Wenigstens bis jetzt ist keine Lesung wie eine vorherige gewesen. Die Anzahl der teilnehmenden Personen, die Buchpassage, die ich lese, das Wetter, das Arrangement des Raumes, die Verteilung der Zuhörer an Einzelpersonen, Paaren oder Gruppen ( drei bis sechs Personen), all das sind schließlich die Fäden aus denen das Gewebe des Lesungsabends gewoben wird. Ich scheine auch sehr unterschiedlich zu lesen. Wohl immer deutlich und gut betont, aber an den ersten Abenden erheblich zu schnell. Das ist kein Wunder, denn ich bin natürlich angenehm angespannt und aufgeregt, habe den Text vorher gelesen, habe mich mit ihm vertraut gemacht, habe geschafft, mir die selbstverschuldeten Schwächen zu verzeihen und nun klopft mein Herz schneller als normalerweise. Das Herz ist die unabhängige Variable, nach der ich mein persönliches Zeitmaß richte. Inzwischen ist mir einmal – nach meinem vorherigen ausdrücklichen Wunsch – aber zugerufen, etwas langsamer zu lesen und das letzte Mal war es wohl geruhsamer und Zuhörer-freundlich. Besonders unterschiedlich gestaltet sich allerdings der Abend nach Lesung und Buch-Verkauf, wenn die Platten mit den frisch   gebackenen vegetarischen Fingerfood-Teilchen hereingebracht werden. Wein wird nachgeschenkt oder auch Wasser und die Stimmung steigt, die ‚Musik‘ der Gruppe wird lebhaft: es wird genossen und gelacht. Danach entwickeln sich dann einzelne Gesprächsgruppen oder aber auch nicht und dann sehen alle auf die Gastgeber und es wird eine manchmal spannende und manchmal weniger spannende gemeinsame Unterhaltung. Aber wie immer sich der Abend auch abspielt – Einmal ist ein Zuhörer in einem besonders bequemen Sessel bis zur Fingerfood sanft eingeschlafen. Mein Buch hat eben die Leichtigkeit einer Gute-Nacht-Geschichte und das ist doch auch ein Kompliment. – Ich bin jedes Mal wieder total begeistert über all die Menschen, die  gekommen sind. Das finde ich phänomenal schön und freut mich sehr und macht mich auch dankbar. Deswegen schreibe ich auch schon begeistert an meinem nächsten Buch.