die Bücher vom Staat in Auftrag gegeben und nicht auf Nachfrage gedruckt. Aber ich bekomme Buch 2. Nach und nach erfahre ich von meinen chinesischen Freunden und Bekannten, dass es keine Chinesin gibt, die NICHT ab ihrem 12. Lebensjahr die Bücher von Qiong Yao verschlungen hat. Später treffe ich auch einige chinesische Männer, die durch die Lektüre von Qiong Yao über Liebe gelernt haben.

Ich lese dieses Buch »Fliege, Feuervogel« mit Mühe und fasziniert. Bis zu Tränen bin ich gerührt und an manchen Stellen glühe ich vor Wut. Ich nehme mir vor, dass dieses Buch mein Mitbringsel aus China für meine Hamburger Freundinnen und Freunde werden soll. Ich möchte es übersetzen und zu Vorleseabenden einladen. So ist es dann auch. Wenn ich 2 Kapitel übersetzt habe, laden wir wieder ein. Zum Ende hin bitten mich alle, ich möge doch schneller arbeiten, weil die Spannung immer größer wird.

Nach der Übersetzung des Romans mache ich mich erst an die des Vorwortes. Da überrascht mich die Erklärung der Autorin. Sie schreibe über alle Formen der Liebe – zwischen Mutter und Kind, Mann und Frau, Bruder und Schwester, Chef und Untergebenen, Kollegen – ich könnte jetzt weiter alle Verortungen in der Familie der Menschheit aufzählen -, nur über eine Form der Liebe schreibe sie nicht: über die Liebe zum Vaterland. Ich bin überrascht, denn die Vaterlandsliebe gibt es als definierten Gedanken bei mir gar nicht. Qiong Yaos Lebensgeschichte gibt eine Erklärung. In ihrem Herzen ist sie Festlands-Chinesin, aber ihre Familie ist mit Chiang Kai-Shek nach Taiwan geflohen.
Ich habe den Plan, das übersetzte Buch in mein »Papyros« Schreibprogramm zu tippen. Als Datei ist es leider nicht mehr vorhanden, aber so kann ich an den Sätzen noch arbeiten. Und dann werde ich es als eBook veröffentlichen. Ich überlege, ob ich die einzelnen fertigen Kapitel hier in meinen Blog stellen sollte. Schließlich wurden Romane früher ebenfalls nach und nach in Zeitungen veröffentlicht.
Heute bitte ich meine Leser und Leserinnen um eine Reaktion rechts unter der Überschrift in dem Feld »Kommentare«, ob ich das machen soll.