Bilderbücher für Erwachsene

Dank Johanna Vedrals Buch „Collage Dream Writing“ bin ich auf die wunderbare Ausdrucksform von Collagen gekommen. Verglichen mit dem Schlagen von Stein-Skulpturen eine wunderbar preiswerte und gemütliche Angelegenheit. Nach jedem Aufenthalt in meinem Atelier auf der Dachterrasse musste ich duschen. Steinstaub setzt sich überall fest. Deswegen kann man das auch nur in einer Werkstatt ausführen. Collagen bauen kann man gelassen überall.

Zuerst habe ich nur einzelne Bilder gemacht. Von Beginn an gehörte bei mir ein Text dazu. Gedichte zu schreiben habe ich unter vielem total spannend anderem in London während meines Theaterstudiums an der „Royal Central School of Speech and Drama“ gelernt und später auch in Wien beim wunderbaren „writers’studio“. Texte schreiben bei „Arvon Kursen“ in den landschaftlich schönsten Ecken von England und beim „Gotham Writers’Workshop“ in New York.

Augenblicklich mache ich Bilderbücher für Erwachsene. Immer 9 Blätter Collagen und 9 Blätter Texte. Hier die jeweils beiden Seiten 3 und 9 aus der 1. Collagen-Geschichte.

Da mein Text so kurz war, habe ich ihn in alle Sprachen übersetzt, die ich gelernt habe, bzw. gerade lerne – wie das Niederländische, was wir immer Holländisch nennen. Ich finde, der chinesische Text gibt dem Ganzen eine besondere Note, oder?

Übrigens sieht man im 2. und 4. Foto hier noch die Unterlage, meinen wunderschönen Refektoriumstisch aus London, günstig erworben in Camden zur Zeit des Streik-Jahres 1978. Und auf dem 3. Foto sieht man noch die Tischdecke. Die Bücher lasse ich in einem festen Umschlag binden. Sie sehen richtig gut aus. Alles sehr befriedigend. Und noch ein Dankeschön an Johanna Vedral!

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…immer wieder fühlt mein Herz dem nach: Bedingungsloses Grundeinkommen…

In Klagenfurt waren die Lesungen und die Prämierung des Ingeborg-Bachmann-Preises. Das Ergebnis überzeugt. Die prämierte Kurzgeschichte ist hoch-literarisch. Damit will ich sagen: fast anstrengend zu lesen. Kein einziges (wie dieses!) überflüssiges Wort. Das Erzählgewebe ist eng gestrickt.

Es ist in deutscher Sprache geschrieben, aber beim Lesen ist mir aufgefallen, dass ich ganze Partien nur verstehe, weil ich 2 Monate über airbnb eine eigene Wohnung in Wien bewohnt habe. Schon die Adresse hatte mich zu Anfang verwirrt: Da steht erstens die Hausnummer. Dann die zweitens die Stiegennummer und drittens die Nummer der Wohnung in der Adresse.

Das habe ich dann gelernt: Durch das Haupteingangstor gegangen, waren zwei weitere Häuser. „Mein“ 2. Haus war ausgedrückt in der Bezeichnung Stiegennummer, also Stiege 2. Ich habe aus meinen vier Fenstern auf Haus drei und damit in den hinteren teils betonierten und teils grünen Hof schauen können.

Oben am Treppenabsatz des Stockwerks meiner Eingangstür gingen mehrere Wohnungstüren ab. Der Raum war sehr klein. Ein Schrank, selbst ein kleiner, hätte entsetzlich gestört. All das muss man wissen, wenn man noch nie in Österreiche in einer privaten Wohnung gewohnt hat und die Räumlichkeit der Gewinner-Kurzgeschichte verstehen will. Der Text ist brilliant und überzeugend zeitgemäß. Er drückt das Lebensgefühl einer Generation aus. Das Bedingunglose Grundeinkommen muss her! Das war meine Überzeugung am Ende.

Birgit Birnbacher

Der Schrank 1

Das ist nicht viel, aber es könnte weniger sein. Was der Beobachter sieht, als er auf die Haustür zugeht: Dieser Rasen ist keine Wiese, aber dort und da fliegt ein Tier. Das Waschbetonquadrat, auf das der Typ vom Haus gegenüber manchmal seine Lebensmittel kippt, ist sauber vom kürzlichen Gewitter. Mit diesem Hof hat es einmal jemand gut gemeint, auch die Aufschrift auf der Fassade bezeugt es: Die Reitkunst war hier einst eine sehr beliebte Sportart. Der Beobachter steht allein da, er weiß nicht, dass ich ihm von oben zuschaue. Viele der kleinen Küchen-und Flurfenster sind wegen der Hitze geöffnet, manche sind mit ausgebleichten Tüchern abgehängt, einige mit Folie blindgeklebt. Von irgendwo ist ein Fernseher zu hören, es ist windstill, kurz nach Mittag, Hochsommer. Jahrhundertsommer, schreiben die Zeitungen, und in der Blumenkiste, außen an der straßenseitigen Loggia der Beckmann, verdorren gelbe und violette Stiefmütterchen zu Stängeln. Unten vorm Supermarkt verfangen sich hellrote Fetzchen von Gratisplastiksäcken in der staubigen Linde. Eines wird dem Beobachter in der Sohle seines Schuhs hängengeblieben sein, im Stiegenhaus liegt es später auf den Stufen zwischen zweitem und drittem Stock. In den Tagen nach seinem Erstbesuch gehe ich ein, zwei, schließlich drei Mal daran vorbei. Beim vierten Mal ist es fort.Es riecht nicht gut, das wird er jetzt schon bemerkt haben, aber wer weiß, wie es im Lift gewesen wäre. Ein kurzesVerschnaufen im dritten Stock, da treibt es ihm richtig den Schweiß aus den Poren. Auch er wird das Übliche denken: Eine andere Jacke hätte er nehmen sollen, gar keine, und was wäre an offenen Schuhen wirklich so schlimm gewesen? Zumindest das weiß er schon: Die Straßenreinigung fährt anderswo, im Festspielbezirk. Durchgeschwitzt und mit geschwollenen Füßen wird er ankommen im vierten Stock, Stiege 16. Am winzigen Fenster zum Hof hinaus noch einmal nach Luft schnappen, dann überlegen, wo er klingeln soll. Rechts bei derBeckmann, Mitte links beim Berlacovic oder links, bei mir. Die Übergangsresidenz zwischen Beckmann und Berlacovic ist unbewohnt, einen Buchstaben in der Dokumentation des Beobachters kriegt sie trotzdem. M, N, O und P heißen wir später, jeder Teilnehmer bekommt eine Excel-Datei. Das Institut aus der Hauptstadt betreibe eine Langzeitstudie über Lebensverhältnisse und Neue Arbeit. Insbesondere interessiere man sich für Arbeit, die nicht zur Vollversicherung reicht, zum Beispiel selbstständige Arbeit mit Niedrigverdienst, mitmachen dürfe aber jeder. Unter bestimmten Umständen zähle sogar keine Arbeit als Neue Arbeit, das wird in dem Anschreiben nicht weiter erklärt. Man suche Teilnehmer aus nicht gentrifizierten Stadtgebieten, die an einer mindestens zweijährigen Zusammenarbeit in drei Untersuchungsphasen interessiert seien. Phase 1: Sozialleben in Zahlen. Phase 2: Interviews. Phase 3: Auswertung. Den Abschlussbericht erhalte jeder persönlich per Post. Ich stelle mir vor, wie ich darin P85w heiße und was über mich verzeichnet ist:23 bis 25 Zigaretten pro Tag, 1 Küchenklapptisch, 1 Stuhl. Eine nicht zu beschönigende 0 in der Rubrik Besuche zwischen Juni und September. Wegen des Schranks, der hier plötzlich herumsteht, sieht er den Müllsack in meiner Hand nicht, und sofort bin ich enttarnt als eine, die hinter der Tür gewartet hat. „Hier steht ein Schrank“, stellt der Beobachter fest, ein höflicher Mensch, aber nur um mir die Hand zu reichen, wird er jetzt nicht anfangen zu turnen. Auch ich strecke meine Hand nicht aus, wir schauen einander an. Blousonjacke, taubenblau, nassblau die Nähte. Unter dem Vier-oder Fünftagebart hat er unreine Haut, das Bad im Pensionszimmer wird schlecht beleuchtet sein. Ich stehe ein bisschen aufrechter als normal, merke, dass jetzt der Moment wäre, etwas Geschliffenes zu sagen, sage aber nur: „Stimmt.“ Dann nicken wir dankbar das hüfthohe Möbelstück an und tun so, als wäre nicht ohnehin klar, dass es mir nicht gehört. Kirschholz wahrscheinlich, geschwungene Füßchen, zwei Türen, eine Oberfläche, die man sicher spezialbehandeln muss: Der Schrank ist die möbelgewordene Operndiva, steht da und zieht kein Stück weit den Bauch ein. Jeder, der jetzt noch rein oder raus will, muss sich an ihm vorbeischieben, seitwärts, ein kleiner Tanz. Lange dauert es nicht, bis auch die Beckmann und der Berlacovic in ihren offenen Türen stehen. Wahrscheinlich merkt der Beobachter schon an dem blauen Aquariumlicht, dass der Berlacovic einer ist, der die Weltöffentlichkeit, wie er sagt, meidet. Weiter als bis zum Postkasten geht er nicht mehr. Für den dreckgoldenen Jetta hat er einen Dauerparkplatzvor dem Haus. In regelmäßigen Abständen sehe ich nach dem Auto, dafür darf ich ab und zu fahren. Bisher gab es nur einmal etwas zu berichten, ein feiner Niveauunterschied, ein kleines Problem mit dem Reifendruck. Der Beobachter wischt sich den Schweiß mit einem Papierhandtuch ab. Jeder bekommt einmal die Hand, jetzt also doch, zu mir ist es am weitesten. Als klar ist, dass …

Wer „Bachmann-Preis: Birgit Birnbacher bei Google eingibt, findet den vollständigen Text und kann immer mehr in den Genuss – ja, Genuss! – kommen.

Rainers hamburgischer Geburtstag

Zwischen 25. Februar und 25. Juni ist Rainer 8 Jahre jünger als ich, aber am 25. Juni hat er Geburtstag und dann ist er nur noch 7 Jahre jünger. Jüngere Ehemänner sind zu empfehlen, weil man sie länger hat. So macht mein 80 Jahre-Alt-Sein noch mehr Spaß.

Ich hatte mir für den Geburtstag einen ganzen Ausflugstag ausgedacht. Ein Geschenk gab es schon eine Weile vorher, weil es da gut passte. Wir konnten nicht ahnen, dass der 25. Juni 2019 einer der bislang heißesten Tage des Jahres würde. Aber wir haben ja ein Jahr in Rom gelebt und so war uns große Hitze mit ausdauernder Bewegung im Freien sehr vertraut.

Punkt 11 Uhr haben wir das neue Bucerius Kunstforum betreten und fanden besonders die Video-Installation von Heti … (ich kann den Nachnamen nicht finden) bemerkenswert neu und interessant. Danach ging es mit dem Metrobus 6 in die Hafencity. Schanghai Allee und Korea Allee, viele Menschen, der Stadtteil verändert sich von Mal zu Mal, bummeln macht Spaß. Es ist Dienstag, es sind nicht viele Touristen in der Stadt, aber viele junge (mit unseren alten Augen SEHR junge) Angestellte auf dem Trip zum Mittagstisch unterwegs. Schön! Wir essen und trinken (das Wichtigste an diesem Tag!) bei Adronaco. Angenehm, nicht so urig wie in den beiden mir bekannten anderen Filialen, dennoch gut.

Wir schauen uns immer gern neue Gebäude in Hamburg an und die U-Bahn Haltestellen der U4 sind sehr neu. „Universität“ hat tatsächliche große Kuben mit wechselndem Licht. Riesig alles. Wir können nur eine Station fahren, bis „Elbbrücken“. Da verlassen wir die Haltestelle und landen in einem wilden Baustellengewirr. Zwar hatte mich Dorothea, unsere Bratsche, auf ein ‚Einfädeln‘ in den richtigen Weg zur Elbe aufmerksam gemacht und Rainer hatte gegoogelt, aber DAS war abenteuerlich gefährlich. Glücklicherweise hat uns eine junge Frau die Richtung gewiesen und uns vorgemacht, wie man – dank fehlender Ampel – hurtig über den breiten Autobahnzubringer (?) rennen musste. „Dann sterben wir wenigstens zusammen“, habe ich gedacht. Aber wir haben noch zwei weitere Überquerungen erfolgreich geschafft und konnten schließlich am Rande der Autobahn – „Wenn ich den Mercedes-Stern auf dem hohen Gebäude gessehen habe, wusste ich immer, dass ich nun in Hamburg bin“, war Rainers Kommentar. – über die Elbrücke gegangen. Dann noch einmal auf einer Fußgängerbrücke die Elbe überquert und waren im Entenwerder Elbpark. Entzückend! Kleiner Marsch bis zum ‚Schwimmenden Café‘ auf dem Ponton.

Auch hier waren nicht zu viele Menschen. Hier gab es sogar Friesentorte. Die hatte ich bisher nur auf Amrum gegessen. Einen großen Latte Macchiato und dann natürlich einen Riesen-Eistee. Trinken! Da haben wir genüsslich gesessen und auf das Wasser geschaut.

Der Tisch war aus Glas und als Beweis, dass ich dort war, habe ich meinen Fuß mit fotografiert. Den Rückweg wollte ich auf keinen Fall wieder gehen. Rainer hat dann – dank Handy – eine S-Bahn Haltestelle gefunden. Noch 1 km laufen. Kein Problem. Dann haben wir allerdings an der nächsten großen Straße eine Haltestelle des Bus 3 gefunden. Den nehmen wir das nächste Mal.

Damit sind wir dann zur Mönkebergstraße gefahren und von da aus mit dem Bus 109 bis Fontenay und dann haben wir auf der edlen Terrasse des Hotels mit gleichem Namen einen Campari mit Orangensaft getrunken und eine große Glasflasche Stilles Wasser. Sehr bequeme Sofas und Stühle! Und so erlesen! Und weiße Sonnenschirme! Und wenige, so normale Menschen wie wir und dann – dieser Blick über unsere wunderschöne Alster.

Ein nachmittaglicher Traum. Sehr besonders auch das junge (!) ausnehmend freundliche Personal. „Was für ein Geburtstag! Ist er jetzt zu Ende?“ Nein! Nun gehen wir zur Rabenstraße und fahren – nach Jahren!!! – mal wieder mit einem Alsterschiff.

Aber zu Rainers Überraschung steigen wir am Uhlenhorster Fährhaus nicht aus. Rüber geht es zur Haltestelle „Fährdamm“ und dann zum „Mühlenkamp“. Da steigen wir aus, gehen über die Straße und wollen ein leichtes – asiatisches – Abendessen bei Mizu einnehmen. Aber wir schaffen nur das große Alsterwasser und nehmen das Essen mit nach Hause. Wie in meiner Zeit in Shanghai, da war auch immer etwas über und man bat dann freundlich „da bao“ – soviel wie ‚Tasche machen‘, also Essen to go.

Wir sind tatsächlich 11 km an diesem heißen Tag gegangen. 17500 Schritte hatte ich auf meinem Zähler. Nicht schlecht! Zu Hause legen wir uns auf die Liegen auf der Dachterrasse und ruhen uns beglückt aus. Es ist immer noch sehr warm. Was für eine schöne Stadt ist Hamburg! Wir haben viel gesehen, viel erlebt und alles ohne Auto. Wir sind sehr zufrieden.

…bei der „Grünen Jugend“ zum Seminar Digitalisierung

Eingedenk – das Wort benutze ich zum ersten Mal in meinem Leben – meines Interessen-Themenkomplexes: Quantenphysik, -Computer, Künstliche Intelligenz, Robotik und (Bedingungsloses Grundeinkommen) – war ich natürlich begeistert von dem Seminar-Angebot der „Grünen Jugend“. Jakob und Jantje hatten es organisiert. Die Ankündigung im Internet war so, dass ich mindestens 50 Teilnehmer deutschlandweit oder wenigstens norddeutschlandweit vermutet hatte.

Als ich zum Frühstück für eine Tasse Kaffee eine halbe Stunde vor Beginn ankam, saßen dort aber nur 3 Personen. Da fand ich mein Alter dann nicht mehr schlimm, obwohl ich natürlich auffiel zwischen den schließlich 17 unglaublich jungen und hübschen und freundlichen und gebildeten jungen Grünen der „Grünen Jugend“.

Kleine Anekdote: kommentierte gestern eine Celloschülerin von Rainer zu den Wahl-Gewinnen der Grünen: „Nicht dass die nur alle so gebildet und freundlich sind, die sehen auch noch so überdurchschnittlich intelligent und gut aus! Da kann ja keine Partei mithalten. Und nun müssen sie auch streiten und Angriffe auszuhalten lernen. Da habe ich keine Angst, die schaffen das.“

Der erste Referent war Jan vom Chaos Computerclub. Ich weiß noch, wie ich vor Jahrzehnten zum ersten Mal das Wort Chaos Computerclub gehört und gedacht habe, dass das nun ein Feld ist, das mich null angeht. Aber falsch! Da hätte sich jeder Lehrer eine Scheibe von abschneiden können, wie klug Jan den Nutzen und die einzelnen Schritte von einem Problem bis zu seiner computergesteuerten Lösung beschrieben und erklärt hat. Ich habe leider nicht mitgeschrieben, weil mir alles schon irgendwie bekannt war, neu war mir nur das Wort Deep Learning. Und das Wort muss man sich – glaube ich – für Quantencomputer gut merken.

Unglaublich angenehm und verständnisfördernd war auch Jans Bereitschaft auf jede Frage oder jeden Kommentar sofort einzugehen. Dadurch hatte man schnell das Gefühl eines Gesprächs. Und viele hatten etwas zu sagen. Das hat mir enorm gefallen.

Jantje, die Mitorganisatorin saß neben mir und ging hinaus. Sie kam und kam nicht wieder. Ich alte Lehrerin habe natürlich nach einer Zeit überlegt, ob ich mich irgendwie kümmern muss, ob es ihr gut geht. Dann fiel mir aber ein, dass ich nur eine Teilnehmerin bin. Obwohl ich gut finde, wenn man über den zugeteilten Kasten hinaus denkt. Nach dieser wundervollen Vormittagssitzung stand eine anderthalbstündige Mittagspause auf dem Programm. Ich dachte natürlich, dass wir irgendwie ein Sandwich in der Bäckerei an der Ecke essen, aber nein.

In der kleinen Küche stand Jantje und versuchte auf dem Induktionsherd eine Mittagsmahlzeit für 20 Personen herzustellen. Wilder Reis war schon ausreichend gekocht, aber die Suppe aus Zucchini, Paprika, Kichererbsen etc. wollte und wollte nicht heiß werden – trotz der vielen Leute, die nach und nach in der kleinen Küche standen 🙂 Auf meine Frage an Jakob, warum wir nicht einfach irgendwohin gegangen seien, sagte er, dass ein solche Ausgabe nicht von der Partei getragen würde. Ja, habe ich gedacht, die jungen Grünen müssen mit wenig Geld auskommen, das hat er hier bedacht. Kein Murren war zu hören, keine Gegenvorschläge flogen durch die Luft. Immerhin haben wir eineinhalb Stunden gewartet und hatten Hunger! Nein, diese tollen jungen (hier wieder extra kleingeschrieben!) Grünen sahen hoffnungsvoll nach dem verheißungsvoll fertigen Wilden Reis und unterhielten sich. Ich auch.

Das war toll, man hatte Zeit miteinander. Es entsprach genau dem, was die von mir hoch geschätzte Bewegung Transition Town schließlich entdeckt /entwickelt hatte: dort waren Gruppen immer wieder begeistert gestartet und nach ein paar Monaten war der ausdrucksfreudigste Mensch der Leiter der Gruppe und die anderen blieben nach und nach weg – oder kamen, aber mit zunehmend weniger Enthusiasmus. Was war geschehen? Jeder Teilnahme an einer politischen Gruppe geht eine persönliche Entscheidung voraus, aber stille und nachdenklichere Menschen werden nach und nach nur noch zum Zuhören degradiert, der lautstärkste ‚gewinnt‘, steht schließlich ’seiner‘ Gruppe vor.

Um dem Abhilfe zu schaffen, hat man eine Kommunikationsmethode entwickelt, die vorsieht, dass die Hälfte der Gruppenzeit auf/zu persönliche/n Äußerungen PLUS FEEDBACK – ganz wichtig, dass auch Persönliches nicht ins Leere geht – auch ausgegeben/ verbraucht/bereitgestellt wird. Wenn nicht, kommen die Nachdenklichen, Stilleren, Vorsichtigeren politisch nie in eine Führungsposition und dann fehlen deren wichtige Themen und Haltungen in der Politik weg. (Auswüchse der ’normalen‘ Methode scheinen mir Trump und Boris Johnson.) Die Schlussfolgerung der Transition Town Leute war: es muss sich persönlich für jeden zur Gruppe Gekommenen lohnen, diese Zeit ehrenamtlich in diesem Zusammenhang zu verbringen, d.h. sein Leben muss irgendwie vorkommen. Die Zeit, die das einnimmt, ist gut für eine langlebige und zufriedene Gruppe, die gut an ihren Themen arbeitet.

Jantjes Suppe war köstlich, das Tischgespräch wieder höchst angenehm.

Nachmittags gab es einen Workshop von Jakob „Was soll Künstliche Intelligenz dürfen? – Ethik in der Digitalen Welt“. Philosophische Grundlagen zu der Fragestellung, welche Entscheidungen von Menschen und welche von Maschinen getroffen werden. Das war spannend, denn wir haben in Vierer-Gruppen zusammen gesessen und mussten uns ausdenken, nach welchen Kriterien ein Topf von 600 € pro Person Grundsicherung gerecht verteilt würde, d.h. wer mehr, wer weniger bekommt, denn mehr Geld ist nicht da. Wir hatten von 6 Kandidaten die Lebensprofile und durften/sollten danach bestimmen.

Ich habe mich dabei ganz schön echauffiert, weil ich fand, dass alle wenigstens 600 € haben müssten und ich auf dem Blatt nur die nackten Fakten sähe und von allen 6 Personen so eine Biografie schreiben könnte, dass man sich vor Mitgefühl in Tränen auflösen würde. Es wäre in Deutschland Geld genug für alle da. Ein junger Mensch – er war (noch?) kein Grüner – sagte, nach den angebenen Bedingungen die Lösungen zu finden, das sei eben die Aufgabe gewesen. „Dann muss man die Aufgabe und die Bedingungen in Frage stellen, man muss den Kasten verlassen und den Blick weiten!“ Das finde ich politisch ganz wichtig!

Der dritte Seminarteil wurde von Clara Wolff vom IÖW und einer Kollegin gehalten. „Vom Plattform-Kapitalismus zum Plattform-Kooperatismus. Beide waren herrlich berlinerisch locker gekleidet (IÖW muss ich gleich noch googeln.) Es ging um die gängige Ökonomie über Internetplattformen – unglaublich viele! – und Alternativen dazu.

Ich bin morgens um 9 Uhr aus dem Haus gegangen und war um 18.30 Uhr wieder da. Die letzten Minuten in der Burchardstraße habe ich schon gemerkt, dass es doch ganz schön anstrengend war. Ich hatte das Gefühl viel gelernt zu haben. Der auch interessante Sonntag über Bildung und Digitale Utopien habe ich nicht mehr mitgemacht. Ich bedanke mich sehr herzlich bei Jakob und Jantje und allen Jungen Grünen.

Ein weiteres großes Vergnügen

in meinem Leben – neben Ma Jong und Doppelkopf Spielen – ist das Streichquartett, ja auch spielen. Für dieses Spielvergnügen reichen nicht Erklärungen, man muss ganz schön lange üben. Ich habe erst mit 19 Jahren begonnen, aber unser Zahnarzt in Minden (meine Geburtsstadt), der glücklicherweise kein Virtuose auf seiner Gambe war, hatte schon eine Weile nach einem Bassinstrument gesucht. So habe ich schon Instrumentalmusik gemacht, bevor ich viel mehr als Tonleitern spielen konnte. Es ist immer gut, begehrt ins kalte Wasser zu springen. Immerhin war das vor 61 Jahren.

Ich bin so stolz auf meine vielen Lebensjahre, meinen erfolgreich absolvierten Hürdenlauf – so nenne ich Kindheit, Jugend und Mittelalter – durchs Leben. Jetzt tummele ich mich im Freispiel – so hieß die Zeit im Kindergarten, bevor die Kleinen an fremdbestimmten Basteleien oder so lernen mussten. Ich habe ja eine Kindergärtnerinnen Ausbildung in Münster gemacht und sechs Jahre sehr gern auf der Psychosomatischen Abteilung der Universitätskinderklinik Eppendorf gearbeitet.

Streichquartett habe ich also schon ewig gespielt, Ich habe auch viele Cello-Lehrer ‚verbraucht‘. Am liebesten war mir Ute Leschhorn, denn die hat meine Neigung zum Spielen erkannt und von Anfang an Cello-Duette mit mir gespielt. Das war toll! Ich bin in all den Jahren nicht virtuos geworden, aber ich kenne die Literatur, spiele taktsicher und ganz schön sauber. Zum Üben habe ich null Bock und darum tue ich das auch nicht.

Jetzt spielen wir jeden Monat einmal Streichquartett. Das ist immer sehr schön: Eve, unsere 2. Geige bringt immer die schönsten Riesen-Blumensträuße mit. Auf dem Bild sieht man den Rest des letzten Straußes nach 11 Tagen. Ist doch toll! Vor der David Skulptur, die wir am letzten Wochenende nach unserem Jahr in Rom auf dem Forum Romanum gekauft haben. Rainer fand das überflüssig, ich eine Rom-würdige Erinnerung.

Übrigens spielt Rainer die 1. Geige und schon sehr gut. Schon, weil er eigentlich der viel bessere Cellospieler ist, aber ich auf keinen Fall mein Streichquartett für einen Ehemann einwechseln wollte und so hat er freundlicherweise auch Geige spielen gelernt. Rainer gibt übrigens wundervollen Cello Unterricht für Erwachsene. Sobald ich das Gefühl habe – nur das Gefühl – , dass sich eine Frau mehr für den Lehrer als für den Unterricht interessiert, unternehme ich was. Meinen ersten Mann habe ich an eine andere Frau verloren, der zweite geht nicht einfach so…

Das ist auch so schön am Alter, dass man seine schwachen Seiten nicht mehr versteckt: Wichtiges ist wichtig und wird auch so behandelt. Ich glaube, dass so mancher Mann in einer neuen Ehe ist, ohne das jemals gewollt zu haben. So macht der verzweifelte Männersatz: „Es ist nicht das, wonach es aussieht.“ doch Sinn. Bei Rainers Musikalität war die Geige als Instrument neben Cello und Querflöte eine Bereicherung.

Die Bratsche spielt Dorothea, mit der ich häufig bei unserem kleinen Italiener lunche und alles bespreche. Sie bringt den ganzen Weg von Eppendorf nicht nur ihr Instrument mit, sondern auch eine Flasche Prosecco und für Rainer ein Bier. Ich bewundere sie dafür. Sie und ich sind ja die Bassgruppe und haben ganz schön oft Zeit uns beim Spielen zuzuschmunzeln. Wenn einer von uns beiden fehlerfrei ein schnelle Passage gemeistert hat zum Beispiel.

Nach zwei Stunden fangen wir Damen an uns überbeansprucht zu strecken und dann macht Rainer den Backofen an und bereitet das schöne Essen vor. Ich bin wieder fürs Umräumen zuständig und die Damen werden ins Schlafzimmer -das ein halbes Wohnzimmer ist- verbannt, bis ich sie rufe, wie früher meine Eltern uns sechs Kinder in die Weihnachtsstube: „Ihr könnt kommen!“ Meist seufzen sie „Na, endlich!“. Dann müssen die beiden noch schnell die Noten verstauen und dann kommt der gemütliche Teil. Herrlich!

…die Grünen haben genug gute Leute!

Gestern beim Ma Jong Spielen: „… und wenn das so weitergeht, habt ihr denn genug gute Leute?“ Begeistert kann ich das bejahen. Ich war auf der Vorstellungsrunde der bundesweiten Kandidaten, die sich für die Kandidatur der Europaabgeordneten auf der Durchreise zur Wahl nach Berlin in Hamburg zwischengestoppt und vorgestellt haben. Beeindruckend! So viele junge, weitgereiste, ehrenamtlich erfahrene, begeisterte Männer und Frauen! Und das waren lediglich die Europakandidaten. Toll!

Herrlich und im Gedächtnis ist ein Kandidat geblieben. Ein aus Liebe zugereister (?) Engländer nun mit deutschem Pass, der erst einmal die englische Flagge mit Schwung und einem „Brexit weg“ – Ausruf hinter sich auf den Boden flattern ließ und dann einen wunderschönen Zug – aus dem Kinderzimmer seines Sohnes – hochhielt und begeistert ausrief: „Ich wünsche Züge von Kopenhagen nach Sizilien!“

Ich erinnere mich nicht an seine Ausschmückungen – jeder Kandidat hatte nur 10 Minuten -, aber meine Fantasie hat diesen Zug gleich ausgeschmückt: mit geräumigen hübschen Abteilen, Schaffnern, die freundlichst bedienen, nachts Betten bauen, Toiletten mit Duschen, morgendlichem Frühstück, Restaurants und Bars und Filmabteile.

So komfortabel, dass kein Mensch mehr wie eine Sardine in die Büchse geklemmt mit einem Flugzeug fahren MÖCHTE. Immer pünktlich! Abteile sind so zu reservieren, dass bis Sizilien Freunde zusteigen könnten und die Ferien so schon auf dem heimischen Bahnhof beginnen. Wieviel neue Arbeitsplätze und wie schön geschont wäre die Natur.

Das war nur EIN Kandidat! Die Grünen haben viele. Die Zukunft kann kommen! Frohe Pfingsten!

Überlegungen zum Bedingungslosen Grundeinkommen BGE

Hannah Arendt „Vita activa“

„1. Kapitel – Die menschliche Bedingtheit

Mit dem Wort Vita activa sollen im folgenden drei menschliche Grundtätigkeiten zusammengefasst werden: Arbeiten, Herstellen und Handeln. Sie sind Grundtätigkeiten, weil jede von ihnen einer der Grundbedingungen entspricht, unter denen dem Geschlecht der Menschen das Leben auf der Erde gegeben ist.

Die Tätigkeit der Arbeit entspricht dem biologischen Prozeß des menschlichen Körpers, der in seinem biologischen Wachstum, Stoffwechsel und Verfall sich von Naturdingen nährt, welche die Arbeit erzeugt und zubereitet, um sie als die Lebensnotwendigkeiten dem lebendigen Organismus zuzuführen. …

Im Herstellen manifestiert sich das Widernatürliche eines von der Natur abhängigen Wesens, … Das Herstellen produziert eine künstliche Welt von Dingen, … In dieser Dingwelt ist menschliches Leben zu Hause, das von Natur aus in der Natur heimatlos ist, …

Das Handeln ist die einzige Tätigkeit der Vita activa, die sich ohne die Vermittlung von Materie, Material und Dingen direkt zwischen Menschen abspielt. Die Grundbedingung, die ihr entspricht, ist das Faktum der Pluralität, nämlich die Tatsache, daß nicht ein Mensch, sondern viele Menschen auf der Erde leben und die Welt bevölkern. … Für Menschen heißt Leben – wie das Lateinische, also die Sprache des vielleicht zutiefst politischen unter den uns bekannten Völkern, sagt – soviel wie „unter Menschen weilen“ (inter homines  esse) und Sterben soviel wie „aufhören unter Menschen zu weilen“ (desinere inter homines esse).“ Zitiert aus Hanna Arendt, „Vita activa oder Vom tätigen Leben“ Piper Verlag, 20. Auflage März 2019, Hervorhebungen von mir E.S.

Es ist sehr spannend zu lesen, wie Arbeit Aufgabe der Sklaven war, Herstellen die Tätigkeit der Handwerker, Handeln erst die edelste Bestimmung des Menschen. Die politische Form des UnterMenschenSeins haben wir bereits in der Demokratie – und letzte Woche zu meiner Freude getätigt. Aber noch lange nicht alle Menschen haben die Bedingung, ohne Sorge um Lebenserhalt und geschaffene notwendige Dinge – wie Wohnung und Kleidung und Bildung und so – sich der edelsten Bestimmung des freien Menschen zu widmen.

Vielleicht müssen wir umdenken und nicht mehr den Arbeitsplatz-Besitz als oberstes Gut des Politik zu sehen, sondern die digitale Revolution nutzen. Alle können ernährt werden und die notwendigen Dinge erhalten und dann den augenblicklich noch sorgengetrübten Blick dem Handeln unter Menschen zuwenden: Kultur und Politik.

Einige Superreiche – wie ich lese und höre – sind bereit abzugeben. Ja, mehr von ihnen als man meint. Sie ahnen, dass eine Welt mit wenigen Reichen und vielen Bekümmerten auch für sie nicht mehr lebenswert sein wird.

Meine Überlegungen zum Bedingungslosen Grundeinkommen BGE

Ich bin begeistert über den Wahlkampf der GRÜNEN!

Ok, ich gebe zu: ich gehöre zu denen, über die ich begeistert bin. Ich habe mein Scherf-lein beigetragen. Klar, Scherf ist nur mein angeheirateter Name, aber immerhin seit 55 Jahren. Ich bin sicher, wir werden am Sonntag ein gutes Ergebnis einfahren – so sagt man ja wohl. Ich werde auf keiner Wahlparty sein, sondern gemütlich mit Rainer vorm Fernseher sitzen und jeder neuen Hochrechnung mit angehaltenem Atem entgegen-fern-sehen.

Ansonsten ist mein neues Thema Quantenphysik, Quantencomputer, Quantenwirtschaft, Künstliche Intelligenz, Robotik und die selbstverständliche Folge des Bedingungslosen Grundeinkommens für jeden. Gerade beendet habe ich das Buch von Anders Indset „Quantenwirtschaft – Was kommt nach der Digitalisierung?“ Viele gute neue Ideen. Ja, so viele, dass ich es noch einmal lesen werde. Dann habe ich zwei kurze Einführungen in die Quantenphysik gelesen und war jedesmal erleichtert, dass auch den Physikern immer ein unerklärlicher Rest bleibt. Einer hatte sogar die selbsterkannte These der Hypothese der Inneren Welt (HIW), eine nicht zubeweisende Annahme – wie der Name Hypothese schon sagt. Die klarste Einführung habe ich in der Business – Vogue vom April 2019 gefunden. Talia Gershon ist Wissenschaftlerin und Strategin im IBM Research Center in Yorktown Heights, eine Stunde nördlich von Manhattan im Bundesstaat New York. Ihr Artikel, getitelt „Das kommt auf uns zu“ beschreibt Quantencomputer. Ein solches – noch! – Riesending ist da abgebildet. Aus einem Artikel im Spiegel erfahre ich später, dass diese Quantencomputer auf minus 275° gekühlt werden müssen. Da denke ich gleich: an die Energie-Verbrauch-Anforderung denken wir oft zu spät. Ihr Lehr-Video heißt „Wired“. Natürlich auf Englisch. Alles sehr, sehr spannend!

Natürlich geht das Normale weiter: jeden Tag singe ich drei Lieder und begleite mich dazu auf der Ukulele, sehe eine Lektion Chinesisch auf Chinesepod – sehr zu empfehlen für alle, um Chinesisch zu lernen oder wenigstens den Stand zu halten. Dann muss ich natürlich auch jeden Tag Holländisch machen, denn sonst lerne ich es nie fließend. Heute kommt wieder Birgit und wir reden 2 Stunden Niederländisch. Was ich leider nicht schaffe: jeden Tag ein Gedicht zu lesen. Darum hier noch kurz ein Gedicht für alle

Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832)

Mailied

Wie herrlich leuchtet
Mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne!
Wie lacht die Flur!
Es dringen Blüten
Aus jedem Zweig
Und tausend Stimmen
Aus dem Gesträuch.

Und Freud‘ und Wonne
Aus jeder Brust.
O Erd‘, o Sonne!
O Glück, o Lust!

O Lieb‘, o Liebe!
So golden schön,
Wie Morgenwolken
Auf jenen Höhn!

Du segnest herrlich
Das frische Feld,
Im Blütendampfe
Die volle Welt.

O Mädchen, Mädchen,
Wie lieb‘ ich dich!
Wie blickt dein Auge!
Wie liebst du mich!

So liebt die Lerche
Gesang und Luft,
Und Morgenblumen
Den Himmelsduft,

Wie ich dich liebe
Mit warmem Blut,
Die du mir Jugend
Und Freud‘ und Mut

Zu neuen Liedern
Und Tänzen gibst.
Sei ewig glücklich,
Wie du mich liebst!

3. PolitSalon mit Sina Imhof

Tatsächlich, nachmittags wurde das Wetter besser und wir konnten auf der Dachterrasse mit der Veranstaltung anfangen. Die Vorstellung jeden einzelnen Gastes ist für die die eingeladenen Grünen – Politiker besonders schön, weil sie ungewöhnlicher Weise wissen, zu wem sie sprechen: alle Gäste sind vorher unbekannt, gehören keiner Organisation an und nun bekommt plötzlich jedes Gesicht eine Vergangenheit – immer ein bisschen in Bezug auf meine Geschichte mit ihnen. Alle sind schon sehr besonders, das fällt mir beim Vorstellen auf.

Dann geht es ins Wohnzimmer ‚runter und Sina erzählt von ihrem Weg in die Politik der Grünen und dann über ihre Arbeit als Stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Jetzt ist sie Spitzenkandidatin für die Grünen in den Bezirkswahlen am nächsten Sonntag. 39 Jahre alt, verheiratet, 2 Kinder, ökologisches Jahr, Jurastudium mit Schwerpunkt Umweltrecht. Der Architekt, der die juristische Bibliothek am Rotherbaum gebaut hat, ist auch unser Gast und hört sicher mit Wohlgefallen, dass von einem Teich im Inneren für sie ein erfrischendes Plätschern beim intensiven Lernen ausging. Leider wurde die ungewöhnliche Besonderheit erst überdeckt, dann zugebaut, weil ein Professor mit Laptop hineingefallen sein soll. So die Anekdote – oder Wahrheit, wie ich sie verstanden habe.

Wie ‚hart‘ am Bürger/an der Bürgerin Bezirkspolitik ist, beeindruckt uns alle. Wie oft wir persönlich an den Entscheidungen dabei sein könnten, überrascht uns. „Wie erfährt man denn diese Termine?“ „Ja“, sage ich, „ich bekomme alle diese Infos rechtzeitig. Ihr müsstet nur Grüne werden.“ Alle lachen. „Da fragt man sich doch, woher die Politikverdrossenheit kommt, wenn alles so eifrig bedacht wird!“ findet Bernd.

Ich habe einen Artikel über die Arbeit auf der Bezirksebene im ‚Hamburger Abendblatt‘ gelesen und war enttäuscht, dass die Bezirksebene eigentlich nur Senatsbeschlüsse umsetzt und stets unter der Aufsicht der Finanzbehörde handelt. Ulrike findet das gerade eine Stärke und stimmt mit Sina überein, die uns erklärt, dass Hamburg eben eine Einheitgemeinde sei. So passe doch alles fein zueinander. Wenn eine Gemeinde eines kleineren Ortes so entscheidet und die Nachbargemeinde ganz anders, dann sei das für die Menschen an der Grenz-Schnittstelle manchmal ganz schön gewöhnungsbedürftig.

Katrin findet im geselligen Teil, nach der Buffet-Eröffnung, komisch, dass wir mit unseren 10. Klassen nicht einmal zu solchen Sitzungen gegangen sind. Das wäre doch ein guter Hinweis auf Lokalpolitik gewesen. Ich halte dagegen: „Es war in der 10. Klasse schwierig genug in der Jetztzeit anzukommen. so viel Stoff musste da bewältigt werden, oder?“ „Stimmt auch wieder“, findet sie.

Ach ja, das Buffet. Rainer hat sich wieder übertroffen. Es sieht wunderschön aus und schmeckt auch so gut wie es aussieht. Extrem schlanke Freundinnen gehen locker drei bis vier Male zum Buffet. Alles ist köstlich! Lothar hat Erdbeeren mitgebracht. Rainer hat sie gleich dazugestellt. Sie schmecken frisch am besten. Cornelia hat Wiener Apfelstrudel von Eppendorfs Leisiffer mitgebracht. Sie hat lange in Wien gelebt und berichtet, dass sie alle Wiener Freunde überzeugen könne, dass dieser Strudel in Hamburg besser sei als in Wien. Sie kriegt den Wiener Slang ziemlich gut hin. Zum ersten Mal hat Rainer auch Süßes zubereitet: Rumkugeln! Heftig hüftig, sage ich mal, aber sooo gut. Acht Gäste finden eine Tasse Kaffe dazu angemessen.

Es beginnt immer – drei Male bis jetzt – um 19 Uhr und so um 23.30 Uhr sind alle glücklich und zufrieden gegangen. Dann beginnt für Rainer die Etappe des Abwaschens und für mich die des Zurück – und Aufräumens. Und lange nach Mitternacht sinken wir vor das Fernsehen, finden aber nichts harmlos Entspannendes. Es ist ja auch wirklich Zeit zum Schlafen! Zufrieden schlafen wir ein.

Warum blogge ich?

habe ich in Wien fotografiert und leider nicht den Künstler dazu geschrieben

Für mich ist mein wöchentliches Schreiben tatsächlich ein Logbuch. Also ein Tagebuch, das ich im Internet hinterlege. Ich schreibe meine Erlebnisse und Einsichten auf und erhoffe mir davon, dass ICH sie immer wieder nachlesen kann. Dann schreibe ich alles auf, weil ich sehr zufrieden und froh bin und denke, dass ANDERE das lesen und davon lernen oder in irgend einer Form vielleicht für sich gebrauchen könnten.

Ich habe ja schon ganz schön viel hinter mir, denn 80 ist ja schon ein biblisches Alter. Ich empfinde mich auch als Beispiel für eine Frau, die in dieser Zeit an diesem Ort lebt. Wenn ich dann einmal meinen wunderbaren Körper – mein Gefährt für meine Erlebnisse – verlassen habe und wieder nach Hause gegangen bin – wo ich hergekommen bin, könnte ich im Nachhinein hier auf der Erde als Beispiel wahrgenommen werden – oder auch nicht. Aber beides ist gut. Ich freue mich erst einmal an meinem Schreiben. Das ist schon einmal gut.

Meinen Blog lesen nicht viele Menschen. Aber aus allen Ecken der Welt finden sich immer wieder Menschen ein. Ich kann nicht nachverfolgen, wer mich gelesen hat, aber – wie schon mehrfach beschrieben – lesen, bestimmt meist Frauen – vornehmlich aus Deutschland und Österreich, aber auch aus der Schweiz, Luxembourg, Frankreich, Niederlande, England, Honkong, USA und noch weiteren anderen Staaten. Das freut mich. 50 Menschen sind es mindestens jede Woche.

Ich kann sehen, welche Artikel aufgerufen werden und da steht an erster Stelle mein Beitrag: „Deutschland heißt auf Chinsesisch…“ Die Statistik differenziert zwischen Leser und wieviel Artikel gelesen wurden. Leser sind dunkelrot, der Balken wächst dann hellrot an. Morgens schaue ich nach und freue mich dann schon wieder.

Eine Freundin hat mich gefragt, ob ich mit meinem Blog Geld verdiene. Nein. Ich bekomme kein Geld für die Reklame, die freundlicherweise für mich in meinem Blog nicht erscheint. Aber ich zahle auch nichts für mein Blogger-Vergnügen. Damit die netten Menschen von wordpress.com meinen Blog betreuen, setzen sie Reklame darunter. Das finde ich total ok. Mir wurde gesagt, dass die Reklame durchaus sensibel ausgesucht wird. Also hier – an wer immer das ausführt – ein sehr herzliches Dankeschön!