9 Die erste Reise nach China

Meine erste Reise nach China organisiert mein Mann im Jahre 2003 mit einem Reisebüro, welches zu der Zeit die meisten Gruppenreisen nach China anbietet. Es ist noch nicht so normal, nach China zu reisen. Wir kennen das chinesische Jahr so wenig, dass wir eine besonders preisgünstige Reise während des Frühlingsfestes, dem chinesischen Neujahr, buchen. Zwei Wochen: die erste in Peking, die zweite in Schanghai. Leider zur Zeit des chinesischen Neujahrs – könnte man einerseits sagen – aber andererseits wird diese Reise zur hautnahen Erfahrung chinesischer Öffentlichkeit während dieser wichtigsten Periode des chinesischen Jahres. Man darf sagen, dass sich 3 Wochen die Erde nicht mehr zu drehen scheint. Wie schlimm das für einen Nicht-Chinesen ist, erfahre ich aber erst so richtig schrecklich – und das Wort schrecklich ist bewusst gewählt und bezeichnet wirklich die Schrecken dieser Zeit – während meines Jahres in Schanghai. Doch da bin ich noch nicht.

Unser Hotel hat 5 Sterne und liegt an der Straße, an der auch der Tiananmen Platz liegt. Wir sagen stolz zu Cheng Wei, dass wir zentral wohnen, aber sie lächelt über unsere Reisezeit und die Adresse. Ja, die Straße gehe durch ganz Peking, ergänzt sie unseren Enthusiasmus freundlich. Diese Straße ist endlos…!

Der Flug ist lang, der Sitzplatz eng, das Essen chinesisch und daher nicht schlecht. Wir glauben gut gerüstet zu sein. Schließlich haben wir drei Kurse in Chinesisch hinter uns und können ohne große Kopfverrenkungen sagen, dass wir Hunger haben. Wir landen in einem verschneiten Peking. Das Hotel ist europäisch mit einem Zusatz Pracht, den wir so nicht gewohnt sind: die Decken in der Eingangshalle sind einschüchternd mehrere Meter hoch, die Sessel sind prächtig und immer wieder glitzern goldene Drachen im Raum.

Schon auf der Busfahrt zum Hotel fällt uns auf, dass immer wieder mitten in einem riesigen Bauwerk große viereckige Leerräume sind. Rainer kennt China schon und kann mich aufklären: diese Passagen sind für die Drachen gemacht, durch sie streift der Drache wie mächtiger Wind. Aha. Auf Drachen wird Rücksicht genommen.

In der Rezeption im Fünf-Sterne-Hotel werden wir schnell eingecheckt. Allerdings entdecke ich entsetzt, dass die bildschönen schlanken feingliedrigen chinesischen Frauen erschreckend schlecht Englisch sprechen. Die Vorstellung, irgendwann mit meinen Chinesisch-Kenntnissen ein Jahr nach China zu gehen, passt so gut in meinen Lebensentwurf seit meinem 17. Lebensjahr, dass ich mich gleich mit ihren Sprachkenntnissen in Verbindung bringe. Ich denke an Cheng Weis Frage zurück, ob ich in Nanjing als Deutschlektorin arbeiten wolle und denke: wieso Deutsch, wenn Englisch noch so im Argen liegt. Englisch ist doch die Weltsprache. Englisch-Unterricht täte hier Not.

Peking ist so groß und interessant und neu, jeden Programmpunkt nehmen wir wahr. Tagesfahrten: immer kommt ein kleiner Bus, lädt uns ein und eine deutschsprachige Reisebegleitung erklärt uns Tempel, Gräber, Statuen, Hu Tongs – die traditionellen chinesischen Wohnhöfe. Das wird unterbrochen von vorzüglichem Essen in traditionellen Restaurants in Gesellschaft anderer Riesenreisegruppen. Wir haben immer den kleinen Tisch und bekommen sehr schnell die vielen Schüsseln, aus denen sich die meisten von uns geschickt mit Stäbchen bedienen. Nachmittags stehen unterschiedliche Ausflugsorte auf unserem Programm: die Besichtigung einer Jadefabrik, einer Modeproduktionsfirma oder anderer Produktionsstätten, die an uns Westler ihre Produkte verkaufen möchten. Sehr freundlich bewirtet man uns mit Tee und kleinen chinesischen Geschenken und am Schluss ist unser Kaufwille im Verkaufsraum erstaunlich enthusiastisch.

Natürlich machen wir auch einen Besuch zur Großen Mauer. Es ist besonders kalt an diesem Tag, gefrorenes Eis liegt auf der Mauer, obwohl Arbeiter ununterbrochen bemüht sind, den Gang auf der Mauer freizuhalten. Ja, es sieht an der großen Mauer wirklich so aus, wie man es auf jeder Postkarte, jedem Film, jeder Abbildung sehen kann. Jetzt im Februar ist es kalt und es zieht ein strenger Wind um uns herum. Wir dürfen ohne Begleitung die Große Mauer abschreiten und das tun mein Mann und ich erfreut. Die Fotos von damals sind ein guter Beweis. Es sind sehr wenige Menschen dort. Wer will bei Minustemperaturen dort sein? Auch die kleinen Teestuben am Fuße der Mauer können sich nicht entschließen zu öffnen. Die Besitzer stehen darin herum und tragen die obligaten Thermoskannen mit heißem Tee in den Händen. Zur Toilette zu gehen wird zu einem Kunststück. Toiletten! Das wird sich heute sicher geändert haben, aber zu dem Zeitpunkt gibt es die traditionellen Toiletten, die ich aus Südfrankreich kenne, wo man stehend oder hockend über einem Loch sein notwendiges Geschäft erledigt und dann die First-Class-Toiletten, die Eintritt kosten, einen westlichen Toilettensitz haben und wo man am Eingang Toilettenpapier ausgehändigt bekommt.

Das finde ich 很方便。 Hen3, fang1, bian4 = Sehr angenehm/bequem/günstig/komfortabel. Die Zahlen hinter den chinesischen Pinyin-Wörtern geben jeweils den Ton an, in dem die Silbe gesprochen werden muss. Bei der 3 den Unterkiefer ganz runter- und wieder hochziehen und 1 und 4 wie bei der Aussprache des Wortes Oper. Das A von bian wird wie ein Ä ausgesprochen. Mit diesem Satz würde jeder eingeladene Geschäftsmann beim Betreten eines chinesischen Restaurants bei seinem chinesischen Gastgeber Eindruck machen. Ist er der Einladende, müsste er des Hen (sehr) weglassen und ein tonloses (also dem Lufthauch im Mund keine Richtung gebend) Ma anhängen, es wird auch wirklich so gesprochen wie geschrieben und die inhaltliche Feststellung wäre zu der höflichen Frage geworden: „Ist das genehm?“ Diese Information ist für alle, die mit China Kontakt haben, aber kein Chinesisch lernen wollen. Für Geschäftserfolge sind kleine Chinesisch-Bemühungen höchst empfehlenswert.

Summary: The first journey to China is organized by my husband. Knowing little about the Chinese Year we book two weeks on Chinese New Year. The worst time you can go there, because during Chinese New Year the planet seems to stop turning around: the Chinese hasten to their families no matter how far the journey is. For foreigners it is terrible and once in Shanghai I experience that it reminds me of my childhood with bombs falling down close around me. But nevertheless we get the full programm of sightseeing in the morning and factories in the afternoon – where we eventually buy enthusiastically Chinese clothes, tea, china… The Great Wall we see on an especially cold day and it is exactly like in films and on postcards we saw before.

总结我们第一远行到中国。我们选的时间特别不方便。为什么?因为是中文新年 这个国家的节。大家都的家庭见面无论什么。我们的宾馆越来越空。所有的中国人在家里。但是中国很美. 上午我们喜欢得很所有的文物古迹, 下午我们参观工厂。在那我们喝茶和最后买东西。我们当人参观长城。这一天特别 寒冷的。但是长城其实完全我们以前看到得一样。我从来没看到一个这样可观的事情。