…und Fortsetzung:

10 … wild entschlossen … Peking

Bei einem unserer Ausflüge unterhält sich mein Mann mit einem Angestellten der Firma Siemens. Er hat in unserem Hotel in einem der höheren Stockwerke ein kleines Apartment. Immer wieder verwundert mich an der Rezeption, wie schlecht die Angestellten Englisch sprechen. Aus einem Grund, den ich heute nur noch schwer nachvollziehen kann, bringe ich die Frage, ob ich in Nanjing an der Universität als Deutschlektorin arbeiten will und das verbesserungsbedürftige Englisch der Angestellten an der Rezeption des Holiday Inn in meinen Gedanken in Peking zusammen und habe eine Idee: ich möchte in dieses Hotel kommen und den Angestellten Englisch Unterricht geben.

Da Ideen bei mir wie Geschenkpakete ankommen, die wie große Versprechungen für unerhört schönes Neues auf mich wirken und sofort umgesetzt werden müssen „…denn jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…“, nehme ich umgehend mit voller Kraft mein Projekt ins Visier.

Kleine Anekdote: meine Eltern und zwei meiner fünf Geschwister sind bei meiner Patentante in meiner Heimatstadt Minden zum Kaffeetrinken eingeladen. In unserer Stadt residiert die Firma Melitta Benz. Auf dem Kaffeetisch steht ein neues dunkelblaues Porzellangeschirr. Ich bin entzückt und äußere das offensichtlich in meinem berühmten Ideen-Hubraum. Oh, wie schön! Woher ist das? Bekommt jeder 2.Wahl so billig? Was muss man dafür tun? Mein Vater erhebt sich und bittet meine Mutter, ihm Platz zu machen. „Wohin willst du?“ fragt sie ihn überrascht. „Du siehst doch“, antwortet er ernst entschlossen. „Elisabeth will das Geschirr!“ Dabei war es der 1. Ostertag und die Firma Melitta natürlich geschlossen. Allgemeines Lachen und auch ich hatte meine Ungeduld begriffen.

In Peking eile ich (64Jahre zu der Zeit)) zur Rezeption und bitte um einen Termin mit dem Manager. Ich werde gebeten, den Grund des Treffens anzugeben. War etwas nicht zu meiner Zufriedenheit? Ich gebe Englisch-Unterricht als Grund an. Am nächsten Tag um 10 Uhr treffe ich ihn. Ich sage ihm, dass ich Deutsche sei, aber einige Jahre in England gelebt und an der Universität in London Webster College an der Central School of Speech and Drama ein Graduiertenstudium ‚with distinction’ abgeschlossen hätte. Meine Auskunft, ich sei eine pensionierte Lehrerin, beeindruckt ihn besonders. Er vergewissert sich noch einmal, ob ich auch wirklich Deutsche sei, denn mein Englisch überzeuge ihn. Nun mache ich ihm ein Kompliment über sein Englisch. Er ist kein Chinese, er kommt aus Singapur und da ist der Unterricht einfach ‚englischer’. Meine Idee gefällt ihm grundsätzlich, aber in seinem Budget sei kein Platz für Unterricht. Ich will keine Bezahlung. Ich möchte ein Apartment in seinem Haus, die Wellness-Einrichtung benutzen dürfen und einmal am Tag ein warmes Essen im Restaurant haben. Die Idee findet er gut. Das kostet ihn nichts bei einem großen Effekt für sein Haus. Aber, sagt er abschließend, ich müsse natürlich Chinesisch sprechen, denn sonst könne ich ja nicht kommunizieren. Das leuchtet mir ein und ich verspreche ihm das – harmlos naiv. Chinesisch können! Haha! Heute weiß ich, was das bedeutet, damals dachte ich nach drei Volkshochschulkursen, dass man – dass ich – das schon irgendwie hinbekomme. Er erkundigt sich noch nach der Fortsetzung unserer Reise. Als er erfährt, dass Shanghai die nächste Station ist, verschwindet ein Teil seines Enthusiasmus aus seinem jungen, schmalen Gesicht: „Nach Shanghai werden sie nicht mehr in Peking leben wollen.“ Aber die Idee hat den ersten Realitätsschwung bekommen. Meine Motoren schwingen!

Sie schwingen so intensiv, dass sie meine Wahrnehmung von Shanghai einschränken. Ich erinnere mich an nur wenige Dinge dort: Smog, der wie eine Glocke über der Stadt liegt und den wir aus unserem Hotelfenster im 9. Stock erschreckt wahrnehmen. Den Teppich im Fahrstuhl, auf dem jeder Tag mit seinem englischen Namen eingewebt ist und dem Tag entsprechend immer ausgewechselt wird, das Restaurant, dass sich um seine Achse dreht und von dem aus man bis nach Pudong sehen kann, den Er Hu-Spieler, der im Restaurant dieser chinesischen Geige wunderschöne Töne entlocken kann und natürlich die Altstadt und die Besuche bei den einschlägigen Fabriken, die uns Tee einschenken und uns geschickt zu großzügigen Kunden machten.

Zurück in Hamburg konsultiere ich als Erstes meinen Freund Bernd, dessen Frau Cheng Wei diejenige ist, die mir mit dem Angebot der Lektoren-Stelle in Nanjing das ferne China als Aufenthaltsland überhaupt erst in den Sinn geholt hatte. Wie kann ich in kürzester Zeit in Hamburg Chinesisch lernen? Denn an Chinesisch-Kenntnissen soll mein Projekt nicht scheitern. Schließlich habe ich mit 40 Jahren erst angefangen intensiv Französisch zu lernen, bevor ich ein Jahr nach Paris gegangen bin und mit 47 Jahren Italienisch, bevor ich ein Jahr nach Rom gegangen bin.

Dass Chinesisch für Westler wie Raumfahrt ist, dass man zunächst lernen muss, sich intellektuell sozusagen im schwerelosen Raum zu bewegen und hinterher nicht jede Bemühungs-Rakete zum Mond kommt, ja, oft nicht einmal die Startrampe verlässt, zu verlassen schafft, das habe ich zu dem Zeitpunkt nicht geahnt. Mit der Zuversicht und dem Elan einer Vierjährigen schreite ich wild weiter. Bernd empfiehlt als einzig möglichen Weg den Intensivkurs von Dr. Ruth Cremerius an der Universität Hamburg. Das Schicksal ist mir wohlgesonnen. Wie gut, dass ich in Hamburg lebe. Ich bitte um einen Termin bei ihr, bekomme ihn und beschreibe die Dringlichkeit meiner Absicht. Sie möchte einen Tag überlegen, ob das noch gehe. Der Kurs beginne in der kommenden Woche und sie habe schon alle Unterlagen für die zwölf Schüler fotokopiert. Voller Hoffnung warte ich auf ihren Anruf und werde nicht enttäuscht. Ich darf kommen. Nächste Woche geht es los. Drei Wochen lang darf ich jeden Tag von 9 – 17 Uhr in das semesterferienleere schöne Asien-Afrika-Gebäude kommen, dass von dem Ehepaar Greve der Universität großzügig gespendet wurde. Ich bin entzückt. Mein Chinesisch-Zug fährt ab und mein Mann wird nach einigen Jahren sagen: „Danach warst du eineinhalb Jahre wie verreist.“

Summary: On one of our outings my husband gets to know a German staff member of the German Siemens Company. He has a little appartment in our hotel. My thoughts run ahead: to live in Peking, live in such an appartment and teach the Chinese hotel staff English, that would be terrific! Why do they want to learn German if they cannot speak well English? That idea sets me in motion. I love to have ideas. The song says: Money makes the world turn round, but with me it is IDEAS. I get an appointment with the manager and after hesitating because of no budget to pay a teacher he agrees to my proposal to get me as a staff member just for an appartment, the use of the wellness facilities and one warm meal a day. He is perfectly happy with my proposal BUT I have to talk Chinese – how else communicate? Back to Hamburg I consult with my friend Bernd. He knows the solution to my problem: Hamburg University with Ruth Cremerius as a teacher is the only way to learn Chinese. She is so kind to accept me and later my husband will say: with this intensive course you went on a one-and-a-half-year journey. And he means only my learning – no travelling.

总结: 我丈夫安排我们第一下榻到北京。我们的宾馆特别华美.很快我发现工作宾馆里的人说英文说得不好。我丈夫谈话跟一个工作给西门子公司的德国人。 他也住在我们的宾馆。忽然我想去中国教英文。英文更富有意义的。为什么教德文?世界所有的人应该说英文。宾馆的老板和我见面。他同意跟我的主意教英文但是他不会 付钱。 我不要钱我想住在和工作在北京。他愿意我的希望:一个房子,没天都一个吃饭,也有机会用所有的宾馆的事情锻炼身体。他愿意但是我 非说中文不可。回国我马山就去汉堡大学。我幸运,Ruth Cremerius 教授给我机会学习中文。以后我丈夫将说:“一年半你学习中文的时候你不在汉堡”。