Das muss ich noch schreiben: ich habe ein phänomenal schönes Buch gelesen, „Die Honigfrau“ von Agnes Flügel. Vom ersten bis zum letzten Wort geht es ans Herz und deswegen erlebt man alles so, als habe man sich selbst in dieses Abenteuer aufgemacht. Auch ganz berührend, wie sie sich bei ihrer Großmutter Johanna Gross bedankt, die immer als guter Geist über ihr schwebt. Meine Geistführerin ist nämlich auch meine Großmutter mütterlicherseits. Die bringt mich immer in die schönsten Probleme… Ich gebe mir große Mühe, an diesen Problemen zu wachsen, auf jeden Fall nie als arme Maus unangenehme Dinge  hin zu nehmen und resigniert über mich ergehen zu lassen. Ich bin ja davon überzeugt, dass Selbstmitleid und Opferrolle das weitgeöffnete Scheunentor  für Unglück und Krankheit sind.

Dann habe ich den wunderschönen Film „Die Wand“ mit Martina Gedeck gesehen. Ich hatte vorher ängstliche Bedenken, weil ich vermutet habe, in diesem Film sinke die Stimmung gegen Null und drunter. Aber ganz im Gegenteil. Ich habe an den Anstrengungen dieser Frau voller Liebe teilgenommen. Durch gläserne Wände ist ein wunderschöner Teil der Bergwelt abgeschnitten von einer Welt, die offensichtlich sanft umgekommen ist. Erschreckt hat mich, dass sie den einzigen Menschen, einen Mann – der alles andere als ein Mensch war – erschossen hat, erschießen musste. Es ging alles sehr schnell und war total überzeugend, aber auch eine erschütternde Aussage über Männer. Meine Hoffnung für Schönes war bis zum Schluss, dass sie den weißen Wolf zu einem Hund hätte zähmen können. Der Film ist perfekt gemacht. Ich habe noch nie so intensiv die Natur betrachten können und die Musik spielte eine eigene Rolle und wurde nicht missbraucht. Ein wunderbares unvergessliches Erlebnis!