WAS SIND KÜNSTLER?

Diese Frage ist mir während der Pandemie-Zeit gekommen. Vermutlich. weil die KÜNSTLER irgendwie ziemlich unsichtbar und untätig (?) waren. Gesungen haben spontan Leute in Italien auf  Balkonen.

Gemalt hat für mich sichtbar in der Wirklichkeit niemand, beispielsweise auf Werbeflächen Ermunterungen, Hoffnungsbilder, Wahrnehmungen neuer Wahrheiten als Nebenprodukt der Pandemie.

Viel Komisches war auch nicht „galgen-humoristisch“ unterwegs. Der einzige Witz, der für mich wirklich lustig war: “Mit Abstand hab ich dich am liebsten!“ Weil der plötzlich völlig neu „möbliert“ war. Die Meter dazwischen waren vom übertragenen Sinn – dem gefühlsmäßigen Abstand zu anderen Menschen – zur realen Abstands-Messung des Raumes geworden.

Musiziert wurde tatsächlich im Netz. Man konnte stundenlang  Cellisten und Pianisten – beim Üben? – zusehen. Oft kommt mir Musizieren immer mehr wie Hochleistungssport vor. Je schneller, desto besser. Je jünger, desto bewunderter…

Rosen von der Dachterrasse und mein Cello, auf dem ich jahrelang freudig gestreichquartettet habe.

Beeindruckend und bewegend künstlerische Notnahrung waren für mich die Flashmobs! Opernszenen im Supermarkt, wo der beleibte, ordnende Mann am Gemüsestand plötzlich ein wundervoller Bass ist und die Dame mit dem Einkaufskorb ein beeindruckender Sopran und die Leute an der Kasse der mitreißende Chor. Bewegend, wie die Zuschauer eher an ihren gerührten Gesichtern zu erkennen waren. Oft Leute, die bestimmt selten oder nie bei „den“ Eintrittspreisen in die Oper gehen können. Wie sie gelauscht, gefilmt und geklatscht haben. Himmlische Klänge!

Aber wo war das Theater? Einige Schauspieler waren in Filmen zu sehen. Das lief für mich aber unter der Nummer „angestellte Künstler“. Diese Kategorie existiert innerlich für mich im Gegensatz zu Künstlern, die, egal unter welchen, also unter fast ALLEN, gegebenen Umständen das menschliche Sosein durch Transformation – das ist Kunst –  auf eine andere Ebene der Sichtbarkeit bringen. Damit öffnen sie Aufmerksamkeitsräume, die einen innerlich anderen Umgang mit der Wirklichkeit möglich machen.

Philosophen machen das wohl auch. Glaube macht das auch. Alles, was mit Spirit, mit Geist, zu tun hat. In-Spirit-ion manifestiert sich in Inspiration. Inspiration findet im Gedankenraum statt. Künstler können zum frischen Umgang mit Gedanken inspirieren. Gedanken hat nicht jeder von selbst oder doch? Wünsche, Absichten, Klagen, Hunger, Durst und andere Mängel, aber die Gedanken zum Herstellen des eigenen Seins, der eigenen Umgebung, dazu können fantastisch Künstler, Philosophen, alle Inspirierten des Unsichtbaren verhelfen.

Ich hätte mir für das Theater überlebensgroße Gestalten in knalligen Gewändern auf Stelzen gewünscht, die durch die Straßen zu zweit ziehen und kurze Auftritte – meinetwegen mit einer Traumsequenz darstellen. Oder wie man Schicksal durch Interpretation – Erinnerung, Traumreisen, Telefonieren mit anderen – erleichtern, für Momente neu füllen, anders erleben kann. Schon Gestalten durch Farben und Übergröße hätten gedanklich fröhlich überraschte Erbauung – Er-Bau-ung = neue gedankliche Vermessung – bringen können.

Diesen Drang scheinen Künstler heute nicht mehr zu haben? In der Vergangenheit haben Künstler unter schwierigsten Umständen eine Gelegenheit gesucht, ihre transformativen Wahrnehmungskräfte in die Gesellschaft zu strahlen. Diesen Drang habe ich vermisst.

Ich finde sowieso komisch, wenn die Schauspielhäuser mehr Geld für die Techniker und Verwalter und Konzertagenturen ausgeben als für die Künstler. Ich glaube, aus meinem oben beschriebenen Impuls der überhöhten Mitteilungsfähigkeit erwächst der Wunsch zum Künstler-sein. Unsere Gesellschaft hat die Künstler gezähmt? Ihnen ihre individuelle Sprengkraft der Schaffung neuer Wahrnehmungsräume genommen!?

Als Ursprung für diesen „Sündenfall“ sehe ich die nicht mehr erkennbare allgegenwärtige Dominanz der Zentral-Perspektive. Sie macht durch ihren Vermessungs-VORGANG alles gleich und damit gleich-gültig. Im wahrsten Sinne des Wortes geht der innere Wert „flöten“. Nun wird der neue Maßstab von außen angelegt: das Geld, der Erfolg, die Einschaltquote.

Wer mehr hat, kann immer mehr machen. HERZliche Gedanken aber fragen ganz natürlich: was ist gut? Die Zentral-Perspektive ist das Muster eines jeden normalen Fotos und Films. Ich weiß, jetzt werde ich noch verwirrender. Hier höre ich mal erst auf. Noch Fragen?  Alles Unsinn?  Überlegungen…

Künstler machen Unsichtbares sichtbar! Der Rahmen ist ein wesentliches Merkmal der ZENTRAL-PERSPEKTIVE. Kann es sein, dass Künstler immer einen gegebenen Rahmen brauchen, um sich als Künstler zu definieren? Hat Kunst ihre Sprengkraft verloren, das „Über-mich-hinausgehen“? Schon auf den Fürstenhöfen des Mittelalters konnten die wandernden Erzählkünstler berichten, was weiter weg anders war und änderten dadurch oft die Gedanken-Paradigmen.

Blumen von Min zum Nasen-„Event“

Und natürlich von Herzen zum Schluss wieder ein wunderbares Wochenende mit viel Natur und immer wieder liebevollen – und Geld als eine Möglichkeit helfender – Gedanken für die Menschen, die Unvorstellbares verkraften müssen. Bei jedem aufkommenden Weinen auf dem Bildschirm kommen einem selber die Tränen, oder? Lange Aufmerksamkeit wünsche ich ihnen allen und lange Hilfsbereitschaft!

falsch ist manchmal genau richtig

Es fing damit an, dass ich „mein Zimmer“ – eigentlich Wohnzimmer – plötzlich zu dunkel fand. Der Baum vorm Fenster ist gewachsen, zwischen den Zweigen ist sommers wie winters dickes Efeu. Erst fand ich das ärgerlich, jetzt weiß ich, dass das ein wundervolles „Hochhaus“ für die Vögel ist, die bei mir am Fenster nach wie vor fleißig schmausen.

Von außen kann ich nichts für die Helligkeit tun, dann muss es von innen kommen. Zuerst ist also das große, hauptsächlich grüne Drachentryptichon ins alte Atelier auf der Dachterrasse gewandert und die „Lichtnahrung – Essen ohne Tötung“ ist an die Stelle gewandert und sieht toll aus. Mit 24karätigem Blattgold!

Für die dunkle Mitte des Zimmers mit Sofa und zwei IKEA-Tullsta-Sesseln hatte ich Hussen für eine gute Idee gehalten. So habe ich nach langem – und ich meine LANGEM – Suchen im Internet schließlich eine größenentsprechende Husse für das Sofa entdeckt. Kühn dachte ich, warum nicht Orange und dann lege ich die alten dunkelroten Kissen darauf, das ist bestimmt erfrischend. Nach wiederum sehr langer Zeit kommt die orange Husse an. Ich ziehe den echten Hussen-Überzug ab und quäle den orangenen mit Mühe mehr oder weniger drauf und lege das erste dunkelrote Kissen darauf und stelle erstaunt fest: aus dem dunklen Rot sieht mich plötzlich ein merkwürdiges Grau an. Ich verstehe das Phänomen sofort, weil ich für mein SIMULTAN-Theater Doktorarbeit den französischen Autor Francastel über die Veränderbarkeit von Farben durch simultane Farb-Kontraste gelesen habe.

ABER bei der ganzen Aktion – das Orange war schnell runtergezogen und aus meinem Blickfeld verbannt – habe ich entdeckt, dass der alte Bezug auf links viel glatter und glänzender und frischer aussieht und habe mir gedacht: wenn man Jeans mit offenen fransenden Schnitten trägt, dann kann ich den Bezug gern von links aufziehen und das Sofa in dem Glanz-von-links strahlen lassen. Gesagt, getan! Hier das Resultat:

Sofa frisch und ich erfreut!

Nun die Tullsta-Sessel. Für helles Beige hatte ich mich entschieden. Ich kenne den Preis, etwas über vierzig Euro, steht im Internet. Beim Rahmen-Kauf für meine Bilder habe ich die Farbe auch bei IKEA gesehen, fand aber auf dem Sessel den Bezug nicht gut angepasst, so wie ich es von den alten roten und blauen Bezügen kenne.

Egal, ich will es heller haben. First things first! Man muss auch mal Prioritäten setzen! Ich kaufe den Bezug, d.h. ich bekomme die Rechnung. Genau vierzig Euro steht auf meiner Rechnung.“Ich möchte doch zwei Bezüge“, sage ich ein bisschen vorwurfsvoll. „Ja, die Bezüge sind seit heute auf die Hälfte reduziert!“ Jubel! Glückicherweise wartet keine Entäuschung auf mich. Ich weiß ja, warum sie reduziert sind, weil sie irgendwie schlampig genäht sind oder so. Irgendjemand hat es nicht geschafft. Möge er sich nicht ärgern und nicht zu viel Ärger bekommen. Nun sehen sie sehr ungefähr-Hussen-mäßig aus, Ich finde, mit der Bilderwand meiner Aquarelle – mit 24karätigem Gold – sehen die Sessel richtig anders und gut aus.

ist doch gut?!

Was gibt es noch Aktuelles? Zu schön, welche schönen, von der Natur selbstgepflanzten Blumen, ich auf meinen Spaziergängen antreffe.

richtig prächtig
und einfach so am Straßenrand

Allen ein wunderschönes Wochenende mit vielen guten Ideen, schönen Büchern, bei Bedarf und nach Wunsch kalten Räumen und für das kollektive Feld viele freudige, leichte, lichte Gedanken! Danke!

Eine Woche ist schnell gelebt

mit vielen neuen Eindrücken, die man oft nur merkt, wenn und weil man sie festhält. Beim Radieschen-Putzen musste ich plötzlich an den Politik-Unterricht in der Schule zurückdenken. Meine Radieschen-Fotos hätten die Diskussion um kontroverse Themen sicher inspiriert.

diskutiert das Thema zu zweit
diskutiert das Thema zu viert
diskutiert das Thema heftig kontrovers
findet einen Kompromiss

Ja, so geht doch Demokratie, oder? Allerdings reicht das nicht für den Klimawandel, unseren Umgang mit dem Planeten. Da haben wir schon so tief gesündigt, zerschlagen und zerstört, da muss mehr passieren und darum müssen die GRÜNEN ein Wort mitsprechen und in die Tat umsetzen dürfen. Bitte, bitte wählt und werbt für die GRÜNEN! Die anderen hatten bereits viele, viele Jahre die Möglichkeit alles zum Besseren zu kehren. Für viele Themen wäre meine Radieschen-Anordnung aber richtig gut und schön klar als Diskussions-Arbeitsschritte.

Bei einem Besuch an der Sternschanze habe ich diese schöne ruhige Straße entdeckt, die mich direkt an Holland erinnert hat. Sie könnte in Utrecht sein.

ein bisschen holländisch
ein isschen griechisch
eine Bauernrose mitten im Getümmel

Wenn man jeden Tag 5000 Schritte geht, sieht man die Welt von Hamburg. Diese 5000 Schritte füllen auch schon einen ganz schönen Abschnitt des Tages. Als politisch und kulturell interessierter Mensch lese ich in Hamburg natürlich „Die Zeit“. In Wien würde ich den „Falter“ lesen, eine phänomenale Wochenzeitung: total aktuell, ortsbezogen und dabei spannend! Mich begeistert bei jeder Ausgabe „Zeit“ der Seitenstreifen mit den „Torten der Wahrheit“: wahr und lustig, wenn auch übertrieben.

ich hoffem man kann das vergrößern

Am meisten erfreut mich in der letzten Zeit allerdings meine Spielerei mit Aquarellfarben.Toll! Zwischendurch sehe ich mir YouTube-Lehrfilme zum Thema an. Auf YouTube kann man schier alles lernen. Ein Paradies für Leute, die so gern lernen wie ich.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern so befriedigende Aktivitäten und natürlich viel Freude und auch Dankbarkeit für alles, was einem für Dankbarkeit und Freude nur einfallen kann. Bei mir ist das sehr viel. Bei meinem Alter auch schon wegen so viel gelebter und erlebter Vergangenheit. Allen ein wunderschönes Wochenende!

So eine Freude!

mein Drache – vegoldet!

Gestern habe ich meinen wunderschönen Drachen aus Beton mit Blattgold vergoldet. Drachen sind meine stärkste Erinnerung an mein Jahr in Shanghai. Es MUSS einen starken Eindruck hinterlassen, wenn ein Wolkenkratzer mit einem gigantischen Durchbruch – Loch – Kanal freigelassen wird, damit der Drache, die Kraft des Windes, ungehindeert hindurchfliegen kann.

Der Drachen sah vorher so aus wie diese „seine Brüder“

Drachen aus Beton, unvergoldet

Unter dem Drachen ist eine Fortsetzungs-Schlangenreihe: hatte ich im Bode oder Ägyptischen Museum in Berlin gesehen. War ein Symbol der Fruchtbarkeit und der Unendlichkeit aus der Sumerischen Zeit, meine ich zu erinnern.

Gold aus Material des Glanzes habe ich nicht von Schmuck. Habe ich so gut wie gar nicht – merke ich gerade. Ein Gastgeschenk zu einem Doppelkopf-Spielabend von Caroline Scharf, die ein Juweliergeschäft in der Papenhuder Straße hat und eine wunderbare Goldschmiedin ist (!), hat mich auf den Geschmack von Gold gebracht:

ein vergoldetes Ei vor Ostern von Caro

Wie man sieht, ziert es die Lampe nicht nur Ostern, sondern immer. Danach habe ich mir einen Vergoldungskoffer gekauft – irgendwie anstatt eines Vergoldungskurses. die Kurse habe ich immer verpasst.

mein Vergoldungskoffer

Es waren Blätter mit Erklärungen drin. Bei Boesner, DEM Kunsthandel-Geschäft in Hamburg, hatte ich mir von den Blättern eine Art Kurs-Ersatz erhofft. Ganz falsch! Da habe ich mit dem eigenen Experementieren angefangen.

Mein schönstes Ergebnis ist mein Bild-Quartett „Lichtnahrung“

Ei – Drache – Lichtnahrung

Der ganze Wohnzimmer strahlt plötzlich von all dem Gold und den unter der Sonne gereiften Früchten.

Wohin das riesige dreiteilige Drachen-Halbrelief gewandert ist? Es hat quasi ein eigenes Haus bekommen:

Drachenbild im alten Atelier

Dort hängt an der Wand eine Plastik aus Draht, die ich sehr mag, aber die man schlecht wahrnehmen kann. Inspieriert durch Beispiele einer großen Ausstellung im Centre Pomdidou hatte ich die gemacht:

mit ganz viel Hingabe entdeckt man einen Kopf

Gleich neben diesem Kopf hängt eine Halbplastik, die für alle ein Herzstück zur Freude werden kann.

Ich liebe mich bedingungslos!

Mich hat sie schon sehr inspiriert und sogar über diese schwierige Nasen-Operations-Zeit immer weiter in der Schwingung der Freude gehalten. Und diese Schwingung der Freude, die wünsche ich allen meinen LeserInnen von ganzem Herzen – – – und ein schönes Wochenende natürlich!

Deutsche – wir uns – umarmen und begreifen!

die Autorin selber!

Simone van der Vlugt ist eine ausnehmend gute holländische Autorin! Ich habe alle ihre Bücher gelesen. In Holländisch! Viel gelernt und viel genossen. Nun hat sie ein neues Buch herausgebracht. Ich habe mich sehr gefreut, als mir Birgit – meine niederländische Sprachpartnerin, die mir eigentlich all ihre holländische Literatur weitergereicht hat – liebenswürdiger Weise den neuen Roman von Simone van der Vlugt sendet. Begeistert habe ich zu lesen begonnen.

Simone van der Vlugts Bücher sind lang. Das finde ich schön. Ich bin traurig, wenn ein schönes Buch aufhört. Dann fühle ich mich eine Weile fast verlassen. Dieses Buch „De kaasfabriek“ hat 625 Seiten. Bis zur Seite 399 ist man ganz eingesponnen in die persönliche Geschichte der Hauptpersonen. Wann immer es geht, lese ich schnell weiter.

Da kommt plötzlich eine Erinnerung hoch: Mein Vater war ja Küster und wir bekamen aus dem Gemeindebüro immer die Uhrzeiten der Beerdigungen, zu denen „unsere“ Kirchenglocken läuten mussten. Das Läuten sollte ca.10 Minuten dauern. An einem dieser Arbeitsaufträge war ich allein zuhause. Mein Vater hat auf den Zettel am Küchenschrank hingewiesen bevor er zum Friseur geht. Ich bin zwischen meinem Aupair-Jahr in England und dem Kindergärtnerinnen-Seminar zuhause und genieße viel lesen zu können. Ich glaube, „Schuld und Sühne“ von Dostojewski nimmt mich gerade so gefangen. An die richtige Zeit zum Läuten denke ich. Gehe ins Bad – unsere Wohnung ist ein altes Kloster gleich neben der Kirche –  und stelle Glocke 1 an, zähle: einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig und setze dann durch Drehen des Schalters die nächste Glocke in Bewegung. So ergänzen sich beide Glocken klanglich. Dann gehe ich zurück zum Sofa und lese gebannt weiter … Bis ich wilde Schritte auf der Treppe höre! Drei Stufen auf einmal  nimmt mein  Vater. „Eine halbe Stunde läutet es schon! Die Leute müssen denken, ein Krieg sei ausgebrochen. Anstellen reicht nicht, ans Ausstellen muss man denken.“  Ich bin bestürzt, aber auch, weil ich den Schreck bildlich vor mir habe: sein Schnurrbart ist nur auf einer Seite geschnitten. Soviel zum gebannten Lesen!

Im Buch von Simone van der Vlugt droht und kommt ab Seite 399 der Erste Weltkrieg. Zunehmend wird dieser Krieg bedrängender und vernichtender. Es ist einfach schrecklich, was die Deutschen Belgien und Holland antun. Es ist qualvoll zu lesen, wie wutschnaubend unmenschlich die Deutschen die jungen Soldaten zurichten. Von Buchseite zu Buchseite wird es schrecklicher. Ich bin Deutsche. Im Buch leide ich natürlich mit den von mir in mein Herz aufgenommenen handelnden liebenden und leidenden Personen. Die Grausamkeit der Deutschen wird immer schlimmer, entsetzlicher, unmenschlicher!

Auf Seite 583 ertrage ich es nicht mehr Es steht nicht „das deutsche Militär“ da, sondern immer „die Deutschen“. Ja, ich weiß es natürlich, dass die Deutschen Mord und Tod über die Welt gebracht haben. Wie im Zweiten Weltkrieg können auch in diesem Krieg nur die starken Amerikaner den erlösenden Endschlag gegen die Deutschen ausführen.

In ihrem sachlichen Nachwort wird der Erste Weltkrieg noch einmal als Quelle berichtet und da stelle ich fest, dass ich bis zur Seite 583 noch nicht einmal über die Maßen damit konfrontiert worden bin, dass die Deutschen entlang dem 700 km langen Schützengraben Gasbehälter aufgestellt haben, die sie bei der „richtigen“ Windrichtung in Richtung Feind geöffnet haben und die Soldaten der anderen Seite Lungenverbrennungen und andere schlimme Reaktionen hatten. Später wurde von „uns“ Deutschen Phosphor als Waffe eingesetzt, das schrecklichste Verbrennungen und Kollapse im menschlichen Körper hervorruft.

Ich fühle die zwei Seelen in meiner Brust. Leide mit den Belgiern und Niederländern. Verstehe ihre Abscheu auf Deutsche. Bücher wie dies von Simone van der Vlugt rufen die deutschen Gräueltaten ins Gedächtnis und befeuern die negative Einstellung HEUTE zu uns – zu mir als Deutscher. Das habe ich in England auch gesehen, nicht erlebt.

Ich denke ABER auch: das macht sie richtig, die Autorin, sie gibt noch einmal Gelegenheit die Leiden der Vergangenheit sichtbar zu machen. Das Zugefügte und Erlittene auszudrücken und emotional begreifbar zu machen. Nur so können Traumata aufgelöst werden. Sie müssen aus ihrer Tiefe ins Bewusste Fühlen und Verstehen transportiert – transformiert werden.

Aber dann denke ich weiter. Wie kann es sein, dass in Europa alle größeren Kriege von Deutschland ausgehen? Wie sind die Deutschen zu so gefühllosen Vernichtern geworden. Wenn ich das denke, fällt mir sofort der Dreißigjährige Krieg ein. Nicht 4 Jahre Krieg, nicht 8 oder 15 Jahre Krieg, sondern 30 Jahre Glaubenskrieg – Territorialkrieg auf deutschem Boden.

Ja, ich glaube dass sogar der deutsche Boden, die Erde unter uns Deutschen traumatisiert ist. Aber wie viel mehr wir Deutschen selber. Jeder Deutsche! Die Trauma-Forschung zeigt, dass unverarbeitetes intensives Leid eine Wunde schlägt, die nicht mit dem Tod endet. Das Trauma wird weitergegeben an die nächste und unverarbeitet an die nächste und die nächste und nächste Generation. Das Erlittene ist in unseren Genen.  

Das Befremdliche ist, dass die deutsche Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges nicht zum Gegenstand des Begreifens und Aufarbeitens geworden ist und wird. Das ist aber unbedingt notwendig. Solange wir uns nicht liebevoll dieser schrecklichen Aufgabe stellen – denn das bedeutet, das unvorstellbare Leid der deutschen Menschen von 1618 – 1648 wieder lebendig zu machen.

Unsere Geschichtsbücher kümmern sich nicht genug darum. Ich habe während meiner Lehrerinnentätigkeit Geschichte unterrichtet. Im Kindergärtnerinnen-Seminar habe ich im Deutsch-Unterricht das Buch „Simplicius Simplicissimus“ von Grimmelshausen vorgestellt und eine Ahnung von dieser Zeit bekommen.

Der Dreißgjährige Krieg hat in den deutschen Genen diesen Abdruck hinterlassen: Fremde sind böse Feinde, das haben wir erfahren und um uns kümmert sich keiner, sie kommen, nehmen  und schlachten uns brutal. Und der Gedanke hat sich fortgesetzt: so was kann man mit Menschen machen, so haben sie es 30 Jahre mit uns gemacht.

Wir alle können helfen, dieses Trauma aufzulösen: indem wir  darüber lesen und es uns ins Gedächtnis rufen, es nachempfinden und weiter erzählen. Wörter und Gefühle warten darauf von uns Deutschen gehört und gefühlt zu werden. Ich habe dieses Thema damals nur bei Ricarda Huch und Friedrich Schiller gefunden. Nicht unter der Überschrift Traumata –Bewältigung. Für diese unruhige Welt wäre es konkret Friedensarbeit, wenn ganz viele von uns daran arbeiten würden.

Ich sehe mal nach – dank Google – was es an Literatur und Filmen oder Dokumentationen gibt. Vermeidung ist ja auch, die Anstrengung anderer nicht zu sehen. Jeder von uns Deutschen ist hier gefragt unser größtes Gewalt-Trauma aufzulösen.  

Der Dreißigjährige Krieg: Europäische Katastrophe, deutsches Trauma 1618-1648, Buch von Herfried Münkler finde ich und tatsächlich viel mehr Literatur.

Man muss nur „Der dreißigjährige Krieg“ in Google eingeben und bekommt viele Ergebnisse. Wikipedia schafft einen Überblick. Auch Fernsehprogramme findet man dort, beispielsweise: Der Dreißigjährige Krieg 1/2 ZDF Mediathek.

So, jetzt lese ich von Seite 583 bis zum Schluss. Ich finde so gut, dass die Leser des Buches die tiefen seelischen Wunden vom ersten Weltkrieg nachempfinden und so auflösen. Übrigens sind im Nachwort 6 Bücher als Quellen zum 1. Weltkrieg angegeben, die alle um 2014 in den Niederlanden erschienen sind.

Übrigens waren es nur noch wenige Seiten bis zum Ende des Buches „De kaasfabriek“ von Simone van der Vlugt. Der Anhang war so lang, dass ich noch Seiten und Seiten über die Deutschen zu lesen gefürchtet hatte.

Gestern Abend habe ich die beiden Folgen in der ZDF Mediathek über den Dreißigjährigen Krieg gesehen und mit großem Interesse in mich aufgenommen. Zum ersten Mal erscheinen in der Historienforschung, der Geschichte persönlich geschriebene Berichte. Sehr interessant!

Ja, so könnte jeder von uns Deutschen sich an die Friedensarbeit machen. Und dazu hat man am Wochenende vielleicht Zeit? Das soll natürlich trotz allem für jeden schön und erfahrungsreich und erfüllend werden. Das wünsche ich euch allen von Herzen!

Aquarell macht Spaß

Aquarellfarben im Kasten, Aquarellstifte, Wasser, unterschiedliche Pinselstärken, unterschiedlich feucht bis nass: mit Aquarelmalerei kann man spielen.

ICH MÖCHTE SEHEN, WAS ICH SEHEN KANN. Hört sich komisch an, aber besser kann ich es nicht ausdrücken. Ich will gern wahrnehmen lernen, was noch um mich ist, wenn ich mit entspannten überirdischen Augen gucke. Darum male mit Farben und dann sehe ich auf die zufälligen Gebilde und fange an zu vermuten: das könnte doch ein Gesicht sein und das da … und so geht es weiter, bis etwas da ist, das für mich Sinn macht.

netter Besuch

Dann habe ich in einem Youtube – Unterricht ges ehen – „Art with Alice“ – heißt es glaube ich, dass man über ein Bild am nächsten Tag ein anderes malen/legen kann. Das fand ich auch spannend. Das sah bei mir dann so aus:

„Studium abgebrochen, arbeitslos, Mann weg, zwei Töchter im Teenage-Alter“

Der Titel waren meine ersten Assoziationen. Ihr Kopf ist voll von Sorgen. Mit Ach und Krach und Auferbietung aller Kräfte hat sie – sehr allein – ihre zwei Töchter groß gezogen und nun geben die ihr unwirsch zu verstehen, dass sie sie sehr uncool finden!

Die – bisher – dritte Art geht so: Farben auf das Papier, dann das Papier vorsichtig knüllen und nach dem vorsichten Ausstreichen schauen, welche Erscheinungen durch die Knicke sichtbar werden. Das macht auch total Spaß, man weiß nie, wer zu Besuch kommt. Alle Gestalten sind immer herzlich willkommen und werden mit Liebe immer intensiver die, die sie sein könnten. Das kann dann so aussehen:

witzig, dass nach meiner OP hier eine Nase auftaucht.

Die mittlere Figur fand ich besonders selbstbewusst und nicht zu vernachlässigen. Ein Vergnügen, mit so viel selbst geschaffenem Fremden konfrontiert zu werden. Da kann ich dann richtig Dankbarkeit empfinden.

Eben habe ich auf Facebook einen witzigen Spruch gelesen, den ich zum Wochenende weiterverschenken möchte:

so schön – der Knick im Denken

Gerade habe ich nach Fats Waller Musik getanzt. Er ist toll! „Your feet are big“ ist lustig. Überhaupt swingt das ganz schön doll and I love it.

So, jetzt male ich weiter. Im September gibt es eine Ausstellung!

Allen lieben, lieben Leser:innen ein rundherum schönes Wochenende mit genug kühlen Ecken im Laufe der heißen Sommerperiode.

So ist die Lage

die Elbe
Patiententerrasse
netterweise ein Einzelzimmer

Probleme sind dazu da, dass man an ihnen wächst. Mein Lebensziel ist es, mein Stimmung selbst steuern zu lernen. Das heißt, nicht nur von Zufällen und äußeren Umständen in meinen Gefühlen hin- und hergeschubst zu werden. Meine tiefe Überzeugung, man kann immer etwas finden, wofür man dankbar sein kann. Das ist für mich der erste Gang im Getriebe meines Systems.

Mein Problen: ich hatte auf der rechten Seite auf der Spitze meiner Nase einen kleinen Punkt mit Hof, den man leicht spüren und sehen konnte. Überschminkt konnte man ihn kaum wahrnehmen. Aber siehe da, das war eine Form von weißem Krebs und musste eilig weg. Das Tabea Krankenhaus ist nun mein Ort des Geschehens.

Schönes Zimmer, schöne Aussicht, laute sehr freundliche Menschen um mich herum.

heute Morgen: Sonnenaufgang

Mal sehen, was das histologische Ergebnis sagt. Ich hoffe, dass ich morgen wieder zu Hause bin.

Schattenspiele heute Morgen nach dem Aufwachen. Ansonsten lese ich ein superspannendes Buch von Christoph Keese „Silicon Germany“ – danke Andrea! – , dass mich immer besser verstehen lässt, was Digitalisierug eigentlich bedeutet.

Wir Deutschen haben unter Digitalisierung fast nur Geräte mit digitalen Steuerelementen verstanden und nicht als Informtions-Vernetzung mit in gesellschaftlicher Transformation. Wenn ich mehr begriffen habe, werde ich es zu formulieren versuchen. Hier geht es nämlich um Denkstrukturen.

Dann habe ich ein holländisches Buch – danke Birgit! – „De kaasfabriek“ von Simone van der Vlugt. Wieder eine schöne Geschichte, wunderbar geschrieben. Sehr entspannend – und ich lerne wieder mehr Niederländisch.

Dann übersetze ich weiter meinen chinesischen Roman und stelle fest, dass so leicht anstrengende gedankliche Arbeit besonders gut ablenkt. ICH HABE GUT VIEL ZEIT. Besuch darf man nicht bekommen. Meine 5000 Schritte versuche ich durch die Benutzung der Treppe zur Dachterrasse und das Abschreiten des Grundstückes zusammen zu bekommen.

Nun bin ich wieder zu Hause. Corona sei Dank kann ich immer eine Maske tragen ohne auffällig zu werden.Sobald ich die abnehme, sehe ich allerdings aus wie ein Boxer, der auswegslos k.o. zu Boden gegangen ist.

10 Tage muss ich in dieser „Maske“ meine Rolle spielen!

Tabea ist ein Krankenhaus, das ich empfehlen kann, aber was für eine Freude wieder zu Hause zu sein. Das Licht im Zimmer hat mir gefehlt und Rainers köstliches Essen.

Zwei Blogs an einem Wochenende. Den anderen hatte ich schon fertig. Dieser beschreibt meine absolute Jetzt-Zeit. So ist die Lage! Noch einmal: allen ein schönes Wochenende.

Ich persönlich über Quanten

Vorletzte Woche hat ein Dominik Eulberg sich und sein Buch „Mikro-orgasmen“ vorgestellt. In der Sendung habe ich Antworten auf Fragen bekommen, die ich noch gar nicht formulieren konnte. Der Autor hat Ökologie studiert, ist jetzt DJ und Vogelbeobachter. Er hat mein Lieblingsthema erwähnt: Quanten.

Über deren befremdliche Eigenschaften des Sowohl-Als auch in Bezug auf ihre Natur – Welle oder Teilchen – kommt mir in den Medien wenig entgegen. Und auch Physik studierte Freunde treibt dieser Aspekt der Quantenphysik scheinbar nicht um.

Bei den Entdeckern der Quanten war das noch so: Bohr, Born, Einstein et. al. haben Gesellschaftsspiele gemacht, um der Kraft der Gedanken in Spielen näher zu kommen. Beispielsweise haben sie während ihrer Ferien folgendes Spiel erfunden:

Ein Objekt wird von dem Spielleiter in einen zu verschließenden Kasten gelegt und die anderen versuchen gedanklich in den Kasten zu gehen und so zu erraten, was darin ist. Ergebnis: entlang  Vernunftsgründen geraten war das Ergebnis schwach. Dagegen kam man zu besseren Ergebnissen, wenn man „in den Bauch ging“ und quasi mit inneren Augen zu sehen versucht hat, was da liegt. Ich habe vor vielen Jahren dieses Spiel einmal mit Freunden gespielt. Pia und ich waren ziemlich gut. Wir konnten oft wenigstens die Eigenschaften des Dinges benennen: es glänzt, ist rund, braun usw., aber selten seine Funktion, also seinen Namen nennen. Hat großen Spaß gemacht!

Ein weiteres Spiel bestand darin, einen Teilnehmer hinaus zu schicken. Die anderen beginnen ein Thema zu diskutieren. Nach einer Weile wird der Ausgeschlossene herein geholt und befragt, was diskutiert worden sei. Hat die Physiker und ihre Partnerinnen damals sehr amüsiert  – und war ernst gemeint. Das haben wir auch probiert, waren aber sehr schwach in den Ergebnissen.

Schrödingers-Katze-Beispiel, das heute gern als Erklärung zur Natur des Quants herangezogen wird – eine Katze ist je nach Erwartung des Kastenöffners tot oder lebendig (Welle oder Teilchen, je nach Überzeugung des Wissenschaftlers!) – war von dem Physiker Schrödinger als Witz gedacht, bzw. als ein etwas halbwegs konkret fassbarer Versuch, die Absurdität der von Erwartungen gesteuerten Quanteneigenschaften zu demonstrieren.

Energie ist alles – alles ist Energie. Die Ableitung Energie – Quanten – Quarks – Atome – Teilchen – Materie hat mich begeistert. Bei der Aufzählung in der Sendung mit Dominik Eulberg hat mein Bauch gehüpft und von daher kommen bei mir immer Bestätigungs-Erkenntnis-Momente. JA! – großgeschrieben! Ich wünsche mir Kritik dazu. Ganz doll! Kritik kann ja verneinend und bejahend sein. Zeugt immer von Aufmerksamkeit.

Dominik Eulberg ist nicht nur Vogelkundler – vermutlich verdient er kein Geld damit, sondern eben DJ. Techno-Musik fand ich für mein Musikerlebnis bisher unwichtig, aber während der Sendung mit ihm, hat mir etwas eingeleuchtet. Bei Technomusik ist der Rhythmus anscheinend das Wesentliche.  Wenn also viele  Menschen sich zum gleichen Rhythmus bewegen entsteht ein Flow = Energie. Da war mir plötzlich klar: viele Menschen in der gleichen Schwingung können Wunder vollbringen, d.h. Materie verändern. Ich denke an das Leiden unseres Planeten: die Mittel ihm beizustehen haben wir alle. Unsere Energie!

Ich bin sicher, der Planet Erde ist im Begriff die augenblickliche Dimension in Richtung 5. Dimension zu verlassen. Je mehr Menschen das energetisch, d.h. mit tiefgefühlten Gedanken begleiten, desto leichter ist es für die Erde – von der wir alle ein Teil sind, aus der wir materiell gemacht sind, oder?

Je froher und leichter wir sind, desto lichter und einfacher machen wir es der Erde – und haben es außerdem auch noch gut. „Froh zu sein bedarf es wenig und wer froh ist ist ein König. Ein König im energetischen Sinn sein, das heißt: über sich und seine Energie bestimmen zu können!   

Das erklärt die Kraft von Gedanken. Mit positiver Energie geladen – heißt: sich ganz energiegeladen wünschen und gedanklich richtig konkret/bildlich ausgestalten – verändern sich Gedanken in Quanten-Quarks-Atome-Teilchen und erscheinen schließlich – wenn die Energie groß genug war – in materieller Gestalt.

Ich finde total spannend immer mehr über meine Wirklichkeit zu erfahren. Allen ein sonniges Wochende. Und dann irgendwann auch wieder Regen zwischendurch.

Ja, es ist sommer-warm

und ich hatte mich heimlich schon damit abgefunden, dass die herrlich Äußerung meiner 1. Chefin – ich (1962-1967) als Kindergärtnerin auf der Psychosomatischen Abteilung in der Universitätskinderklinik Eppendorf, Frau Prof. Hedwig Wallis – eventuell wieder herhalten müssen würde: „Wir hatten einen schönen Sommer! Er fiel auf einen Donnerstag.“

Sie war fast immer einzig in ihren Äußerungen, manchmal schnodderig wie eine Berlinerin. An uns Kindergärtnerinnen, die in Besuchszeiten die Eltern beobachten konnten und mussten, wurde manchmal die Frage gestellt, ob die Eltern für ein anderes Verhalten ihrem Kind gegenüber imstande seien. Wir konnten konkrete Beobachtungen schildern. Nach Überlegungen aller, Psycholog:innen und Ärzt:innen, zog sie oft das Fazit: „Also; Eltern dünn angerührt, nicht in der Lage zu einem weiteren Weltentwurf. Da müssen wir die Ich-Integrität des Kinder stärken und ihm auf irgendeine Weise die Nachricht zukommen lassen, dass seine Zukunft mit dem Alter und der Eigenständigkeit besser wird.“ Hat gut funktioniert.

Übrigens habe ich dort das Wort Frustration kennen gelernt. Zum ersten Mal bei der Besichtigung unserer schönen Anlage mit Garten und Aggressionskeller. Als ich meine Eltern in Minden besucht habe, war meine Mutter von dem Wort „Frustration“ so entsetzt, dass ohne Überlegung, quasi spontan ihr Bauch, gesprochen hat: „Das Wort kommt mir nicht ins Haus!“

Toll?

Auf der Dachterrasse blühen die Blumen kräftig und üppig, an denen ich im letzten Jahr verzweifeln wollte. Ich bin begeistert!

Zu Beginn jeder Saison wird die Kleidung ausgetauscht, d.h. jetzt konnten die Sommersachen wieder als Hauptakteure eingeräumt werden. Das habe ich vorgestern gemacht. Die Wintersachen schlafen nun einige Monate mit Lavendelsäckchen als Hauptduft dazwischen. Ich habe dieses Foto gemacht, weil ich zeigen wollte, beweisen sozusagen, wieviel Buntes im Schrank zu finden ist. Das war früher GANZ ganz anders: alles recht chic schwarz, dunkelgrau und braun. Nun leuchtet es!

Ja, gell? Wir haben die Zeit verstanden: wir sollen spontan, aus uns selbst heraus leuchten, Freude bringen. Ich habe es vielleicht nicht so schwer, weil mein Alltag von so vielen freundlichen, interessanten, lebhaften und liebevollen Menschen gefüllt ist. Dafür bin ich total dankbar. Übrigens ist Dankbarkeit das Mittel, mit dem man eigentlich immer in die Freude rutschen kann.

Gleich kommt eine IT-Freundin, d.h. sie ist viel jünger als ich, arbeitet in leitender Position digital und da heute Freitag ist, können wir Entspannugszeit miteinander verbringen – auf der Dachterrasse. Sie möchte mit mir einmal ausprobieren Ukulele zu spielen. Das finde ich natürlich ganz toll. Zum Entspannen ist Musik und dann noch Selbst- ingen das beste Mittel, andere Gehirnareale zu benutzen und sich – zu freuen.

So sahen die mit sehr viel Geburtshilfe – mit Spülmittel und warmem Wasser alles Klebrige entfernen, Pressen und Lockern der Blütenblätter – geöffneten Pfingstrosen aus. Und nun lerne ich mit Aquarell zu malen und habe sie so auf Papier bekommen:

Ich finde das Ergebnis nicht schlecht. Das hätte ja auch nch viel schlechter werden können. Die Glasbehälter finde ich erstaunlich gut. Schon wieder ein Grund zur Dankbarkeit.

Allen lieben Leser:innen ein wunderschönes Wochenende und immer den richtigen Gefühls-Knopf in die Dankbarkeit. Vielleicht treffen wir uns ja da….

Alles neu macht der Mai

Ja, natürlich. Wer im neuen Jahr bis jetzt noch nicht durchgeatmet hat, der tut es jetzt. Super, dass man wieder etwas kaufen kann. Klar geht es beim Durchatmen um Sauerstoff, Luft, die man holt. Aber für Frauen jeden Alters – sage ich mal – auch um irgendetwas Neues am Körper, um sich auszudrücken, oder?

Ich drücke mich inzwischen sehr farbig aus. Das ist mir vorgestern aufgefallen, weil mich immer wieder Leute angesehen, gemustert haben. Immerhin ist früher schon einmal eine Frau auf mich zugegangen und hat gesagt: „Ich habe auch einen Hut im Schrank, den setze ich jetzt auch mal auf!“ Da war ich eine Mutmacherin. Das möchte ich heute auch sein.

so bunt sah ich vorgestern oben aus
und so unten

Ich habe mich schon häufig bei meinen täglichen Spaziergängen umgesehen: sehr, sehr, sehr viele Hamburgerinnen laufen in den Farben Schwarz, Grau, Beige, Dunkelblau herum. In allen Schattierungen dieser Farben sind sie gekleidet.

Ich habe einmal im Bus eine Frau mittleren Alters gesehen – getroffen würde ich sogar sagen -, die war ganz in leuchtenden Rottönen gekleidet. Gut, alles sah auch nach teuren Materialien aus! Das fördert den Look natürlich. Selbst der hübsche Rucksack war rot, der Mantel, die Schuhe, unter dem Mantel auch ein wenig Weiß mit Rot oder Rosa. Sie anzusehen war ein Stimmungsaufheller! Ich bin dann zu ihr gegangen und habe gesagt; „Ich freue mich an ihren Farben. Toll, das sie sich so eindeutig ausdrücken! Schade, dass das nur so wenig Frauen machen. Leuchten!“ Sie hat sich gefreut und betont, sie verstehe auch nicht, wie Menschen, denen es sooo gut gehe wie vielen von uns Hamburgerinnen, ihre Freude so „unter dem Farbdeckel“ halten.

Eine hübsche alte Dame, ihr Mann war einiges jünger und sehr gutaussehend, hat vor Jahrzehnten zu mir gesagt:„Ab Sechzig ist Schwarz und alles Dunkle total OUT!“ Wie Recht sie hat! Farben machen etwas mit uns, sie haben Schwingungen – wie Musik! Wenn man Sechzig ist, hat man schon so viele Jahre für schöne Erlebnisse gehabt. Da könnte man sich schon mit Farben bei seinen Mit-Menschen bedanken. Und schon schwingt einiges in der Welt höher.

in die Balkontür fotografiert

Das Foto steht hier, weil ich mir einen Stock zugelegt habe. Ich finde, dass ich hin und wieder beim Gehen leicht schwanke. Das finde ich blöd. Da habe ich mich an die total chicen Gehstöcke der Dandy-Literaten voriger Jahrhundert erinnert und gedacht:“Für diesen Zustand gibt es doch eine Abhilfe!“ Bei Schattschneider ist eine große Auswahl. Der erste Stock in meiner Hand, auf mich gekürzt, war ein Volltreffer: ich hätte nicht gedacht, dass ein Gehstock so viel Schwung und Sicherheit gibt. Ich bin gleich hin und her gegangenund habe versucht, den Stock herzhaft meinen Gang „an-zu-schwingen“. Ich hatte den Herrn nicht gesehen, der herein gekommen war, meinen ersten Gehversuchen mit Blicken folgte und dann lachend sagte:“ Na, machen wir jetzt einen auf Dandy?“

Ich habe dann gleich zwei Gänge gemacht. Wenn man schwungvoll mit ausladenden Schritten geht, gibt das natürlich ein gan anderes Bild ab, als wenn man sich mit ihm – ZU SPÄT angeschafft – in kleinen Schritten vorwärtsquält. Ich vermute, dass viele Rollatur fahrende ältere Herrschaften KEINEN runden Rücken kriegen müssten, könten sie sich rechtzeitig zu einem Gehstock durchringen. Der macht/lasst nämlich einen schönen graden Rücken, gutes Durchatmen und gibt Sicherheit.

Mein erstes von mir inszeniertes Theaterstück war „Ödipus“ von Sophokles – und das mit einer Hauptschulklasse! „Mein“ Ödipus war übrigens ein Mädchen, sie hatte als einzige die Haltung dafür und konnte den Text beherrschen und ausdrücken. Alle Spieler hatten lange weiße Gewänder an. Die Szene, in der Ödipus seinen Vater erschlägt, habe ich im Gegenlicht darstellen lassen: Scheinwerfer vorn im Zuschauerraum und die Tat als Schattenbild an den riesigen weißen Paravents gezeigt. Die Riesenparavents hatte ich vom Schauspielhaus geschenkt bekommen. Die Tat war beeindruckend über-überlebensgroß.

Ödipus‘ Mutter war für den „verwaisten“ – der Vater hatte ihn töten lassen wollen, aber der beauftragte Jäger hatte Mitleid mit dem Baby – Ödipus ja der Gewinn, nachdem er folgendes Rätsel gelöst hatte:

Am Morgen des Lebens geht es auf vier Beinen, am Mittag auf zwei und am Abend des Lebens auf drei Beinen. Welches Wesen ist das?

Der Mensch: als Baby krabbelt er, als Erwachsener läuft er auf zwei Beinen und im Alter bewegt er sich mit einem Stock.

Immer wieder schön

das neue Leben zu sehen. Für unseren Sommer sieht es ja wohl auch nicht schlecht aus. Wie immer es kommt, wir machen das Beste daraus. Wenn wir es nicht direkt kriegen, stellen wir es uns vor, erinnern uns oder finden andere Wege, die Stimmung hoch und heiter zu halten – – – und farbiger vielleicht. Allen ein schönes Wochenende mit Sonne und Blumen und guter Stimmung, die wir selber herstellen.

Übrigens habe ich letzte Woche von einer Freundin Blumen bekommen – ja, Heike, deine! – , die richtig lebendig waren/sind – sie vergingen und vergehen nach und nach und dürfen dann natürlich in den Komposter. Hurra!