Was ich als Lehrerin bedauere

ist die Tatsache, dass ich während meiner gesamten Tätigkeit zu wenig den Wert von handwerklicher Tätigkeit in den Mittelpunkt gestellt habe. Immer erschien Intellektuelles die Richtschnur. Das sehe ich heute als eine große Fahrlässigkeit an. Dazu gehörte natürlich der damalige Zeitgeist, der unbedingt die größtmögliche Zahl an Schülern zum Abitur führen wollte. So ein Quatsch!

da ensteht etwas während Corona-Zeiten

Immerhin hatte ich ein Kriterium Eltern bei der Auswahl der weiteren Schullaufbahn eine Richtschnur zu geben. Das Verhältnis zu den Eltern meiner Schüler:innen war in der Regel sehr vertrauensvoll. „Liest ihr Kind viel? Oder bastelt und probiert es lieber gern herum?“ Das war eine wichtige Frage zur Entscheidungsfindung. Wie oft haben besonders Eltern von Jungen dann geantwortet, dass er nicht gern liest, sondern die Dinge be-greifen will. „Dann ist ein Hauptschul- oder Realschulabschluss die richtige Ziellinie.“

der tut etwas!

Das war dann der Weg in Ausbildungsberufe des Handwerks. Und es stimmt nach wie vor: Handwerk hat goldenen Boden! Wenn du ein:e Klempner:in, Tischler:in, Schornsteinfeger:in, Maurer, Elektriker:in, Fliesenleger:in, Zimmermann :), usw. bist, dann kannst du sogar etwas tun, wenn du arbeitslos bist! Weil du etwas KANNST! Wieviele Jungen hätte ich damit besonders glücklich machen können, wenn ich bei der Rückgabe von Deutsch- und Englischarbeiten darauf hätte hinweisen können, dass es sehr viele, sehr gute Berufe gibt, in denen diese Vier oder Fünf so gar keine Rolle spielt.

das ist eine andere Handschrift

Immerhin hatte ich trotz aller Unterlassung im jetzt erkannten Sinn ein gutes Kriterium bei der Rückgabe von Arbeiten, das mir glücklicherweise in den Sinn gekommen war, weil ich die wilde Verzweiflung von Hans-Jürgen mildern wollte. Der lief mit dem „Stück Papier“ – wie er sagte – unmittelbar zum Klassenpapierkorb, zerrieß den Zettel unter wilden Selbstbeschimpfungen. Ich habe dann begonnen zu sagen:“ Hans-Jürgen, ich gebe dir jetzt deine Arbeit zurück. Das ist aber bloß ein Englisch-Test. Ich sage dir jetzt zuerst deine Zensur in Mitmensch-Sein, ok? Glatte Zwei mit einem Plus. So wie du den anderen hilfst, freundlich bist, Streit schlichtest, die Tafel putzt und morgens uns alle freundlich begrüßt. Du machst uns das Schulleben echt schöner.“ Die Englisch-Fünf war danach für ihn verkraftbarer. Richtig gut wurde sein Selbst-Ertragen aber, wenn ich obenderein noch meine Hand auf seinen Rücken gelegt habe. Es kam auch vor, dass mal ein aufmüpfiger Schüler bei der Rückgabe einer Eins an eine Superschülerin gefragt hat: „Könnten wir bitte erst die Zensur für Mitmenschlichkeit wissen?“ „Ok! Von meiner Wahrnehmung eine schwache Drei. Ihr könnt-müsst das selber einschätzen. Bin ich ungerecht?“ Meist lag ich ganz schön richtig.

ich wollte schon immer mal wissen, was unter einem Haus ist

Heute frage ich mich, ob es eigentlich Gedichte über Handwerk und Handwerker gibt. Wilhelm Busch fällt mir da nur ein. Durch die Öffnung zum Abitur für alle sind die intellektuellen Starken auch nicht besser geworden! Völlig doof fand ich das geschwächte Abitur mit dem Einser-Ergebnis für Mediziner notwendig zu machen? Kein Wunder, dass die Medizin nun auf Profit geht und die beseelte Helferseele als Hausarzt oder Arzt auf dem Lande sich verkrümelt hat.

da ist anderes Wissen gefragt und dann wohnen wir darin

Ja, die/wir 68er haben keineswegs alles besser gemacht. Vieles haben sie/wir/ich schwächer gemacht durch ihre/unsere/meine Gleichmacherei-Wünsche oder -Forderungen. Jetzt müssen wir alle aufmerksam die Digitalisierung verfolgen und – so weit möglich – mitgestalten. („Netzwerk-Risiko-Mobilfunk: Freitags-Webinare“ könnten vielleicht eine Hilfe sein, sich schlau zu machen. Es wird am Schluss uns alle betreffen.)

Auf dem Weg zum Einkaufen die Arbeit am Hausbau zu beobachten, das ist ein reines Vergnügen. Das ist das Gegenteil von Lockdown, denn da entsteht etwas! Ich komme mir dann vor wie ein kleiner Junge und bin doch schon eine glückliche alte Frau. Glücklich und sehr zufrieden. In diesem frohen Sinne allen Leser:innen ein wunderschönes Wochenende!

„Ich wär gern mitgeflogen.“

Nein, ich will in keinen Flieger und auf nicht irgendwie „weg“. Ich sitze glücklich am Schreibtisch und übersetze meinen chinesischen Roman, der so wundervoll unvorhersagbar für mich ist. Das ist vermutlich auch das Spannende! Und dass mir das Schreiben der Zeichen so leicht von der Hand geht, das freut mich auch. Allerdings nehme ich mir viel zu selten die Zeit auf Pinyin umzustellen, damit ich auch weiß, wie man das Zeichen ausspricht.

Aber nun zu dem bedauernden Ausspruch: Ich wär gern mitgeflogen.

Die Überschrift ist die sehr poetisch letze Zeile im Lied von Reinhard Mey „Über den Wolken“. Das kann ich mit den Griffen Am, D7, G und C jetzt auch auf der Ukulele spielen. Der Text ist wunderschön. Überhaupt sind Liedertexte tatsächlich in Musik gesetzte Gedichte. So ein Genuss!

Hier der ganze Lied-Text, das ganze Gedicht:

„Wind Nord-Ost, Startbahn Nulldrei, bis hierher hör ich die Motoren. Wie ein Pfeil zischt sie vorbei und es dröhnt in meinen Ohren. Und der nasse Asphalt bebt, wie ein Schleier staubt der Regen, bis sie abhebt und sie schwebt der Sonne entgegen.

Refrain: Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein, alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, bleiben darunter verborgen und dann würde was uns groß und wichtig erscheint plötzlich nichtig und klein.

Ich seh ihr noch lange nach, seh sie die Wolken erklimmen. Bis die Lichter nach und nach ganz im Regengrau verschwimmen. Meine Augen haben schon jenen winzigen Punkt verloren, nur von fern kling monoton das Summen der Motoren. Über den Wolken...

Dann ist alles still, ich geh. Regen durchdringt meine Jacke. Irgend jemand kocht Kaffee in der Luftaufsichtsbaracke. In den Pfützen schwimmt Benzin schillernd wie ein Regenbogen. Wolken spiegeln sich darin, ich wär gerne mitgeflogen. Über den Wolken…

mein Osterstrauß – heute noch prächtiger

Im Hintergrund eine Skulptur von mir. Um über Größe und Stein mehr zu erfahren, bitte auf meine Skulpturen und Plastiken Website elisabethscherf.de gehen. Diese Skulptur ist auf dem 5. Foto auf Galerie 8.

Ein angenehmes langes Osterwochenende wünsche ich allen Leserinnen und Lesern von ganzem Herzen! Und nicht vergessen: bei allem, was man nicht gut findet, muss es das Erlebnis des Guten vorher gegeben habe, weswegen man das nicht so Gute überhaupt nur auf der Minusseite einordnen kann. Und dann gleich schnell dankbar für das Gute sein und schon ist man wieder im positiven Modus und der kommt der ganzen Welt zugute.

Prechts „WER BIN ICH – und wenn ja, wie viele?“

ist bei uns ein geflügeltes Wort mit Fortsetzung geworden. Das geht so: „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ – „Ja, ganz viele, aber keine will putzen!“

PUTZEN, so ärgerlich vorher, so anstrengend dabei und so schön hinterher. Altern ist in Bezug auf Putzen recht angenehm, bis man entsetzt bemerkt, dass man, mit Brille betrachtet, keineswegs in einem so gepflegten Haushalt lebt, wie man geglaubt hat.

Meine erste spontane Reaktion tendiert zum Brille-Absetzen. Aber es kommen ja auch Jüngere beispielsweise ins Bad! Am liebsten und wildesten putze ich immer für PolitSalons. Das lohnte sich ja auch: Mit Ehrengast waren wir immer 25 Personen. Da wurde die Wohnung zur Inszenierungsplattform einer Theateraufführung! Das ist mein Metier! Für so etwas setze ich mich total ein. Aber augenblicklich? Putzen? Das will mal wieder so richtig keine von den vielen Personen in mir! Dabei ist doch Frühling, Elisi!

Blick auf Garten und Pergola und Vogelhäuschen mit Gästen

Unsere Vogelhäuschen werden so begeistert frequentiert, dass wir schon zum dritten Mal Vogelfutter nachkaufen müssen. Das ist ein Kommen und Gehen! Schwierigkeiten bekomme ich mit den Tauben. Beide Häuschen sind so klein oder flach konstruiert, dass nur Singvögel hinein können, aber die Tauben sind so frech, lassen sich kaum vertreiben und – haben eben auch Hunger. Aber wir Hamburger füttern keine Tauben und so bleibe ich eifrig am Vertreiben.

Und auf der Dachterrasse hat zwischen Rainers und meinem Bronzekopf – die Geschichte dieser Skulpturen habe ich schon erzählt im Blog oder in meinem ersten Buch oder so – ein Eichhörnchen sein Nest gebaut. Ganz schön verteidigungsbereit ist so ein kleines Eichhörnchen. Aber wir haben es durch unser Verhalten beruhigen könne. Es hat aus nächster Nähe zugeschaut, was wir machen. Im Internet habe ich dann nach dem richtigen Verhalten geforscht und erfahren, dass Mutter Eichhörnchen nach 6 Wochen sowieso ein anderes Quatier mit den Jungen aufsucht. Na gut!

Ansonsten übersetze ich meinen chinesischen Roman „Die Wildgans“ begeistert weiter, veröffentliche es aber schon seit Wochen nicht mehr, weil ich an der Statistik bemerkt habe, das sowieso keiner liest. Kann ich auch verstehen. Das war zu Annokrach-Zeiten so, dass man ein Buch in Folgen präsentiert bekam. Meine Übersetzungsbegeisterung hat das allerdings nicht geschmälert und Aga bekommt beim Osterkaffee das nächste Kapitel wieder vorgelesen. Beeindruckt bin ich immer häufiger von der italienischen Übersetzung. Die übersetzen wirklich korrekt, wo die anderen häufig nur hilflos zusammenfassen. Ja, Marco Polo und die Jesuiten! Vermutlich haben die Italiener die längste Erfahrung mit der chinesischen Sprache.

Das wollte ich nach den gelungenen Äpfeln malen. Hahaha!!! Birne mit rotem Bäckchen! Mal einfach so!
Jaja, so kann es kommen!

Rainer ist immer mein bester Kritiker: „Und was ist das da rechts?“ Ja, was ist das? Das soll die vierte Birne sein! Ja, malen, nicht wünschen! Gar nicht so einfach! Aber ich habe mich drangemacht:

„Kuscheln auf Orange“

Einen Titel hat das Birnenbild schon. Es ist korrigiert, aber die letzte Verschönderung kommt noch! Und die veröffentliche ich nicht, sondern nach Corona gibt es eine Ausstellung auf der Dachterrasse oder im Treppenhaus oder so – – – – und dafür putze ich dann. Und nicht nur die eine, die nie will, sondern alle meine Personen putzen mit und Rainer macht sicher ein schönes Buffet!

In diesem Sinne – der Dankbarkeit für alles Schöne und der großen Hoffnung auf noch gelungenere Bilder und freiere Zeiten mit vielen Einsichten – wünsche ich allen ein schönes Wochenende!

Kreativ sein ist eine Umarmung!

drei Äpfel

Ja, auf diese drei Äpfel bin ich stolz. Zum ersten Mal in meinem Leben empfinde ich die zweidimensionale Fläche trägt ein dreidimensionales Objekt – die Äpfel. Toll! Gratulation! Ideelle Selbst-Umarmung! Ich habe das nur geschafft, weil ich so nebenbei an den Malstunden und Malaktivitäten meiner Freundin Marita partizipiert, in Kunstbüchern die so überzeugenden dreidimensionalen Objekte wie gerade gemalt, also flach, imaginiert habe UND dieses Mal einfach richtig hingucken konnte. Darum ist der Schatten auch so prominent geworden. Die Mittagssonne knallte ins Fenster, das sich nach Süd-Westen öffnet. Ein Atelier hat Licht von Norden!

Ja, oder?

Die Leinwände hatte ich bei Aldi erstanden. Den Malkoffer mit Staffel auch. Am Schluss wird das Bild mit der schönsten Zutat verschönt, die es überhaupt gibt. Mit einer „Farbe“, die eine wundervolle eigene Ausstrahlung hat.

mit Gold

Jedes Bild bekommt eine Goldquelle mit auf den Weg. Gold reflektiert jeden Lichtschimmer im Zimmer und das können wir doch im Augenblick gut gebrauchen. Gold ist in der Geschichte der Kunst ein ganz besonderes Material. Es war für die Darstellung von Menschen vorbehalten, die ihren Charakter bereits – wohltuend für die Gemeinschaft zur Liebe geöffnet hatten. Menschen, die schon mehr begriffen hatten, wozu diese Veranstaltung zwischen Geboren werden und wieder Gehen gut sein soll, die bekamen einen Heiligenschein, weil ihr Licht in Gold als Vorbild dienen konnte. Häufig wurden diese Personen auch etwas größer gemalt.

Das änderte sich dann schlagartig mit der „Erfindung“ der Perspektive: da gibt es einen Punkt, auf den alles zielt und der ist völlig unabhängig von Inhalten. HInten das Kleinste und berechenbar die Größen von vorn bis dahin. So ging nach und nach viel von den menschlichen inhaltlichen Bemesseungsmaßstäben verloren. Ich weiß, das ist sehr verkürzt, aber wir sind alle so in dieser Wahrnehmungsform gefangen, das man kaum um sie herum kommt – auch im eigenen Denken. Meine Simultantheater-Idee wäre eine Alternative: sowohl als auch. Ein Problem kann ich so oder so weitergestalten. Auf der Bühne kann ich es -künstlich – sogar gleichzeitig in den beiden Entwicklungen zeigen. Man würde wunderbar lernen, das man immer zwei Möglichkeiten hat. Wir sind aber immer gefangen im Fluchtpunkt, dem einzigen Weg und Ziel. Die simultane Alternative lernen wir nicht. Wieviel Kreativität die Perspektive wegkappt!

erster Versuch

Ja, so male ich zwischendurch und freue mich an den Farben und am Gold. Die chinesische Übersetzung fasziniert mich immer weiter. Die Übersetzungshilfe auf meinem Handy, in die ich die chinesischen Zeichen mit der Finger reinmalen kann, ist ein Riesengeschenk, eine große Erleichterung. Wenn mir die deutsche Übersetzung nicht gefällt, gehe ich zur englischen, danach zur italienischen und dann zur niederländischen Sprache. Das ist natürlich eine große Hilfe für die facettenreiche Widergabe. Gestern bin ich allerdings auf allen Sprachkanälen aus dem Lachen nicht herausgekommenn. Verdreht war die Übersetzung in allen Sprachen, aber in Deutsch war sie besonders: „Der hochmütige Knoten ihres Brötchenkopfes…“ Es musste daraus werden: „auf ihrem Kopf löste sich der Knoten ihrer Hochsteckfrisur“. Das war für den Algorithmus zu viel.

Allen ein wunder-wunderschönes Wochenende mit eigenen Umarmungen. Hoffentlich Sonne, Regen wäre auch nicht schlecht. Neulich in der Zoom-meeting sagt Nele beim Hereinkommen:“Also meine Internetverbindung war heute so schlecht!“ Ich, begeistert, dass ich das Schicksal nicht allein hatte: „Ja, bei mir auch. Immer wenn ich dachte, es steht, dann war es wieder weg!“ Sagt André lachend:“Bald redet man über das Internetverbindung wie über das Wetter: „War bei euch auch Sonnenschein? Na, endlich – und so“. Wir haben gelacht!

My Secret Night Life

Birthday Flowers

My English is not too bad, thanks to my year in Beckenham, with my wonderful Jewish family, three months at the “Cassel Hospital“ in Richmond, one year at “Royal Central School of Speech and Drama“ and various courses at the Arvon Foundation.

I am grateful to every single English person I met during all these years. Because they all formed my inner English landscape. And made me love England and English.

At the moment I am again and again with Jane Austin. I am so pleased she never married. How would she have found the time to write her novels?

„Pride and Prejudice“ is my favourite. I love audio books. In the nights I can’t sleep, I hasten to my I-phone, put the earphones in and listen. I do not know how many times I have listened to “Pride and Prejudice“ and how many times I will do it again. I would love to know it by heart! Of course I know every single scene! I have seen the old film with Laurence Olivier. What a Darcy!   

Another hero of my nights is Julian Fellowes! Of course I wachted “Downton Abbey“. And then I discovered my next favourite book by him “Past Imperfect“. A fantastic book, especially for people say over fifty. He portrays wishes and prospects and what becomes of them. He reads this book himself! The book, his voice, all this appears to me so personal, that I believe it to be partly his own story. Once finished, I take a break and after say 6 months I allow myself to listen to it again.  

There are more evergreens on my list. For example a Sir Canon Doyle Collection, read by Stephen Fry. The book is a never ending collection. Stephen Fry has a wonderful voice too. Love it! Another great favourite of mine I have to mention is Nancy Mitford and the Mitford Sisters. Listening to “In Pursuit of Love“ I am non-stop pleased. A smile stays put on my face. She is a repetitive with me too.

I want to recommend these books to readers of my blog. From all my heart. I think, they are especially beneficial in the night and especially good to be read in English.

To all of you a wonderful rest of the week and a nice weekend with sun and maybe a bit of rain – we need it! – and good books. Well, I did my very best in recommending mine! Stay healthy!

8. März – Internationaler Frauentag

Mimosen

Mimosen und andere gelbe Blumen bekommt man in Rom als Frau am 8. März von wildfremden Männern überreicht. Es ist einfach Anlass genug, dass man eine Frau ist und – schwupps – ruft jemand begeistert „Congratulatione!“ oder „Auguri!“ und man bekommt gelbe Tulpen, Narzissen oder Mimosen von einem freundlich lächelndem Mann in die Hand gedrückt. Auf jeden Fall war das für mich am 8. März 1991 so. Von August 1990 bis Juli 1991 habe ich nämlich, haben wir – Rainer und ich – ein Jahr in Rom gelebt.

Das war ein Jahr mit sehr, sehr viel öffentlicher Schönheit. Jeder Platz, jede neue Straße bietet einen Grund zum Schöhnheits- Glück. Die Sieben Hügel Roms und jeder hat seine Sehenswürdgkeit darauf. Und dann die ganze Vatikan-Anlage. Im Winter haben wir uns aufgrund mangelhafter Wohnungswärme oft ins Postamt des Vatikans geflüchtet, um wieder richtig warm zu werden.

Rom ist schön, wunderschön. Der Vatikan war unsere „Spielwiese“. Nirgendwo waren wir wiederholtere Male als dort. Die Korridore sind schon ein Genuss: an den Wänden sind große farbige Karten von Ländern der ganzen Welt zu bestaunen. Zu Zeiten ohne Touristen war es besonders schön, so von Weihnachten bis kurz vor Ostern. Man war sehr allein, privat, konnte in Ruhe genießen. Und dann dieser riesengroße Petersdom! Auch der Platz davor mit den ganzen großen Statuen ringsherum! Unvergessliche Schönheits-Eindrücke!

Für Touristen ist Rom ein Traum. Italiener in Rom, die sich nicht Italiener nennen, sondern Römer! haben allerdings kein leichtes Leben. Überall sind eingebaute Hindernisse: die Autos parken so eng, praktisch „auf Stoßstange“, so daß man durchaus einen Bus verpassen kann, weil man keine Möglichkeit zum Einstieg gefunden hat. Die Busfahrer fahren nach Straßenlage, egal wie gedrängt und ohne Halt die Leute stehen. Und noch mehr, aber das rutscht nun alles in den Hintrgrund.

Vielleicht hat sich das alles auch zum Besseren verändert? Immerhin sind viele Jahre inzwischen vergangen? Das schönste Mitbringsel aus Rom, aus Italien sind meine italienischen Sprachkenntnisse. Mit der Sprache der Einheimischen kommt man der Seele eines Landes näher.

So geht es mir jetzt mit der Übersetzung des chinesichen Romans. Das ist für mich so, als dürfte ich in den privatesten chinesischen Räumen herumwandern und sogar mit ihren Augen bewundern. Wunderschön! Früher stand ja die Todesstrafe auf das Erlernen der chinesischen Sprache durch Fremde: Lehrer und Schüler mussten ihr Leben lassen.

Als Kind kann ich mich gar nicht an einen Internationalen Frauentag erinnern. Das kam bei mir durch eine Seitentür in die Wahrnehmung und erinnert mich jetzt immer wieder an Rom. Danke, ihr lieben römischen Männer, von denen ich so viele Blümchen bekommen habe, dass ich mir zuhause einen ganzen Frauentagsstrauß hinstellen konnte.

Allen Frauen wünsche ich am Montag hübsche Blumen. Sind die in anderen Länder eigentlich auch immer gelb? Wenn ja, warum? Man sieht, bei mir gibt es immer noch Wissenslücken in Bezug auf die Symbolik und die Tradition des internationalen Frauentages! Ich wünsche allen dies lesenden Frauen und Männern ein schönes Wochenende – hoffentlich bereits mit Blumen! Und Montag dann weitere Blumen: gelbe und rote und blaue und, und…

Erst gestern –

Geburtstagstisch am Bett

war mein Geburtstag. Bis auf kleine Einschränkungen war der sehr gut zu feiern. Ich hatte mir sowieso vorgenommen, ab meinem Achtzigsten auf Massenveranstaltungen zu verzichten. „Ein und Ein“ ist meine bevorzugte Versammlungsform. Es sei denn, wir spielen Spiele, dann sind vier Personen bei meinen Spielen – Ma Jong, Streichquartett – genau richtig. Darüber hinaus muss es ein Thema sein, das uns als Gruppe – acht Personen sind dafür ideal, hat man herausgefunden – zusammenführt – „meine“ Digitale Zukunft – Gruppe mit lauter GRÜNEN (Partei!) findet so – inzwischen über Zoom- statt. Über zwanzig Personen dann mit einem Ehrengast – wie im PolitSalon beispielsweise: alle Gäste werden von mir vorgestellt und einer geht in seiner Ehrengastrolle thematisch auf.

der erste Strauß, von Biggi

Zu diesen kapriziösen Vorstellungen passten die Corona-Vorschriften dann richtig gut. EINE Freudin war nur eingeladen. Aga, die ich seit 62 Jahren kenne. Der hübsche Tisch morgens am Bett – siehe Foto oben – war natürlich von Rainer gestaltet. Er hatte mich genau über meine Erwartungen interviewt. Ich kann das sehr empfehlen: Männern genau zu sagen, was man sich wünscht. Wie sollen sie es sonst wissen? Ich war über meine Geschenke begeistert: Judith Rakers Buch über Homefarming. toll, schließlich haben wir eine 80 qm große Dachterrasse und wir kompostieren unsere natürlichen ungekochten Abfälle zu neuer Erde. Ein Ukulele-Liederbuch mit Abba Songs Gold. Super! Jetzt kann nicht nur Meryll Streep Abba singen. Und ein wunderschönes kleiner dicker Gedichtsband. Wir lesen zum Kaffee immer ein Gedicht nach dem Mathematik-Abreißkalender, den wir fast immer als fremd empfinden. Aber interessant.

Agas wunderschöne Blumen

Von Aga, mit vorhandenen Materialien wunderschön eingewickelt, Handcreme edelster Sorte, Seife – die sammele ich in kernigen Ausführungen – und Nagelverschönerungsutensilien. Rainer hatte einen wunderbaren Apfelkuchen gebacken. Mit der – selten bei uns auftauchenden – Schlagsahne war das ein Hochgenuss. Danach habe ich Aga dann weiter den nächsten übersetzten Abschnitt aus meinem chinesischem Roman vorgelesen. Im Roman kommt ein bellender Hund vor. Der macht auf Chinesisch „Wang-Wang“, was ich brav in „Wau-Wau“ übersetzt habe. Darüber haben wir herzlich gelacht.

wunderschön in Gelb Orange

Dann klingelt es mitten in unsere Lesung, die ich immer als Sprechdokument aufzeichne. An der tür Gabriele! Mit wunderschönen Blumen von „Himmel und Erde“. Agas waren schon von „Blumen Hahn“, auch ganz besonders und entsprechend teuer. Hier in Winterhude-Uhlenhorst sind das IT-Adressen für Blumen. Ich hole meist welche von Penny, beim Einkaufen. Aldis Blumen sind auch nicht schlecht. Heute ist Verwöhnen angesagt. Bodycreme von Dr.Hauschka für mein Wohlbefinden kommt auch noch von Gabriele dazu und eine traumhafte Karte in Orange. Sie hätte nicht gedacht, dass sie hereinkommen kann. Ja! Corona erlaubt das gar nicht! Horoor! Wir stürzen zu unseren Masken. Dabei bin ich am vergangenen Montag zum ersten Mal geimpft. Wer ist Gabriele? Sie bringt älteren Damen entzückend den Umgang mit den Internet-Medien bei. Aga ist auch dabei. „Nimm doch einmal deine Maske ab, damit sie sieht, wie du aussiehst und dich bei der ersten Stunde wiedererkennen kann.“ Ich würde sie so gern zum Bleiben ermuntern. Aber sie ist im Nu wieder verschwunden. Corona!

Blumen beim Übersetzen

Dann geht Aga auch bald. Sie ist gespannt auf die nächsre Fortsetzung. Ich schicke Katrin die aufgezeichnete Roman-Fortsetzung. Diese Aufzeichnung ist inzwischen eine Zumutung: nicht nur Gabrieles Besuch ist darauf -schlecht – zu hören, sondern auch das Ständchen durchs Telefon von meinem Bruder Wilhelm und seiner Frau Hildegard „Viel Glück und viel Segen auf all deinen Wegen…“ So ein schöner Geburtstag! Bald werde ich wieder neben diesen Tulpen von Robert sitzen und gespannt am Fortgang der Geschichte weiter übersetzen. Es macht mir großen Spaß!

Ach ja, zweiundzwanzig Geburtstagsgrüße über Whatsapp u.a. aus London, Paris, New York, Wien und aus Portugal, von einer Schülerin, die jetzt auch „schon “ richtig erwachsen ist. Und viele aus Deutschland!

Schönes Leben, oder? Dankbar von Kopf bis Fuß, innen und außen, wünsche ich allen ein wunderschönes Wochenende!

Endlich – ein Künstler hatte für die neuen Spielregeln eine kreative neue Idee – endlich

Alexander Iskin

so heißt der Künstler, dessen Geist offensichtlich nicht geruht hat, bis er eine Lösung für das „Dilemma“ gefunden hat, dass ein „wahrer“ Künstler sich ausdrücken MUSS und den es anschließend danach DRÄNGT, Menschen das von ihm geschaffene Neue zu präsentieren. Das ist und war doch das Künstler-Problem unter den neuen Spielregeln! Dass sie geweint haben – zu recht geweint haben – dass sie nicht mehr auftreten und ausstellen können. Gleichzeitig wurde die Innenstadt immer trostloser.

Nichts ist trauriger als drei leere Geschäfte nebeneinander. Wieviel Trauer und Verzweiflung kann ich mir hinter jeder Schließung vorstellen! Totales Mitgefühl! Und gleichzeitig habe ich nach einer gewissen Zeit danch gesucht, ob oder dass eine*r Künstler*in eine neue Idee kriegt. Eine Idee zu den neuen Spielregeln! Keinem wurde vor oder bei der Geburt versprochen: es wird so sein und immer so bleiben. Das Kreative an Menschen ist doch, dass sie gar nicht anders KÖNNEN als sich an jede Situation irgendwie anzupassen, oder?

Die Idee,

seine Idee war, die neuerdings leeren Geschäfte in seinen Plan der Begegnung einzubinden! Er hat die Wände eines Schaufensters weiß gestrichen, sein Gemälde, seine Skulptur ausgestellt und an die Schaufensterscheibe gut leserlich geschrieben, dass man ihn unter folgender Telefonnummer anrufen und mit ihm über sein Bild diskutieren kann.

Kunstausstellung anders!

Und tatsächlich haben einzelne Menschen mit ihm gesprochen. Ein Junge hat mit ihm über die Rekonstruktion der Teile seiner Skulptur diskutiert, bzw. auf Anregung des Jungen wurde sie in unterschiedlicher Weise zusammengefügt und sinngemäß von dem Jungen und dem Künstler kommentiert. Kunst und Gesellschaft sind sich wieder begegnet! Das ist Kunst!

Einige Menschen können sich besser ausdrücken und die anderen erkennen an ihrem Endeergebnis vielleicht Eigenes. Die Zutaten hier waren Malen und Plastizieren auf der einen Seite und eine leere Innenstandt mit leeren Schaufenstern auf der anderen Seite. Maler und Zuschauer, Produzent und Empfänger.

Auf meine kleine Weise habe ich für mich persönlich auch eine Lösung gefunden. Vielleicht ist Übersetzen nicht so kreativ oder nur ein Zwischenschritt, aber Bücher wollen auch einen Empfänger. Mein schöner chinesicher Roman hat mich ganz in seinem Bann. Hin und wieder muss ich tief durchatmen: „Ihre Lippen flattern wie zwei Blütenblätter in der ersten Blüte.“ Das ist dann doch harter Tobak für mich. Ich schlucke und denke schließlich: so steht es da aber. Wie total überrascht bin ich dann über die fassungslose Abruptheit vier Zeilen weiter. Da kontrolliere ich dann jedes einzelne chinesische Zeichen auf seine korrekten Übersetzungsmöglichkeiten.

Chinoiserie in New York gekauft
ein Schminkkasten mit Spiegel und Schublädchen

Meine kreative Lösung zu dem Dilemma: wie erreichen meine lustvollen kreativen Anstrengungen ein Publikum, habe ich nun gefunden: heute treffe ich bereits zum zweiten Mal meine Freundin, mit der ich vor 62 Jahren das Kindergärtnerinnen Seminar im Diakonissen Mutterhaus in Münster ( sieht das nicht schon herrlich aus?) besucht habe und lese ihr meine Übersetzung vor.

Beim ersten Mal hat Rainer einen Apfelkuchen gebacken, der jeden weiteren Tag noch besser schmeckte und ich habe mein Vorlesen heimlich aufgenommen. Man hört also am Anfang noch Geschirrklappern und dann Rainers „Tschüss“. – „In Hamburg sagt man Tschüss“ und „Mit meiner Mutti durch dick und dünn“ waren zwei Titel, die ich nie zu verraten Jochen schwören musste. Deswegen sind sie mir unvergesslich. Jochen ist leider schon vor langer Zeit gegangen. Die Titel sind in meiner Erinnerung geblieben!

Kommode und Spiegel im Wohnzimmer, Kommode aus London, -Spiegel aus Paris!

Aga war mehr als gnädig über mein heimliches Aufzeichnen. Nun kann ich an Freundinnen, die ich nicht treffe, die Aufnahme über Whatsapp schicken. Ich bin glücklich!

Eigentlich sollte dieser blog die Üverschreift haben: Garmisch kann auch nicht schöner sein! Mit diesen Fotos darunter

dieser Sonnenhimmel
und weiter Schnee!

Aber heute ist es so sonnig, dass ich den Frühling schon riechen kann. Allen ein gelungenes Wochenende mit allem, was für jeden so dazu gehört. Schön, dass es euch gibt. Und großen Dank, dass ihr mich lest: Hersteller und Empfänger gehören doch doll zusammen! Danke!

was nicht drinnen, ist draußen

Wenn die Abwechslungen im Großen kleiner werden, macht man eben mehr Entdeckungen im Kleinen. Das Bedürfnis meines Geistes, zu sehen, zu erkennen und zu genießen, halte ich mächtig lebendig. Oder vielleicht besser: es hält mich lebendig? Wie schön! Da ist also noch eine Instanz in mir, ganz im Sinne von David Prechts „Wer bin ich? Und wenn ja, wie viele?“ Ich bin eindeutig mehrere!

ein zahmer Drache?

Auf einem Spaziergang kriecht dieses Tier bittend in meinen Weg. „Sieh mich wenigstens an! Wenn du mehr übrig hast, sag etwas Liebes zu mir! Seit Jahren wachse ich Wurzel über den Weg und mache mich so freundlich flach, dass keiner über mich stolpert. Bitte sag etwas Liebes. Nimmst du mich wenigstens wahr?“

Ist doch toll, diese platte Baumwurzel, oder? Ich habe sie gleich wahrgenommen, das Handy gezückt und sie festgehalten und nun hat sie ihr kleines Denkmal, ihre besondere Aufmerksamkeit von jedem, der sie hier ansieht und ein bisschen bewundert.

draußen vorm Fenster

Gestern Morgen gucke ich aus dem Fenster und bin so platt wie von dem ellenlangen Laster letzter Woche. Davidkopf, Fenster, Vogelhäuschen und dahinten ein riesengroßer Kran. Eigentlich bleiben nur kleine Jungs vor so etwas bewundernd stehen. Und mich erinnert es auch gleich an meine Au-pair-Mädchen-Zeit in Beckenham, nahe Croyden, nahe London. Dort habe ich zum ersten Mal mit der Faszination meines kleinen Schützlings Jonathan vorbeifahrende Züge abgewartet und bewundert. So bunt und auch unterschiedlich. Stundenlang, so kam es mir vor. Das war 1956 und ich war Siebzehn. Ehrlich gesagt ist in meiner jüdischen Familie dort der Grundstein für meine freiere Weltsicht gelegt worden. Ich habe die Zeit dort geliebt, schnell Englisch gelernt, aus Jonathans unendlich vielen Bilderbüchern die Welt aus Kinderaugen erklärt bekommen – was dann eine wesentliche Vorraussetzung für mein Theaterstudium in London war: ich kannte „Little Noddy“ und „Winnie the Poo“ und konnte sogar unterschiedlichen Züge benennen. „Brighton Bell“ war einer von den schönen Zügen. Mit dem ist meine Familie dann mit Jonathan und mir auch tatsächlich einmal nach Brighton gefahren. Es war toll! Der Zug hatte immer Waggons, in denen Bänke für je zwei Personen standen, dazwischen ein entsprechend großer Tisch. Vorm Fenster auf dem Tisch eine Stehlampe mit orangenem Bezug. Auf dem Tisch eine weiße Stoffdecke und Serviette, wie in einem feinen Lokal und dann wurde ein Tee serviert, ein englischer Tee. Auf das angenehmste gesättigt kam man dann in Brighton an. Dieses Peer mit der wunderschönen Stahlkonstruktion. Meine Zeit bei meiner Familie Lee, die bis zur NS Zeit Levy hießen, war ein Traum.

Was mache ich täglich? Und voll Begeisterung? Na, übersetzen. Mein chinesischer Liebesroman wird langsam spannend.

Allen ein wunderschönes Wochenende mit schönen Spaziergängen und netten Gesprächen! Irgendwie!

echter Winter – echter Schnee

Abends schneit es. Ich bin begeistert. Aus Angst, am nächsten Morgen könnte sich alles in Wohlgefallen aufgelöst haben, greife ich zum Handy und halte die Herrlichkeit auf dem Balkon fest:

der erste Schnee

Ich erinnere mich beim ersten Schnee immer wieder an meine schöne Lehrerinnen-Zeit. Wenn die ersten Flocken fielen, war kein Halten mehr in MEINEN Klassen: alle liefen spontan zum Fenster, von diesem magisch langsamen Fallen angezogen. Die Lehrerin auch! Der erste Schnee zieht schnurstracks in eine Märchenwelt. Alles ist anders. Schön anders! Irgendwie auch immer mit einem Versprechen. Nach einigen Minuten hatten wir uns dann natürlich alle wieder gefangen, aber einen Moment waren wir ein gemeinsames Staunen.

am näachsten Morgen

Die schöne Überraschung: am nächsten Morgen ist alles noch da und noch überzeugender. Schön! Ich hole gleich meine Wanderschuhe raus, die ihrem ersten Gebrauch entsprechend, nur Jodelschuhe genannt werden. Meine Jodelschuhe habe ich in Wien gekauft. Im heißen Sommer 2015. Bei 40° Celsius habe ich sie eingelaufen: erst eine Stunde im Haus, dann 3 Stunden im Haus, dann einige Stunden auf der Straße, dann einen Tag auf der Straße, dann 2 Tage nacheinander und dann ging es auf die Rimpf, eine Alm, deren Namen allen Wienern vertraut zu sein schien. „Wo geht es denn hin?,“ hatte man mich im Wiener Fachgeschäft gefragt. „Auf die Rimpf!“ „Also, dann, das Eintragen der Schuhe ist ganz wichtig.“

Schneemann

Mit meinen Jodelschuhen sicher durch den Schnee stapfend, sehe ich dann auch bald den ersten Schneemann. Ach, wie liebevoll gebaut. Sogar der Körper ist aus Schnee gerollt. Etwas weiter hat man die Sache vereinfacht, sozusagen, einen Schneemann in Kurzschrift gebaut:

verkürzter Schneemann

Ich bin begeistert von den Väter-Kinder-Produktionen. Ja, ich habe die männlichen Gestalten beim Bau mit den Kindern gesehen. Die Mütter haben ja auch wirklich genug anderes zu bewältigen. Sie müssen mehr als andere durchhalten. Ganz schön anstrengend. Dabei kann man schon ermüden.

Josefiel – Engel der Heiterkeit

Mein Josefiel mit Schnee scheint auch mit dem anhaltenden gesellschaftlichen Brems-Zustand zu hadern. „Meine“ Frau scheint da taffer – auch ein Wort von früher, als man geil aud keinen Fall benutzte – sie sagt: „Das schaffen wir!“

Das schaffen wir!

Bei alledem habe ich gemütlich hinter meinem beeindruckend langen Schreibtisch gesessen und beim Übersetzen mehrere Schocks erlebt: Als da unmissverständlich aus dem Männermund: „kleine Schwester“ als Bezeichnung für das Gesprächsgegenüber mit einer offensichtlich vergangenen Liebesbeziehung auf dem Papier steht. Dann die Erlösung: sie ist nur die kleine Schwester seiner Partnerin, also die Schwägerin. Der nächste Schock: die Vermutung, dass er etwas mit dem Tod der großen Schwester zu tun hat. Wird das ein Krimi? Das erste Kapitel ist auf jeden Fall geschafft.

meine neue Frisur mit Haarteil von Budni

Es steht auf der website http://www.welt-ohne.geld.de „Eine Wildgans“ Diese Übersetzungstätigkeit begeistert mich immer mehr: ich sitze still auf einem Stuhl und gleichzeitig erobern meine Gedanken eine total andere Welt, die ich sehr lebhaft vor meinen inneren Augen sehe und nachempfinde. Toll! Übrigens bin ich unsicher geworden, was den Titel des Buches betrifft. „Wildgans“ stimmt auf jeden Fall, aber der Rest… Mal sehen, was meine chinesische Freundin Xiao Min dazu sagt.

Allen ein gutes Wochenende. Mit schönen Spaziergängen in sichereren Gefilden. Es hieß, wir kriegen ein Schneechaos wie 1978. Da war ich in London an der Royal Central School of Speech and Drama. Das Schneechaos fehlt in meiner nationalen Erinnerung. Übrigens genauso fehlt da die national gemeinsame Begeisterung für den Doris Dörries Film „Männer“. Da war ich ein Jahr in Paris. Alle Besucher aus Hamburg haben über ihn geredet. Auch noch nach meiner Rückkehr – wenigstens hin und wieder.