in Bremerhaven. Conny Wolff ist die Betreiberin und ihr Geschäft liegt im Zentrum der Stadt, in der Löningerstr.12. Vor dem Laden prangt auf einer Sandwich-Staffelei mein DIN A3 großes Autorenfoto, das ich gestern auch auf meine Facebook-Seite gestellt habe, weil mich von der Autorenrunde keiner auf dem alten Foto zu erkennen glaubte. Um 11 Uhr ist ein Autoren-Frühstück im Caféteil des Ladens. Die drei Einzelklapptische sind zu einer langen Tafel zusammengestellt und liebevoll gedeckt: Vasen mit gelben Röschen, Gedecke mit gelben Servietten, daneben  ein blaues Säckchen mit einem kleinen Halbedelstein. Kein Wunder, dass wir uns alle sofort wohl fühlen. Links neben mir sitzt Sylvia Filz. Sie schreibt gemeinsam mit einer Freundin Liebesromane und zwar so erfolgreich, dass die beiden davon bereits leben könnten. Aber sie arbeitet weiter in Teilzeit – als Wirklichkeitsbezug. Ich glaube, 7 Bücher haben sie bereits veröffentlicht. Von ihr habe ich den Hinweis, unbedingt einen Kurs bei Wolfgang Tischer zu besuchen, wenn ich mehr über den Druck und Vertrieb von Büchern im Internet lernen will. Ich will! Herr Tischer macht nur wenige Kurse, vielleicht einen pro Jahr. Zufällig findet ein Kurs am nächsten Sonntag im Schriftstellerhaus in Stuttgart statt. Das liegt näher bei Hamburg als Wien, München  oder seine anderen Veranstaltungsorte. Ich bin bereits angemeldet und werde berichten!

Mir gegenüber sitzt Bodo Manstein, der als Selfpublisher begonnen hat und so erfolgreich Sylt-Krimis schreibt, dass ihn jetzt ein renommierter Verlag übernehmen wird. Links von ihm sitzt Burga Hencken, die durch die Trauer des Todes ihrer dreieinhalbjährigen Tochter zum Schreiben gekommen ist. Authentischer geht Trauerbegleitung im Buch kaum. Rechts von Bodo Manstein sitzt Bianca Bolduan,  Autorin und Ideengeberin für die Wortwerke-BuchCafé-Kette. Sie kennenzulernen hat mich besonders gefreut. Ihr Buch ‚Moorhof‘ hat mir sehr gut gefallen. Neben mir sitzt Simone Gütte, eine Autorin aus dem Hannoverschen Raum. Dass ich nicht allein lesen werde, erfahre ich erst dort.

Mein Lesung beginnt um 15 Uhr. Reichlich Zeit für einen Besuch an die Flussmündung. Burga führt uns durch das Columbus-Shopping-Center ans Wasser. Sehr erfrischend! Zurück im Laden ist der Caféraum umgebaut. Zu meiner Lesung haben sich neun Gäste angemeldet, sechs erscheinen. Burga bleibt, Simone wird nach mir lesen und ist ebenfalls meine Zuhörerin. Conny Wolff, die Gastgeberin, setzt sich auch dazu. Gedacht ist natürlich, dass während meiner Lesung alle Kaffee trinken und Kuchen essen. So soll sich das Geschäftsmodell der Wortwerke ja zum Teil tragen, aber keiner bestellt etwas. Meine Zuhörer sind sehr aufmerksam, reagieren lebendig. Eine Stunde ist nicht lang und lässt wenig Zeit für Fragen. Es wird kein Buch gekauft. Doch, Conny Wolff will eins kaufen, aber ihr schenke ich eins. Nach Simones Lesung kaufe ich gleich ein Buch von ihr –  sie revanchiert sich mit einem Kauf von mir. Dann räumen wir mit Conny auf, der Laden wird geschlossen und sie fährt uns zum Bahnhof.

Mit dem gleichen Zug fahren wir zusammen bis nach Bremen. Jetzt haben wir reichlich Zeit Nachrede zu halten. Wir müssen beide herzlich lachen: eine lange Reise, die Taschen voller Bücher und verkauft haben wir nur eins gegenseitig an uns. Aber wir sind dennoch hochzufrieden: wir haben einen besonderen Tag erlebt mit sehr interessanten und freundlichen neuen Menschen – Farben, Wasser und Meeresluft, zugeneigte Köpfe, Verständnis und Lachen. So war die Lesung in Bremerhaven ein Gewinn. Im Zug nach Hamburg lese ich dann in Simones Buch Schattensprünge sind nicht die Leichtesten. Es gefällt mir, ich bin gut unterhalten, im Bett lese ich abends gleich weiter.