Brexit – Brexit – Brexit

Ich hätte nicht gedacht, dass der Brexit auch so unmittelbar bei mir ankommt. Ich stehe hundert Prozent zu Europa!

Ich erinnere mich an meine Studienzeit in London ‚Royal Central School of Speech and Drama‘. Ausländer von uns 12 graduate students waren Cheryl aus Südafrika, Roslyn aus Ireland und ich aus Deutschland. Ich war die erste Deutsche überhaupt in dieser erlesenen Einrichtung: 156 Drama Teachers hatten sich beworben und nur 12 wurden ausgesucht. Das wusste ich glücklicherweise nicht, denn sonst hätte ich es nie gewagt. Ich vermute obendrein, dass ich einen prominenten Fürsprecher hatte: George Rapp, ein Freund von Erich Fried.

Jeder von uns hatte die Aufgabe, den Nationalfeiertag zu gestalten. Ich habe den Europa-Tag anstelle des damaligen deutschen Nationalfeiertages gewählt. Das kam aber nicht gut an: „Ach, sieh an, ihr Deutschen wollt eurer Geschichte entkommen und wählt euch eine neue Heimat: Europa!“ Ich glaube, sie hatten recht. Für mich als Deutsche war Europa eine attraktive Alternative.

Ich erinnere mich auch an einen Writing Course der Arvon Foundation in Dartmouth. Während eines Spaziergangs sagte Doreen ganz versonnen zu mir: „Weißt du, der Krieg war furchtbar für uns Engländer, aber der Zusammenhalt, der gemeinsame Einsatz, das Bewusstsein: wir sind alle Engländer! und kämpfen für UNSERE gemeinsame Sache, das war ein Gefühl, das ich ganz wunderbar fand und seitdem nie wieder gehabt habe.“

Aus diesen kleinen persönlichen Erfahrungen heraus vermute ich, dass die Engländer mit der zukünftigen vermutlich sehr schwierigen Situation zu unser aller Erstaunen beeindruckend solidarisch umgehen werden. Sie werden schmerzhaft, aber fühlbar ihr Englisch-Sein erleben. Sie werden sie annehmen, durchstehen und gestalten. Nicht umsonst lieben wir alle die englische Kultur, ihre Filme, Bücher, ihr Theater. Wir werden an diesem Erlebnis alle eine Erfahrung machen, etwas lernen.

Natürlich hoffe ich, dass man danach eine neue Gemeinschaftsform mit England findet. Denn England gehört zu Europa. Natürlich!

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Ich habe 93 Collagen komponiert

und 105 Seiten dazu geschrieben. Jetzt liegen 210 Seiten beim Drucker. Gut, dass erst ich und dann Rainer eine Erkältung hatten. So waren die Tage frei, um die notwendigen letzte Arbeiten daran zu machen: einscannen, lektorieren, Probedruck machen. Eine richtige Arbeit! Das wird mein Geburtstagsgeschenk für Freundinnen und Freunde werden, da niemand zu einem großen Fest zu meinem 80. Geburtstag eingeladen wird! 105 Seiten Farbdruck – das kostet nicht wenig. Allerdings würde es noch mehr kosten einen Raum anzumieten und ein köstliches Kaffeetrinken, Abendessen und ausreichend Getränke zu servieren. Deswegen bekommen also alle von mir ein Geschenk.

Rainer und ich sind auf meinem Geburtstag verreist. Mit der Vergünstigung eines Hotel-Gutscheins für 7 Tage von der Zeitung „DIE ZEIT“ ist dieser Luxus möglich. Schwimmen vorm Frühstück, Frühstück, lange Spaziergänge, Ruhen und Lesen, Saunen in der Wellness-Abteilung und dann Umziehen und zum Abendessen. Wunderbar!

Wenn/Falls mich Freundinnen und Freunde fragen, was ich mir wünsche, dann antworte ich: „Einen Mittagstisch mit dir. Denn da können wir eins-zu-eins genüsslich lange miteinander reden.“

Beim Ausschneiden der Fotos mein Leben noch einmal Revue passieren zu lassen, das war ein Vergnügen. Schade, habe ich manchmal gedacht, dass ich zu der Zeit noch nicht wusste, dass mit 80 Jahren alles so schön sein würde. Ich bin dankbar und glücklich über alle „Stufen“ – so nennt Hermann Hesse die Stationen des Lebens. Natürlich finde ich besonders gut, dass ich jetzt so ein Gefühl von ANGEKOMMEN – HURRA!!! habe und alle meine Pläne für die Zukunft so freudvoll und gelassen angehen kann.

Über diese Pläne ein anderes Mal: Ich mache sie schon – übe – lerne gerade Ungewohntes und erlebe mich wieder neu. Ich meine damit nicht die Niederländische Sprache und alles was damit zusammenhängt. Haha – ein bisschen Spannung muss sein…

Mein Weihnachtsgeschenk von Rainer – meine Bilder von der Ausstellung: https://elisisbildermappe.jimdofree.com/

Ein Geschenk für alle: https://nur-positive-nachrichten.de

ist diese Seite im Internet. Beim Lesen werde ich schon froh und bin begeistert, was für phänomenal einfallsreiche und tatkräftige Menschen meine Zeitgenossen sind. Ja, so macht die Welt Spaß!

Am meisten begeistern mich die Earthships. Viele Wissenschaftler forschen ja nach dem lebenswertesten oder auch nur Überleben-möglich-machenden Bau von Spaceships auf dem Mars oder auf dem Mond. Earthships sind Häuser oder besser: dem menschlichen Körper – Gefühl wundervoll wohltuende Bauten. Ganz im Sinne des Antroposophen Rudolf Steiner, der unsere im wiederholt 90° Winkel gebauten eckigen Häuser gar nicht sanft genug für unser Wohlbefinden fand. Auf dieser Seite: https://nur-positive-nachrichten.de könnt ihr sehen, wie „Häuser“ aussehen können, die sich einem anschmiegen. Obendrein kostet der Baustoff nur den Transport, denn alles ist aus Abfall: alte Autoreifen, Flaschen, Dosen, Kästen und einfach alles wird da zum Baustoff recycled, was man täglich mit schlechtem Gewissen wegwirft.

Regenwasser wird aufgefangen, aufbereitet und versorgt den Lebensraum mit Wasser, Sonne stellt die Energie für alles her. Pflanzen haben besondere Räume im Bau/Gebäude/Haus – ach, was sage ich: im Earthship. Man muss vor normalen Katastrophen keine Angst haben. Ich denke an Stromausfall oder Versorgungsschwierigkeiten und/oder so etwas. Ein Earthship ist autark.

Das ist aber nur ein Beispiel unter den 99 Tatsachen, die sich auf dieser Welt verbessert haben und von denen wir viel zu wenig hören. Rainer will schon lange keine Tagesschau mehr sehen, weil die täglich mehrmals vornehmlich Angst schürt. Ich glaube, ich höre in diesem neuen Jahr auch damit auf und schaue immer wieder mal in https://nur-positive-nachrichten.de

Das ist einfach und gut und jeder positiv gestimmte Mensch macht die ganze Welt leichter und froher. Wer macht mit?

Der neunzigste Geburtstag

meines einzigen Bruders. Wir waren sechs Geschwister, also haben auch noch vier ältere Schwestern meine Kindheit bevölkert, d.h. die waren alle immer schon ‚groß‘ und Vorbilder und meine Erzieher. Plus Mutter und Vater war meine Kindheitsfamilie ein wunderbares Übungsfeld für ‚Menschheit‘ und wie ich es machen muss, um zwischen allen ICH zu werden.

Da ich die Jüngste bin, eine Schwester bereits gegangen ist und die anderen nicht mehr beweglich genug sind, um mal kurz zu einer Geburtstagsfeier zu fahren, bin ich zitiert worden. Denn mein Bruder feiert seit 90 Jahren seinen Geburtstag am 2. Weihnachtstag. Das ist ein Schicksal, das er gut meistert. Am 2. Weihnachtstag von Hamburg nach Dortmund fahren zu müssen, kann auch ein Schicksal sein. Das war es aber nicht! Ja, es waren Massen auf den Bahnsteigen, aber alle sehr entspannt. Die Züge waren realtiv pünktlich und wie ein Scherz war die Ansage bei einem Personalwechsel, man warte noch auf den Zugführer, er habe sich verspätet. Aber der Zug fuhr dann doch bald los. Es war eine schöne Feier. Erstaunlich war eine eineinhalb stündige interessante Diskussion in großer Runde über den Zustand der Welt und die Kraft des Einzelnen.

Ein Jahr ist wieder vorbei. Es war wunderschön. Ich habe viel gelebt: mich viel gefreut, viele liebe Mitmenschen getroffen, viele Ideen gehabt, meine Gesundheit dankbar genossen, erstaunlicher Weise nachhaltig abgenommen und immer wieder froh auf der Statistik dieses Blogs verfolgt, dass auf der ganzen Welt einzelne Menschen meinen Blog lesen: das hat mein Leben immer wieder mit einem kleinen Sonnenschein übergossen und dafür bin ich euch und Ihnen sehr dankbar. Ich wünsche euch und Ihnen allen nah und fern ein wunderschönes 2019!


„Der kleine Lord“

ist der Film, der für mich alljährlich den Beginn des Weihnachtsfestes markiert. Je öfter ich ihn sehe und dadurch nicht mehr vom Erfassen des Handlungsablaufs absorbiert bin, stelle ich fest, was für eine wunderbare Symphonie dieser Film ist. Welche besten „Weihnachtsgefühle“ er zum Klingen bringt und das in einer so unterhaltenden, ansprechenden froh machenden Weise wie ein Klavierkonzert von Mozart.

Brunen in der Eingangshalle unseres Hamburger Rathauses, fotografiert, als ich auf meine chinesische Freundin Min gewartet habe.

In diesem Film ist auf perfekte Weise Politik in individuelles Gefühl übersetzt. In einer Weise, die jeder empfindet und versteht. Wie klar Demokraten und Aristokraten charakterisiert werden! Wie eindeutig Armut dargestellt wird. Wie dem Bauern Higgins das schlechte Wetter mit der minderwertigen Ernte persönlich zur Last gelegt wird! Alec Guiness ist ein großer Schauspieler, wie differenziert glaubwürdig er die Transformation vom vereinsamten, verhärteten Despoten zum mitfühlenden Mit-Menschen in diesem Film verkörpert! Das ist wunderbar! Er kann es mit dem Schauspieler aufnehmen, der den Jungen spielt: Ricky Schroder, geboren 1970. Er ist heute fast 50 Jahre alt und neben Schauspieler auch Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Übrigens kommen seine Vorfahren väterlicherseits aus der Umgebung von Hamburg. Sehr sensibel und schön finde ich jedesmal, dass der kurze Zeit rivalisierende Lord-Nachkomme nie direkt gezeigt wird und so keine Konkurrenz zwischen den Kinder-Darstellern entsteht.

Genug geschwärmt. Mal sehen, ob meine Nostalgie so weit geht, dass ich mir Heiligabend auch „Sissi“ ansehe. Das habe ich in Shanghai natürlich getan und mich über Romy Schneiders fehlerloses Chinesisch gewundert. Kleiner Scherz! Romy Schneider ist mein Alter. Wie habe ich für sie geschwärmt! Im Laufe der Zeit war ich immer lieber ich und nicht – wie der Teenager – sie. Sie hat natürlich immer weiter einen Platz in meinem Herzen. Aber wie Marilyn Monroe eher einen des Mitempfindens. Als Christine Kaufmann bei mir im Wohnzimmer gesessen und mir aus erster Hand erzählt hat, wie Marilyn – genau wie sie jetzt bei mir – bei Tony Curtis und ihr im Wohnzimmer gesessen und über Probleme geklagt habe, da wurde mir immer klarer, dass Glanz auch eine andere Seite haben kann – nicht muss. Wann Christine mit Freund bei mir gewohnt hat? Bevor ich nach Paris gegangen bin 1985. Aber sie hat dann doch nicht meine Wohnung für mein Parsi-Jahr übernommen. Und sie war wirklich so hübsch, immer, auch ungeschminkt. Diese Frage nach der Natürlichkeit ihrer Schönheit wurde mir immer wieder gestellt.

Ich wünsche allen ein wunderschönes Weihnachtsfest!

Anja Hajduk, MdB * – Bündnis 90/Die Grünen –

(alles bereit)

war gestern bei uns zu einem Demokratie-Plausch-Abend. 20 Freunde hatten wir geladen. Ganz alte Freunde, mit denen ich mit meiner Tochter Katharina – noch in meinem 17 Jahre Interim als Single – im Sonderzug zum Sternmarsch nach Bonn gefahren bin. Aber nicht nur das, die auch –  ich war wieder verheiratet – auf unseren Bällen der „Gesellschaft zur Förderung des Simultantheaters“  waren. Juristen, Richter aus dem meiner Zeit als Regisseurin des „Hamburger Richtertheaters“, hochinteressante neue Nachbarn, Celloschüler meines Mannes, eine Freundin, mit der ich immer Kunst betrachte – nettes „Überbleibsel“ aus meinem Mal-Kursus, Freundinnen, mit denen ich Ma Jong spiele, Freundinnen, mit denen ich Streichquartett spiele, mein erster Chinesisch-Schüler, der hinterher Chinesisch an der Uni HH studiert hat, ein mir ans Herz gewachsener Italienisch-Schüler und eine relativ neue Englisch-Schülerin. Ich hätte noch weiter laden können, aber der Platz reichte nicht. Das nächste Mal!

Ja, das nächste Mal, denn Anja war wunderbar. So ein bisschen erinnert sie mich an Angela Merkel: sehr klar und völlig uneitel. Allerdings ist Anja sehr kommunikativ. Es war ein Vergnügen, aus erster Hand vom Bundestag, von der parlamentarischen Arbeit, Politik aus erster Hand zu hören. Direkter geht es nicht.

Rainers Buffet war wieder phänomenal: vegetarisch, frisch, bestens abgeschmeckt, kam teilweise gebacken warm aus dem Ofen. Weißwein hatte ich auf Mitbringfragen erbeten. Aber was für tolle Sträuße und Plätzchen !!!! wir außer anderen schönen kleinen Geschenken noch bekommen haben! Der Gesprächspegel der allegemeinen Unterhaltung nach dem Essen war wundervoll lebhaft: richtig gute Menschenmusik!

Um 19 Uhr ging es los. Anja kam mit Koffer direkt  vom Bahnhof aus Berlin. Um kurz nach 23 Uhr waren die letzten fort und Rainer hat die Küche in Ordnung gebracht – wir haben keine Spülmaschine mehr im Gebrauch! – und ich habe Rainers Arbeitszimmer, aber vor allem das 28qm große Wohnzimmer wieder in die gewohnte Ordnung versetzt: Tische, Tische, Stühle, Sessel geschleppt. Nach einer Stunde war alles wieder wie früher und wir um ein wunderschönes Erlebnis reicher.

*Mitglied des Bundestages

Christina van Dreien

ist ein Engel auf Erden. Das sind wir alle, denke ich mal, aber sie hat es geschafft auf der Erde anzukommen, ohne durch das große Vergessen zu tauchen. Das erkläre ich mir als möglich, weil der Planet Erde nicht mehr in dieser ganz dichten Atmosphäre existiert. Wie alle spirituell erfüllten Menschen bin ich begeistert von der ansteigenden Lichtigkeit – ich weiß, dieses Wort gibt es nicht, aber ich möchte das Gegenteil von Dunkelheit und Schwere ausdrücken. Man denkt oft, die Welt zeigt augenblicklich mehr Dunkelheit, aber die sieht man nur, weil so viel mehr Licht entsteht. Das Nicht-Lichte kommt immer mehr zum Vorschein. Das mag das Nicht-Lichte nicht, weil es am besten im Verborgenen nicht froh sein und die Welt schwer machen kann. 

Ich bin begeistert, dass ich heute so klar weiß, wie man dazu beiträgt, dass  das Nicht-Lichte zu Licht transformiert wird. Durch positive Interpretation! Beispielsweise war die Wahl Trumps wie ein dunkler Felsbrocken, der ins Meer fällt. Aber wieviel positive Wasserringe hat dieser Plumps produziert, wieviele Licht-Arbeiter hat diese Tatsache hervorgebracht. Wieviele Menschen sind dadurch regelrecht aufgewacht: ich muss mich einmischen, ich muss die Gesellschaft tatkräftig im Bemühen um Frieden untertützen.

Wie kann das jeder ganz unspektakulär machen? Ja, indem man alles positiv interpretiert. Das ist bei mir inzwischen ein richtiger Denksport geworden. Zu manchen Erlebnissen will mir erst gar nichts Positives einfallen, aber dann finde ich doch immer etwas. Und in dem Moment, in dem ich diese befriedeten frohen Gedanken denke, passiert auf der Erde etwas: dunkle Schwere transformiert sich in leichte Lichtigkeit, füttert die Atmosphäre um die Erde und regnet als friedliche Schwingung auf alle wieder zurück.

Christina van Dreien ist ein besonderer Bote von der anderen Seite.  Woher ich auch komme und wohin ich wieder zurückgehe. Wenn man ihren Namen eingibt, kommt man auf ihre Website. Da findet man lauter Botschaften, die einem das Herz aufgehen lassen. Zum unablässigen positiven Interpretieren ist dieser Link sehr zu empfehlen https://christinavondreien.ch/we-are-peace.

„Ich bin begeistert“, bezeichnet plötzlich wortgetreu was es ausdrückt: Ich sehe in ihrer zarten Erscheinung und sanften Stimme noch den Geist, der mich berührt. Ein empfehlenswerter herzerwärmender Besuch für einen ganzen Adventsnachmittag.

Englisch lernen

Ich wundere mich immer wieder darüber, dass so viele Leute Abitur gemacht, d.h. jahrelang Englisch gelernt haben und in den weiteren Jahrzehnten diese Fähigkeit nicht weiter ausbauen. Dabei wird es mit dem Wissen und Gebrauch von „Idioms“ = Redewendungen erst amüsant für Sprecher und Hörer. Eine englische Redewendung für die Tatsache, dass man nicht sehr gesund aussieht : „You look like death warmed up“ = “du siehst aus wie der aufgewärmte Tod“ produziert ein sprachliches Bild, bei dem sich alles sträubt, man aber schließlich unterdrückt entsetzt lächeln muss, um die mit dem Bild produzierte Gefühlslage wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Ein anderes „be off your trolley“ produziert ein Bild, das man selbst real erlebt hat: wenn man seinen Einkaufswagen irgendwo hat stehen lassen, sich nicht erinnert wo und nun zunehmend irritiert sucht.  ‚Nicht ganz bei sich‘ sagen wir wohl. ‚Durcheinander sein‘ vielleicht auch. Aber dieses komplexe Bild, das mit dem “trolley“ = Einkaufswagen, hervorgerufen wird, versetzt uns gleich in einen Riesen-Supermarkt, wo sonst könnte man ihn nachdrücklich aus den Augen verlieren. Man schmunzelt wieder!

Hier noch einige feststehende Redewendungen: „be in someone’s good books“ = gut angeschrieben sein; „get on like a house on fire“ = sich mit jemandem extrem gut verstehen; „take a shine to someone“ = jemanden auf Anhieb mögen, „Spend money like water“, „to be toffee nosed“ = auf jemanden herabblicken, „Don’t push your luck“ = nicht zu doll nach Begehrtem streben.

Mein empfehlenswertes Buch: English Idioms in Use, Michael McCarthy, Felicity O’Dell, 60 Units of vocabulary refernces and practice – self study  and classroom use – Cambridge University Press.

Ich finde, erst mit den Redewendungen betritt man emotional den Raum der Muttersprachler. Deswegen macht es mir solchen Spaß Sprachen zu lernen. Heute um 10 Uhr kommt Birgit zu mir. Eine Kommilitonin aus dem Niederländisch Sprachkurs. Da ein B1 Kurs selten zusammenkommt, lernen wir jeden 2. Sonnabend 2 Stunden bei mir. Das ist anstrengend, macht aber großes Vergnügen. Ich freue mich schon auf die Zeit, wenn wir gut genug für holländische Idiome sind. Darum muss ich jetzt schnell aufstehen!

Ich wünsche allen eine schöne Adventszeit.

20 Minuten sichtbarer Integration

 

Auf unserem Berlin-Ausflug – Einladung durch die GRÜNEN von der Bundesregierung – gab es einen Moment, in dem unserer Gruppe von 50 Teilnehmern Leere drohte. Wir hatten offensichtlich zu früh beim Verteidigungministerium eingecheckt und wurden als Gruppe wie ein Riesenauto von einem jungen Feldjäger in eine freie Fläche auf einem riesigen Parkplatz eingeparkt.

Blatt am Baum

enorm gelb! – fand ich toll!

Soraya, unsere von der Regierung bestellte persische Fremdenführerin, überblickte schnell das Drama der Situation:  man wusste nicht, wie lange es dauern könnte. Lauter Menschen auf engem Raum, die bisher nur von außen unterhalten worden waren und untereinander kaum Kontakt aufgenommen hatten. Sie blickte um sich, stürmte auf mich zu. Beim Lunch am Vortag hatten wir miteinander geredet, sie wusste vielleicht, dass ich auch eine Theaterlehrerin war? Auf jeden Fall fragte sie flehentlich:“ Weißt du nicht ein Spiel?“ – „Natürlich!“

Das ist das Schöne an vorlauten Menschen, zu denen ich zweifellos gehöre, dass sie mühelos 50 Leute erfolgreich anleiten können. Mir fiel ein Spiel ein, das allgemein bekannt ist, aber zwischen 20 Migranten und 30 deutschen und türkischen Mitbürgern nicht unbedingt geläufig sein konnte. „Mein rechter, rechter Platz ist frei“, habe ich laut gerufen und meinen Wunschkandidaten gegenüber fest fixiert, „ich wünsche mir den Mann mit dem roten Pullover herbei!“ Er hatte sofort begriffen, kam zu mir und stellte sich neben mich. Ich eilte durch den Riesenkreis zu seiner Frau, machte den schnell zugeschobenen Platz des Mannes wieder frei und sagte laut:“ Sie dürfen sich jetzt einen neuen Mann aussuchen. Sie sagen einfach mit mir: Mein rechter, rechter Platz ist frei, ich wünsche mir… herbei.“ Sie hat schnell ihre Chance 🙂 genutzt und den ‚Anführer‘ der Migranten, einen bildschönen jungen Kubaner, gewählt. Dann bin ich zu den Migranten geflitzt. Inzwischen hatten alle begriffen, worum es ging und beobachteten interessiert, wer gewählt werden würde. Jeder konnte der Nächste sein! Der neben dem Cubaner gestanden hatte, rief dann auch eine mittelalte Dame im hellen Mantel auf, die erfreut zu ihm eilte.

Die hatte nun neben einem älteren Ehepaar gestanden, die sich unterhielten und nichts von dem Spiel wissen wollten. Da hat Soraya gleich gut mitgespielt:“Wer nicht mitspielt, muss raus aus dem Kreis!“ hat sie gerufen. Ich habe im Singsang einer Kindergärtenerin (die ich vor meinem Studium tatsächlich war!):„Die spielen nicht mit!“ gerufen. Allgemeines Lachen war die Antwort. Die Aufgeforderten begaben sich tatsächlich aus dem Kreis.  Kleines Geplänkel danach: wer ist dran, wo ist der rechte Platz? Sehr schnell hatte sich die ziemlich bejahrte deutsche Hälfte mir den schmucken, sehr gepflegt angezogenen jungen Syrern und Menschen aus Afghanistan gemischt. Das sah gut aus! Lauter animierte Menschen mit erwartungsvoll schmunzelnden Gesichtern! Plötzlich waren wir EINE Gruppe. Das war schön!

Als der Feldjäger mit seinem roten Käppi wiederkam und wohl meinte, er erlöse uns endlich, fühlten wir uns unterbrochen. Wir hätten gern noch etwas länger gespielt, denn einige aus dem Kreis waren noch nicht dran gewesen…

Ich habe das hier nachgetragen, weil ich denke, dass dieses Spiel viele kennen und es vielleicht häufiger genau das Richtige wäre. Zur Erinnerung!

 

Eine Woche Leben

Stimmt, die Blätter sind gelb und fallen, unsere Dachterrasse ist ‚eingepackt‘ und im Supermarkt türmen sich die WeihnachtsAngebotsPaletten, aber der gewohnte kalte Hauch von kommendem Winter-hinter-dem-Ofen fehlt. Immer wieder sehe ich die Menschen mit aufgeknöpften Winterjacken durch die warme Mittagssonne eilen. Heute morgen lese ich in der „Elbvertiefung“ – tägliche online-newspaper von „DIE ZEIT“ – dass es nächste Woche Mittwoch eisigen Wind geben soll und merke, dass ich mich darüber freue. Geht es nur mir so?

Heute schreibe ich eigentlich nur, weil ich jede Woche schreiben will. Ich habe viel erlebt, aber nicht alles Erlebte finde ich blog-fähig. Es ist privat! In einem Buch könnte ich viele Einzelheiten des Erlebten in Episoden benutzen.

Dieser Blog läuft zum Thema: Geschichte einer privaten Buchveröffentlichung. Er war als Anregung und Gebrauchsanleitung für andere Erst-Schreiber gedacht. Geworden ist aus meinem Blog – für mich enorm befriedigend – die Veröffentlichung selber.

Ich könnte vieles in einem erzählerischen Zusammenhang verarbeiten. Beispielsweise eine Szene aus der Beerdigung des Schwiegervaters meiner Tochter. Das war ein beispielhaft schönes und sicher auch teures Erlebnis: die geschmückte total gefüllte Kapelle, die Überraschung der posthum durch den Bezirksbürgermeister verliehenen Ehrennadel für einen vom Verstorbenen gegründeten Verein für plötzlich  in große Not geratene Menschen. Das sonnige Wetter beim Gang zum Grab und dann der bemerkenswerte Augenblick, wo die Witwe beim Beileidsritual, fast am Schluss der Kondolenzbezeugungs-Reihe, von einem sie um zwei Köpfe überragenden jungen Mann umarmt wird und dieser in lautes Schluchzen minutenlang an ihrem Hals hängt, sich schließlich unter den verwunderten Blicken der Umstehenden zu fassen scheint und dann erneut auf ihre Schulter sinkt. Da beginnt meine Geschichten-Erzähler-Saite zu klingen und zu fabulieren: wer ist er, was verbindet ihn, welche Emotionen überträgt er auf diesen Moment, in dem er erlaubt und abgesegnet durch eine ganze Trauer-Gemeinde unerschöpflich öffentlich weinen darf. Welch ein Bild der Hingabe!

Beim Leichenschmaus für 50 Personen – Suppe, belegte Weißbrotscheibchen, Wein, Wasser, Beerdigungs-Butterkuchen und Kaffee – mache ich eine sanfte Nachfrage bei der Haupt-Trauernden. Sie macht große Augen beim erinnernden Zurücklehnen des Kopfes und weiß auf die Schnelle auch nicht mehr als das Erlebte.

Ein anderes Erlebnis ist der 60. Geburtstag einer sehr gutaussehenden, interessierten, interessanten und tüchtigen Freundin. 30 Gäste sind geladen, wir feiern in edlem Ambiente aushäusig. Sie sieht bezaubernd aus: groß, schlank, langes blondes Haar, schwarze Hose, schwarze Corsage, üppige leicht rosa Seidencrêpe-Stola. Alle Freunde sind tatsächlich lange Freund*innen, die längste 50 Jahre, seit der Grundschule. Ich gehöre mit meinen 15 Jahren zu den ‚jüngeren‘. Ich sitze bilderbuchmäßig angenehm: fast dem Geburtstagskind gegenüber, neben meinem entzückenden Tischherrn links – er war schon häufiger mein Tischpartner und gehört zu der jahrzehntelangen Doppelkopf-Runde des Geburtstagskindes.  Rechts bin ich ebenfalls verwöhnt, weil dort der französische Partner einer 30-Jahre-Freundschaft-Freundin des Geburtstagskindes sitzt und ich mit ihm französisch parlieren kann. Und mir gegenüber sitzt der spannende Ehemann der engsten Freundin, der geschäftsmäßig enorm erfolgreich ist, aber auch von jahrzehntelangen geschäftlichen Tiefen spannend berichten kann.

Ich esse ohne schlechtes Gewissen krosse Gans mit Knödeln und Rotkohl – Flexitarier heute – und genieße die Variationen des köstlichen Nachtischs. Wohin ich mich wende, ich bin so etwas von – salopp gesagt – ‚gut bedient‘. Als um 24 Uhr die Tische gerückt und getanzt wird, gehe allein und sehr zufrieden,  den Hofwegkanal entlang nach Hause. Mir begegnet kein einziger Mensch. Uhlenhorst schläft. Ich gehe zügigen Schrittes und wundere mich, dass ich überhaupt keine Angst habe. Dass sich das im Alter so zum Besseren entwickelt, das wundert mich. Mein Mann schläft schon, er liebt die überfüllten Smalltalk-Situationen nicht, wir erleben auch getrennt beglückt. Ich sinke zufrieden ins Bett – es ist schön, wenn da schon einer liegt und friedlich schläft. —- War das jetzt zu privat?